Weitere Schienen-Verbindung zum Flughafen

Neue Bahnstrecke für den Osten

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Angesichts des Bevölkerungswachstums hält Frankfurts Bürgermeister Uwe Becker (CDU) einen stärkeren Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs für nötig. Langfristig sollte es seiner Ansicht nach eine Schienen-Tangente im Osten Frankfurts geben, die Bad Vilbel, Maintal, Offenbach, den Flughafen und Mörfelden-Walldorf miteinander verbindet. Damit sollen auch neue Wohngebiete möglich werden.

Die Idee einer „Regionaltangente Ost“ (RTO) ist alt: Schon 1992 hat der damalige Umlandverband in einer Untersuchung empfohlen, Trassen für eine Schienenverbindung von Bad Vilbel über Fechenheim und Offenbach nach Neu-Isenburg freizuhalten. In Angriff genommen wurde allerdings nur die Regionaltangente West (RTW) von Bad Homburg über Höchst und den Flughafen nach Neu-Isenburg und Dreieich. Nach aufwendigen Planungen ist dieses Projekt mittlerweile so weit, dass es realisiert werden kann.

Der CDU-Politiker Uwe Becker, Stadtkämmerer und seit kurzem auch Bürgermeister in Frankfurt, denkt schon einen Schritt weiter und gräbt die Idee der RTO in veränderter Form wieder aus: Wenn die derzeit geplanten regionalen Nahverkehrsprojekte realisiert sind – neben der RTW sind das die nordmainische S-Bahn nach Hanau und der Ausbau der Main-Weser-Bahn nach Friedberg –, sollte seiner Ansicht nach der Bau einer Tangentialvebindung im östlichen Frankfurter Umland folgen.

„Wir müssen auf das Bevölkerungswachstum reagieren und uns auf die Auswirkungen des Brexit vorbereiten“, sagte Becker im Gespräch mit der FNP. „Dazu gehört auch der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs.“ Mit einer Regionaltangente Ost könnten die Zulaufstrecken in die City entlastet und der Frankfurter Osten besser erschlossen werden, meint Becker.

Bei der Streckenführung weicht er von der vor fast 25 Jahren entwickelten Trasse ab. Er schlägt vor, den Bogen noch weiter nach Osten zu schlagen und die Tangente von Bad Vilbel nach Maintal zu führen. Dort könnte sie den Main überqueren und bei Mühlheim auf die S-Bahn-Strecke in Richtung Offenbach treffen. Auf bestehenden Gleisen würde die Linie dann über Offenbach und den Frankfurter Südbahnhof zum Flughafen geführt – aber nicht in den bestehenden Regionalbahnhof, sondern über eine neu zu bauende Schleife zum neuen Terminal 3, das bisher keinen Schienen-Anschluss hat. Von dort aus könnte die RTO bis Mörfelden-Walldorf geführt werden. Zusammen mit der RTW entstehe so etwas wie ein Schienenring um Frankfurt. „Details müssen noch untersucht werden“, betont Becker. „Aber wir müssen bei diesen Themen Gas geben.“

Er sieht in der Streckenführung mehrere Vorteile: So entstehe eine neue Direktverbindung aus Bad Vilbel und dem östlichen Umland Frankfurts zum Flughafen. Auch der Frankfurter Osten mit den Gewerbegebieten rund um Fechenheim profitiere, da sich in Verbindung mit der nordmainischen S-Bahn von Frankfurt über Maintal nach Hanau neue Umsteigeverbindungen ergäben.

Vor allem aber sieht Becker die Chance, neue Wohngebiete im Nordosten Frankfurts zu realisieren. Er denkt dabei an die Ergänzung bestehender Siedlungen, aber auch an die große landwirtschaftlich genutzte Fläche zwischen Bergen-Enkheim und Niederdorfelden.

Die Kosten einer Regionaltangente Ost sind derzeit noch nicht abschätzbar. Neu gebaut werden müsste eine ungefähr 15 Kilometer lange Strecke zwischen Bad Vilbel und Mühlheim sowie die Anbindung von Terminal 3. Ansonsten könnten bestehende S-Bahn-Gleise genutzt werden. Ähnlich wie bei der RTW bietet es sich an, sogenannte Zwei-System-Fahrzeuge einzusetzen, die sowohl auf Straßenbahngleisen als auch auf S-Bahn-Strecken fahren können. Insgesamt wäre die Strecke ungefähr 45 Kilometer lang, das entspricht in etwa der Länge der RTW, für die mit Investitionskosten in Höhe von rund 400 Millionen Euro gerechnet wird.

„Wir müssen die Region stärker miteinander verbinden“, betont Becker. Er ist überzeugt, dass es im Umland dazu grundsätzlich die Bereitschaft gibt.

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