Klinikum Höchst beteiligt sich an einer Studie

Neue Chance bei Metastasen?

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Eine Patientin des Höchster Klinikums nimmt derzeit an einer Studie des Instituts für Klinisch-Onkologische Forschung am Nordwest-Krankenhaus teil. Untersucht wird, welche chemotherapeutischen Behandlungen bei Magen- und Speiseröhrenkrebs mit eingeschränkter Metastasenbildung am effektivsten sind.

Die Strapazen der vergangenen Wochen sieht man der Patientin, die ihren Namen nicht veröffentlicht haben möchte, kaum an. Eine schwere, mehrstündige Operation liegt hinter ihr. Alles musste schnell gehen, denn sie erhielt von ihrem Arzt die Diagnose Magenkrebs: Der Tumor hatte bereits leicht gestreut, also Metastasen gebildet. Die Besonderheit ihres Befunds, der ihr üblicherweise eine geringe Lebenserwartung prognostizierte, machte sie zu einer möglichen Kandidatin für eine Studie des Instituts für Klinisch-Onkologische Forschung am Nordwest-Krankenhaus, an der sich das Klinikum Höchst derzeit beteiligt.

„Die Erkrankung wurde mehr durch Zufall entdeckt“, erzählt die Patientin. Gemerkt habe sie nichts. Nach dem Tod ihres Mannes im vergangenen Jahr habe sie sehr abgenommen, aber auch wieder zugenommen. Sicherheitshalber habe ihr Hausarzt bei einer routinemäßigen Blutuntersuchung bestimmte Werte prüfen lassen. Glücklicherweise, denn sonst wäre es vielleicht schon zu spät gewesen.

Die Frau ist eine Patientin von Professor Matthias Schwarzbach, dem Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Gefäß- und Thoraxchirurgie am Höchster Klinikum. Die Studie mit dem Namen „Renaissance“, an der er beteiligt ist, untersucht unter der Leitung von Professor Salah-Eddin Al-Batran vom Nordwest-Krankenhaus, welche chemotherapeutische Behandlungsmethode bei Krebserkrankungen des Magens und der Speiseröhre mit limitierter Metastasenbildung am effektivsten ist. Zwei Varianten werden untersucht: die Chemotherapie in klassischer Form, wie sie alljährlich bei Tausenden Patienten zur Anwendung kommt, und die Chemotherapie, die gleich im Anschluss nach der Entfernung der von Tumor und Metastasen befallenen Stellen direkt im Bauchraum angewendet wird – die „Hypertherme Intraperitoneale Chemoperfusion“, kurz HIPEC.

Nur wenige Krankenhäuser in Deutschland sind auf dieses Verfahren spezialisiert. In Frankfurt sind es das Klinikum Höchst mit Professor Schwarzbach und sein Team. Der Arzt, der 2010 an das Höchster Klinikum kam, ist ein ausgewiesener Experte vor allem auf dem Gebiet der Tumorchirurgie, war zuvor an der Universitätsklinik Heidelberg und Leiter des Transplantationszentrums Mannheim. Außerdem ist er Gründungsvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Klinisches Prozessmanagement (DGKPM, siehe „Info“ unten). Zu seinen medizinischen Spezialgebieten gehören unter anderem Sarkom- und Bauchfellkrebserkrankungen. Der Tumorbefall des Bauchfells tritt meist als Begleiterscheinung einer fortgeschrittenen Magen-, Darm-, Eierstock- oder Blinddarmkrebserkrankung auf. Man spricht hierbei von einer Peritonealkarzinose.

Schwarzbachs Patientin hat die Operation samt HIPEC-Verfahren bereits hinter sich gebracht. Es ist ein großer, belastender Eingriff für den Körper. Bei dem Verfahren wird dem Patienten gleich im Anschluss an die Entfernung von Magen und sichtbar tumorösem Befall des Bauchfells und anderer Organe ein auf 42 Grad erwärmtes Chemotherapeutikum in den Bauchraum gegeben. Mit Hilfe einer Art „Herz-Lungen-Maschine“ (Perfusionsmaschine) wird die Flüssigkeit gleichmäßig bewegt. „So sollen auch Mikrometastasen, die nicht sichtbar sind, zerstört werden“, erklärt Schwarzbach. 271 Patienten sollen im Rahmen der Studie untersucht werden. Menschen, bei denen es zu einer eingeschränkten Metastasierung aufgrund eines Magen- oder Speiseröhrentumors gekommen ist. Menschen wie die Höchster Patientin, die jetzt erst einmal in die Reha geht. „Wir kämpfen für Patienten mit diesem Erkrankungsbild, möchten ihnen eine Möglichkeit zur Lebensverlängerung oder gar auf Heilung eröffnen, darum ist diese Studie so wichtig“, betont der Professor.

Die Sterberaten bei Magenkrebs sind hoch. Vor allem, wenn der Krebs bereits Metastasen im Bauchfell bildet. Zahlen des Robert-Koch-Instituts machen dies deutlich: So erkrankten im Jahr 2012 bundesweit 15 640 Menschen an Magenkrebs, davon 9180 Männer und 6460 Frauen. Im selben Zeitraum verstarben an der Erkrankung 9978 Menschen, 5770 Männer und 4208 Frauen. Die Wahrscheinlichkeit, die nächsten fünf Jahre nach der Behandlung zu überleben – man spricht von der „relativen Fünf-Jahres-Überlebensrate“ – liegt bei knapp 30 Prozent. Die Behandlungserfolge hängen letztlich von der Art des Krebses ab, davon, ob er sehr aggressiv ist, ob er lokal begrenzt, sich im gesamten Organ – etwa an den Magenwänden – ausgebreitet oder gar schon Metastasen gebildet hat.

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