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Nied: Todesschranke

Nervennahrung für alle, die im Stau schmoren

  • Holger Vonhof
    vonHolger Vonhof
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Bürgerinitiative protestiert kreativ gegen die tägliche Warterei vor dem geschlossenen Übergang.

"Wenn's mal wieder länger dauert" war in den 90er Jahren der Werbespruch, der Kunden dazu bringen sollte, ihren Geduldsfaden mit einem bestimmten Erdnuss-Schoko-Karamell-Riegel zu stärken. Weil man am Bahnübergang in der Oeserstraße derzeit noch länger steht als all die Jahrzehnte zuvor, hat die Nieder Bürgerinitiative (BI) "Die Schranke muss weg" gestern im nachmittäglichen Berufsverkehr an die Wartenden in der Schlange Schokoriegel verteilt - zusammen mit Flugblättern, um im Kampf für ein zügiges Ende der Schranke noch mehr Unterstützer zu finden. Die Facebook-Gruppe der BI hat mittlerweile knapp 1500 Mitglieder, die Unterstützung ist groß.

Zu viele Versprechen nicht eingehalten

Zwar haben der Bahnbevollmächtigte für Hessen, Dr. Klaus Vornhusen, und der Frankfurter Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) am 6. Oktober auf dem an die Schranken-Kreuzung angrenzenden Gelände der SG Nied die Ankündigung gemacht, dass eine Unterführung in der zweiten Hälfte der 2020er Jahre Wirklichkeit werden und der Bau einer separaten Fußgängerunterführung vorgezogen und schon 2024 zum Abschluss gebracht werden soll, doch reicht das nicht, damit die Mitglieder der BI wieder die Hände in den Schoß legen - zu viel ist bereits versprochen worden, gehalten wurde nichts.

Auch der Plan der Bahn, dass die Technik des bestehenden Bahnübergangs - des letzten in Frankfurt, der von einem Schrankenwärter bedient wird - bis Dezember 2021 modernisiert und mit einer Lichtzeichenanlage ergänzt werden soll, kann die Gemüter derer nicht besänftigen, die derzeit tagtäglich in langen Staus stehen. "Zunächst einmal haben sich die Schließzeiten der Schranke verlängert, was in den Spitzenstunden das Chaos am Bahnübergang vergrößert und Nied-Ost noch mehr abschneidet", sagt Heike Stoner, Gründerin der Initiative. Die Schranken seien bis zu 51 Minuten pro Stunde geschlossen gewesen. Vor der Schranke Wartende berichten, dass pro Schrankenschließung bis zu acht Züge durchführen; heben sich die Schrankenbäume, kommen meist nur wenige Autos durch. Weil Nachfolgende mit ihren Autos nachdrängen, krachen die Schranken immer wieder auf Autodächer - das soll zukünftig durch eine Lichtzeichenanlage verhindert werden. Das Andreaskreuz reicht nicht: Dass man in einen Bahnübergang nur einfährt, wenn er frei ist, wird angesichts der chaotischen Situation ständig missachtet.

Viele Fragen an die Bahn und die Stadt

Die Bürgerinitiative will wissen, warum sich die Schließzeiten in den letzten Wochen verlängert haben und ob die angekündigte neue Technik daran etwas ändern wird. Die Fragenliste zur separaten Fußgängerunterführung und zur Lösung für den motorisierten Verkehr ist noch viel länger. Bahn und Stadt halten sich, was Auskünfte angeht, recht bedeckt - so gewährt die Stadt etwa nach Angaben Heike Stoners keinen Einblick in die Bahnübergangs-Schauen und die Akten der zurückliegenden Jahrzehnte. Der Kampf um die Beseitigung des Bahnübergangs währt seit Dekaden, hat jedoch etwas Fahrt aufgenommen, seit bei dem Bahnunfall am 7. Mai eine junge Frau getötet worden ist und infolge dessen die Bürgerinitiative gegründet wurde. hv

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