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Bertha Pappenheim in jungen Jahren

Jüdisches Museum

Neue Adresse fürs Frankfurter Jüdische Museum

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Mit dem neuen Anbau entsteht vor dem Jüdischen Museum bis 2019 ein neuer Platz. Als Namenspatronin wählten die Museumsbesucher die Sozialreformerin, Frauenrechtlerin und Schriftstellerin Bertha Pappenheim.

Bertha Pappenheim stand beim Jüdischen Museum gar nicht auf der Liste. Dieses hatte Besucher gefragt, wie der Platz heißen soll, der gerade zwischen dem Rothschild-Palais, in dem das Museum zu Hause ist, und dem Erweiterungsbau, der sich zur Untermainanlage öffnet, entsteht. Wenn Platz und Anbau im nächsten Jahr fertig sein werden, "soll der repräsentative Platz auch einen entsprechend repräsentativen Namen tragen", sagt Michael Lenarz, stellvertretender Direktor des Jüdischen Museums.

Doch auf der Vorschlagsliste für die Besucher nannte das Museum keine Personen, nach denen schon eine Straße in Frankfurt benannt ist, also auch Bertha Pappenheim nicht. Die Besucher votierten dennoch mehrheitlich für sie. Da der Bertha-Pappenheim-Weg im Riedberg eher ein "Weglein" ist, hielt auch Lenarz das für eine gute Idee. Im Ortsbeirat 1 erhielt der Vorschlag am Dienstagabend dann auch einstimmige Unterstützung.

Bekannt als "Anna O."

Immerhin verdankt das soziale und kulturelle Frankfurter Leben der 1859 geborenen Wienerin aus gehobener Gesellschaft viel. Auch wenn ihr Andenken davon überlagert wird, dass sie als junge Frau vom Arzt Josef Breuer behandelt wurde und über ihn als "Anna O." in Sigmund Freuds psychoanalytischen Arbeiten über Hysterie eine prominente Rolle einnahm.

Nach ihrer Genesung zog Pappenheim 1888 nach Frankfurt. Hier engagierte sie sich erst in der Armenküche der jüdischen Gemeinde, arbeitete etwas später im jüdischen Mädchenwaisenhaus und übernahm nach zwei Jahren die Leitung. Viele der jüdischen Mädchen waren damals vor Pogromen in Osteuropa nach Deutschland geflohen, und für Pappenheim war es keine leichte Aufgabe, die oft traumatisierten Kinder zu pflegen.

Dennoch engagierte sie sich parallel für den Allgemeinen Deutschen Frauenverein, übersetzte Schriften von Frauenrechtlerinnen und verfasste eigene emanzipatorische Schriften. Dass sie 1902 den Verein Weibliche Fürsorge gründete der erste von Frauen gegründete Verein in Frankfurt war nur ein Teil ihrer Arbeit gegen Mädchenhandel und Prostitution. Durch den Verein entstanden Kindergärten, Wohnheime für uneheliche Mütter oder eine Bahnhofshilfe, die alleinreisende Mädchen vor Mädchenhändlern schützte.

Erste Vereinsgründerin

Pappenheim gründete außerdem ein Mädchenheim in Neu-Isenburg und den Jüdischen Frauenbund, der es vielen Frankfurter Jüdinnen erstmals ermöglichte, ihre Arbeit außerhalb der Familie in die Gesellschaft einzubringen. Nach 1933, als die Nazis an die Macht kamen, half der Verein Juden bei der Flucht.

1936 starb Bertha Pappenheim an einem Tumor. Reden durften bei ihrer Beerdigung damals nicht gehalten werden. Dafür kann heute die Stadt Frankfurt einen repräsentativen Platz nach ihr benennen.

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