Ein Schlüssel mit der Aufschrift „Ferienwohnung”.
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Ein Schlüssel mit der Aufschrift „Ferienwohnung”.

Ferienwohnungen

Neue Auflagen für Airbnb und Co.: Kompromiss in Frankfurt

  • Alexander Gottschalk
    vonAlexander Gottschalk
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Ab heute dürfen Bürger unter strengen Auflagen ihr Zuhause zeitweise privat vermieten. Die Stadt erkennt damit einen Trend an – und vermeidet Streit mit den Internetanbietern, die mit „Home-Sharing“ Geld verdienen. Diese üben trotzdem Kritik.

Eines ist klar: Frankfurt ist nicht Barcelona. Trotzdem sieht sich die Mainmetropole im Kleinen einem ähnlichen Problem gegenüber. Wohnraum ist Mangelware, in Barcelona überrennen gleichzeitig Touristen die Stadt. Immer häufiger kommen Besucher dort aber nicht in Hotels, sondern in privat vermieteten Wohnungen unter. Das liegt im Trend, gilt als günstiger, authentischer und unbürokratischer.

Internetplattformen wie der Weltmarktführer Airbnb bringen per Mausklick Touristen und Einheimische zusammen. Ursprünglich stand das „Home-Sharing“, also das Teilen des eigenen Zuhauses, im Fokus: Stadtbewohner, die im Urlaub oder auf Geschäftsreise waren, sollten ihre vier Wände vorübergehend als Bleibe anbieten können – so stünden die Wohnungen nicht leer und wären für klamme Studenten eine Alternative.

Gewitzte Hauseigentümer und Mieter machten aus dieser Idee ein Geschäftsmodell. Statt selbst in ihren Appartements zu wohnen, boten sie diese dauerhaft als Ferienwohnungen an. Wo Einheimische leben sollten, nisteten sich Touristen ein – und bei den Hobby-Hoteliers klingelten die Kassen.

Gespräch statt Strafe

Diese Methode verschärfte nicht nur die Wohnungsknappheit, die Stadt verdiente auch weniger als mit Hotelgästen: Die Privatvermietung kann zwar wie ein Gewerbe funktionieren, ist aber in den seltensten Fällen auch als solches gemeldet. 2016 brummte Barcelona Airbnb nach langem Streit 600 000 Euro Geldstrafe auf, weil das Portal Nutzer ohne Beherbergungslizenz inserieren ließ, und nötigte ihm außerdem weitere Zugeständnisse ab.

Ganz so schlimm wie an der katalonische Küste ist die Situation in Frankfurt nicht. Das Grundproblem bleibt: Bis 2020 fehlen rund 40 000 Wohnungen. Knapp 1400 widerrechtlich als Ferienunterkünfte vermietete Wohnungen „befreite“ die Stadt deshalb seit 2013. Dennoch: Home-Sharing ist ein boomender Markt, 60 000 Gastankünfte zählte Airbnb nach eigenen Angaben im letzten Jahr in Frankfurt.

Ab heute gilt deshalb die neue Ferienwohnungssatzung, ein „guter Kompromiss“, wie Planungsdezernent Mike Josef (SPD) im Januar sagte. Die Stadtverordneten haben klare Regeln festgezurrt: Wer ein Zimmer oder eine Wohnung kurzzeitig vermieten will, muss sich dies von der Bauaufsicht genehmigen lassen. Gästezimmer können so oft vermietet werden, wie gewünscht.

Eine ganze Wohnung darf nur acht Wochen pro Jahr vergeben werden. Per Sondererlaubnis ist mehr möglich, allerdings müssen die Vermieter dann Ausgleichszahlung leisten oder Wohnraum schaffen. Wer gegen die Regelung verstößt, muss mit bis zu 25 000 Euro Strafe rechnen. Die Bauaufsicht soll kontrollieren, setzt aber zuerst auf ein partnerschaftliches Miteinander mit der „Share-Community“.

„Weltoffener Charakter“

Airbnb Deutschland begrüßte die Satzung, erneuerte aber das Angebot, „zusammenzuarbeiten, um Rahmenbedingungen zu schaffen, die den veränderten Lebensgewohnheiten der Menschen als auch dem weltoffenen Charakter der Stadt gerecht werden.“ Das Unternehmen hatte zuvor gewarnt, zu strenge Zeitbegrenzungen widerstrebten Pendlern und Vielreisenden. Das Portal stört auch, dass die Stadt eine im Landesparlament angeregte Lockerung der Genehmigungspflicht überging und auch eine vorgeschlagene 90-tägige Schonzeit für die Vermietung ignorierte.

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