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Neubau polarisiert: Klimafreundlich oder „potthässlich und viel zu hoch“?

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Von: Matthias Bittner

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Beige Fassade, weißer Sockel: So könnte der Neubau in der Marschnerstraße/Ecke Eckenheimer Landstraße aussehen. Neben einer Kindertagesstätte entstehen darin 35 Mietwohnungen. Visualisierung: Büro Meixner Schlüter Wendt
Beige Fassade, weißer Sockel: So könnte der Neubau in der Marschnerstraße/Ecke Eckenheimer Landstraße aussehen. Neben einer Kindertagesstätte entstehen darin 35 Mietwohnungen. Visualisierung: Büro Meixner Schlüter Wendt © N.N.

Auf dem Areal der Eckenheimer Landstraße/Marschnerstraße in Frankfurt sind neben einer Kita mit acht Gruppen auch 35 Wohnungen geplant.

Frankfurt – Über Geschmack lässt sich streiten: Und so verwundert es nicht, dass der von der Max Baum Immobilien GmbH geplante Neubau auf dem Areal Eckenheimer Landstraße/Marschnerstraße unterschiedlich ankommt. Während die CDU-Fraktionsvorsitzende Claudia Ehrhardt bei der Vorstellung des Projektes im Ortsbeirat 3 (Nordend) erklärte, dass sich das Gebäude gut in die Umgebung einpasse, ist Manfred Zieran (Ökolinx) entsetzt. Sein Urteil: „Potthässlich und viel zu hoch.“

Sieben Stockwerke hat der Neubau auf dem Gelände der evangelischen Gethsemanegemeinde, für den das marode und ungenutzte Gemeindehaus und eine Baracke im Hof weichen müssen. Auf der Südseite sind die zwei unteren Stockwerke sowie ein begrüntes Außengelände für die derzeit an der Friedberger Anlage ausgelagerte Kindertagesstätte der Gemeinde vorgesehen.

Platz für acht Gruppen, also deutlich mehr als bisher, gibt es künftig. Im restlichen Gebäude entstehen 35 Mietwohnungen, elf davon sind gefördert. Die Zwei- bis Vier-Zimmer-Einheit bieten 4240 Quadratmeter Wohnfläche. Zehn Wohnungen sind barrierefrei und besonders für Senioren geeignet, sagte Max Baum, Geschäftsführer der gleichnamigen GmbH.

Bauantrag in Frankfurt ist schon gestellt – Planer rechnen mit anderthalb Jahren Bauzeit

Der Bauantrag ist laut Baum schon eingereicht. Im Idealfall könnten die Arbeiten Ende des Jahres mit dem Abriss beginnen und nach einer Bauzeit von anderthalb Jahren beendet sein. Damit hätte die Bauphase nur halb so lange gedauert, wie die Planung. Laut Claudia Meixner vom Frankfurter Büro Meixner Schlüter Wendt habe man drei Jahre gearbeitet, sich an der Umgebung und insbesondere an der denkmalgeschützten Gethsemanekirche orientiert, vor der sich der Neubau angesichts seiner Dachform quasi verneige.

Der Eingang zur Kita ist in der Eckenheimer Landstraße, die Wohnungen sind über zwei Eingänge in der Marschnerstraße zu erreichen. Dort ist auch die Einfahrt zur Tiefgarage, in der es neun Stellplätze für Autos, aber 140 für Fahrräder gibt. Noch nicht entschieden ist, welche Farbe das Gebäude bekommt. Laut Meixner sind eine beige oder rotbraune Fassade mit hellem Sockel oder dunkler Sockel mit weißer Fassade in der engeren Wahl.

Weil der Baukörper auf der zum Innenhof gewandten Seite zurückspringt, ist auf dem Dach der Kita Platz für eine allen Bewohnern zugängliche Dachterrasse. Während die meisten Bäume auf dem Gelände erhalten bleiben, müssen die Bäume in der Marschnerstraße weichen. Laut Johannes Kocks von der HKK Landschaftsarchitekt GmbH werden sie aber ersetzt. „Das werden keine kleinen sein, sondern solche, die gleich Wirkung zeigen“, versprach Baum.

Klimaschutz in Neubauten: Frankfurt will grüne Dächer und Regenwasser wiederverwerten

Klimaschutz sei ohnehin ein wichtiger Aspekt bei dem Bauvorhaben. So wird beispielsweise das Dach begrünt, Regenwasser aufgefangen und zur Bewässerung benutzt. Auf dem Dach wird laut Baum eine Solaranlage installiert. Auch eine Luft-Wärme-Pumpe ist zur Versorgung der Mieter vorgesehen. Weil diese in den Wintermonaten aber nicht ausreicht, gibt es zusätzlich eine Gasheizung. Eingehalten wird nach Angaben grundsätzlich der KfW-55-Standard. Eine Fassadenbegrünung ist laut Baum nicht vorgesehen. Auch klimaschonende Baustoffe wie Holz oder grüner Beton werden nicht verwendet.

Der Evangelische Regionalverband überlässt der Max Baum Immobilien GmbH das Grundstück sowie die umliegenden Wohnhäuser in Erbpacht. Diese will Baum im Zuge der Neubebauung schonend modernisieren. „Es wird keine Mieteranpassung geben“, versprach Baum, dass weiter um die sechs Euro pro Quadratmeter zu bezahlen sind. Keine Angaben machte er zu den Mieten im Neubau. Die stünden derzeit noch nicht fest, würden sich aber am ortsüblichen Niveau orientieren.

Neubauten in Frankfurt polarisieren: Schon Gethsemanekirche aus dem Jahr 1970 spaltet Gemüter

Um nochmals auf unterschiedlichen Geschmack zurückzukommen. Die Architektur der Gethsemanekirche, die nach Plänen des Frankfurter Architekten Hans Georg Heimel errichtet und im März 1970 eröffnet wurde, war auch nicht unumstritten. „Mir hat die Kirche ohne Schnörkel und ohne alles gleich gefallen“, sagt Brigitte Franke vom Gemeindevorstand, Das sahen nicht alle so. Kritiker hatten sich an den nüchternen Backsteinen und dem etwas „kalten“ Turm aus Beton gestört. (Matthias Bittner)

In Frankfurt wird immer mehr gebaut, nicht immer ist das sinnvoll, findet die neue Stadtregierung und will sich beim Bau neuer Wolkenkratzer in Frankfurt zurückhalten.

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