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Neue Bahnstrecke im Westen von Frankfurt kommt: Wie es jetzt weiter geht

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Von: Dennis Pfeiffer-Goldmann

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So oder so ähnlich könnte es 2028 aussehen: Dann sollen Zweisystem-Stadtbahnzüge von Bad Homburg über Höchst und den Flughafen Frankfurt bis Neu-Isenburg und Dreieich fahren.
So oder so ähnlich könnte es 2028 aussehen: Dann sollen Zweisystem-Stadtbahnzüge von Bad Homburg über Höchst und den Flughafen Frankfurt bis Neu-Isenburg und Dreieich fahren. © Matthias Pieren

Die ersten Bauarbeiten für eine neue Bahnstrecke in Frankfurt und zum Frankfurter Flughafen laufen an. Auch der Zeitplan ist nun fix.

Frankfurt - Es sind zunächst nur einige Baumfällung am Bahnknoten Stadion und in Neu-Isenburg. Sie aber sind die ersten Arbeiten für die Regionaltangente West (RTW), die neue Bahnstrecke, die westlich um Frankfurt herum führen soll. Bis nächstes Jahr soll es grünes Licht für alle drei Bauabschnitte geben, kündigt Frankfurts Mobilitätsdezernent Stefan Majer (Grüne) an.

Die Züge der RTW sollen als Zweisystem-Stadtbahnen teils auf vorhandenen Gleisen, teils auf Neubaustrecken verkehren. Die 100 Meter langen RTW-Fahrzeuge sollen auf dem zentralen Abschnitt von Sossenheim bis Neu-Isenburg alle 15 Minuten fahren, sonst alle 30 Minuten, und an insgesamt 26 Stationen halten.

Neue Bahnstrecke im Westen Frankfurts: Zwei Verlängerungen schon vorgesehen

Die RTW-Strecke führt von Bad Homburg via Eschborn, Sossenheim, Höchst, Flughafen und Neu-Isenburg nach Dreieich-Buchschlag. Abzweigstrecken führen nach Bad Soden, ins Gewerbegebiet Praunheim und ins Stadtzentrum von Neu-Isenburg. Zwei Verlängerungen sind derzeit bereits ins Auge gefasst: Im Süden bis Langen, im Norden von Praunheim bis zum Nordwestzentrum.

Frankfurt: "Planungen verstärkt" für Bahn-Anbindung von Nordwestzentrum

Für die Fortführung zum Nordwestzentrum sei die Stadt Frankfurt "verstärkt an den Planungen", erklärte der Dezernent am Montagabend (14.02.2022) vor dem Mobilitätsausschuss der Stadtverordneten. Sobald es dort Ergebnisse gebe, wolle er diese im Ausschuss vorstellen. Knackpunkt ist vor allem die Lage der Station am Nordwestzentrum und ob beziehungsweise mit welchem Aufwand die oberirdische RTW-Strecke mit der unter dem Einkaufszentrum hindurch verlaufenden U-Bahn-Strecke verknüpft werden kann.

Die Arbeiten seit vorigen Mittwoch an den Bahnhöfen Neu-Isenburg und Stadion dienen laut Majer der Vorbereitung der ersten Baustellen. So solle am Stadion noch dieses Jahr der Bau einer Bogenbrücke beginnen. Diese soll die Fernbahnstrecke zum Frankfurter Hauptbahnhof überspannen. "Da die entsprechenden Sperrpausen bei der Bahn bereits beantragt sind, müssen die Arbeiten in jedem Fall termingerecht starten."

Behörde ordnet sogar Sofortvollzug an für Strecke über Flughafen Frankfurt

Im Vorfeld der Rodungen haben laut RTW-GmbH bereits "ökologische Maßnahmen" stattgefunden. So seien neue Lebensräume für Zauneidechsen angelegt worden. Nun würden Messstellen fürs Grundwassermonitoring eingerichtet und die Bahn nehme Kabeltiefbau- und Oberleitungsarbeiten vor.

Möglich sind diese Arbeiten, weil nicht nur seit 26. Januar der Planfeststellungsbeschluss für den ersten, 16 Kilometer langen Abschnitt Süd zwischen Kelsterbach und Neu-Isenburg über den Flughafen Frankfurt vorliegt, also Baurecht. Das Regierungspräsidium Darmstadt habe außerdem Sofortvollzug angeordnet, erläutert der Dezernent.

Bis Ende des Jahres solle dann Baurecht für den Abschnitt Nord von Sulzbach bis Bad Homburg sowie Praunheim vorliegen. Dieser Abschnitt ist ebenfalls 16 Kilometer lang. Schon im Sommer 2018 waren die Pläne und die Eingaben dazu in Sossenheim öffentlich erörtert worden, erinnert Majer. Da es noch Änderungen in den Plänen gegeben habe, würden diese derzeit bearbeitet. Die Öffentlichkeitsbeteiligung dazu endete Anfang Februar.

Bahnstrecke in Frankfurt: Abschnitt in Höchst ist "der komplexeste Teil"

Am längsten dauern wird es, bis es auch Baurecht für den Abschnitt Mitte gibt. Der reicht von Sulzbach bis Kelsterbach. "Das ist der komplexeste Teil", erläutert Stefan Majer. Unter anderem wird der Bahnhof Höchst zum Teil umgebaut und eine Stadtbahnstrecke von dort mit einem Tunnel unter den Gleisen zur Leunastraße geführt, dann weiter entlang und über den Main hinweg zum Südteil des Industrieparks. Im Jahr 2023 werde der Planfeststellungsbeschluss für diesen Abschnitt erwartet, so der Frankfurter Dezernent. Bis Jahresende sollten die Unterlagen offengelegt werden.

Aktuell würden die Träger öffentlicher Belange angehört, beispielsweise Behörden, Verbände oder die Betreiber von Versorgungsnetzen. Aktuell erstelle auch die Stadt ihre Gesamtstellungnahme. Intern liefen außerdem Gespräche zur Grundstücksübertragung. Eingebunden sind auch die Bürger. Sie können sich ohnehin nach der Offenlage ganz offiziell äußern. Die RTW-GmbH hatte aber bereits vorab mehrere Informationsveranstaltungen für Bürger angeboten. Anregungen daraus fließen bereits in die Planungen ein.

Raum Frankfurt: Bau der Bahn-Strecke soll 1,1 Milliarden Euro kosten

Der Bau der 50 Kilometer langen Strecke soll rund 1,1 Milliarden Euro kosten und 2028 fertig sein. Durch die Tangentialverbindung können Fahrgäste viele Ziele schneller und ohne Umsteigen erreichen. "Entscheidend ist, dass nicht mehr alle Verkehrsströme durch die Innenstadt fahren müssen", sagt Stadtrat Majer. Hauptbahnhof und S-Bahn-Stammstrecke sollen dadurch entlastet werden. (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

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