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Manuel Friedrich an seinem Arbeitsplatz. Foto: Michael Schick

Porträt

Der neue Chef an der Frankfurter Strecke

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Manuel Friedrich steht bis zum Frankfurt-Marathon noch eine ereignisreiche Woche bevor. Bis zu 90 Stunden wird der 33-Jährige nach eigener Einschätzung im Einsatz sein, damit der 38. Lauf am Sonntag reibungslos über die Bühne geht.

Über mangelnde Arbeit wird sich Manuel Friedrich in dieser Woche nicht beklagen müssen. Etwa 80 bis 90 Stunden wird der 33-Jährige nach eigener Einschätzung im Einsatz sein, damit am Sonntag bei der 38. Auflage des Frankfurt-Marathons alles reibungslos über die Bühne geht. Der Obertshausener ist seit diesem Jahr der neue Streckenchef von Deutschlands ältestem Stadtmarathon.

Streckenchef bei einer Großveranstaltung ist kein Ausbildungsberuf, aber Friedrich hat den Job von der Pike auf gelernt. 2005 hat er seine Ausbildung als Veranstaltungskaufmann bei der Agentur Motion Events, dem Orga-Büro des Frankfurt-Marathons, begonnen. „Ich habe quasi im Lager angefangen“, erinnert sich Friedrich, der eigentlich beim Sportamt Frankfurt anfangen wollte, doch dort waren die Ausbildungsplätze schon vergeben. Ab 2008 war er dann beim Marathon für die Streckenfeste zuständig und knüpfte Kontakte zu Sponsoren, Ausrichtern und Vereinen. Zu diesem Zeitpunkt hatte Friedrich bereits seinen ersten Marathon selbst gelaufen.

Dabei war es eher einem Unfall geschuldet, dass der Libero von Kickers Obertshausen mit dem Laufen anfing. Als Abiturient zog er sich beim Fußball einen Kreuzbandriss zu. In der Reha begann er mit dem Laufen. „Ich habe die Fußballschuhe schweren Herzens an den Nagel gehängt“, sagt Friedrich.

Dafür konnte er sich dann für seinen Job umso mehr begeistern. Marathons organisieren und selbst laufen, das passte. 2007 lief er seinen ersten Marathon. Über seinen Chef, Marathon-Guru Jo Schindler, erhielt er sogar einen Startplatz für New York. In diesem April hat Friedrich seine Bestzeit beim Marathon in Paris auf sehr beachtliche 3:15 Stunden gesteigert. Insgesamt absolvierte der 33-Jährige in diesem Jahr schon drei Läufe über 42,195 Kilometer, im Juli sogar auf Mauritius. Friedrich schwört, dass er erst die Flitterwochen gebucht hat und dann entdeckte, dass ausgerechnet in dieser Zeit ein Lauf angeboten wurde. Seine Frau Verena nahm es ihm nicht krumm. „Sie unterstützt mich und supportet mich an der Strecke“, so Friedrich.

FRANKFURT-MARATHON

Am Sonntag, 27. Oktober, um 10 Uhr gehen die Läufer auf die gut 42 Kilometer lange Strecke. Wer noch mitlaufen will, kann sich bis spätestens Samstag anmelden, dann vor Ort auf der Marathonmall.

Start ist am Messegelände, Ziel in der Festhalle, dazwischen geht es durch die Stadt bis nach Höchst und wieder zurück. Stadtteilfeste am Streckenrand begleiten das Ereignis. ill

16 Marathons hat Friedrich schon absolviert, aber der „eigene“ in Frankfurt gehört noch nicht dazu. Denn da hat er als Organisator alle Hände voll zu tun. Als Streckenchef schaut er natürlich auch bei anderen Marathons genau hin, zumindest meistens. „In Paris war ich so im Tunnel, aber ansonsten schaue ich mir schon an, wie andere ihre Verpflegungsstationen aufbauen.“

An selber laufen ist in dieser Woche nicht zu denken. Es stehen viele Konferenzen und Briefings an. Vom Besenwagenfahrer über die Streckenposten bis zum Verpfleger müssen alle ihre Aufgaben kennen. Dazu müssen die Anlieferungen kontrolliert werden und die Halteverbote, die beantragt wurden. Am Samstag beginnt dann laut Friedrich die heiße Phase. Es gibt Koordinationsgespräche mit dem Verband und der Polizei, dazu müssen nochmal alle Baustellen entlang der Strecke kontrolliert werden. Denn Fehler auf der Strecke sind schwer zu korrigieren. „Auf die Strecke kommt es am Tag x drauf an“, betont Friedrich.

Bammel hat Friedrich vor der Aufgabe nicht, auch wenn er in die großen Fußstapfen von Dieter Bremer tritt, der jahrelang Streckenchef war. Die Expertise seines Vorgängers darf er weiterhin in Anspruch nehmen und Friedrichs Chef Schindler ist sich sicher, dass sein junger Mitarbeiter der Aufgabe gewachsen ist. „Er wird der Veranstaltung genauso seinen Stempel aufdrücken wie es Bremer auch gemacht hat“, davon geht Schindler fest aus. Große Veränderungen will Friedrich gar nicht vornehmen, das Sicherheitskonzept und die Kommunikation will er überarbeiten, ansonsten verspricht er: „Frankfurt soll weiterhin ein schnelles Pflaster bleiben.“

Wenn der Marathon und die Nachbereitung vorbei sind, kommt Friedrich auch nicht wirklich zur Ruhe. Der 33-Jährige ist SPD-Fraktionsvorsitzender in Obertshausen und nicht nur im Stadtparlament, sondern auch für die Bürgermeister-Wahl im kommenden März von seiner Partei nominiert worden. Als sei das nicht genug, ist Friedrich auch Zweiter Vorsitzender der Naturfreunde Obertshausen und hat dort eine Jugendgruppe aufgebaut. „Es macht mir Spaß, Ausflüge in die Natur zu organisieren“, begründet Friedrich sein Ehrenamt. Er selbst geht mit seiner Frau, die aus dem Taunus stammt, gerne mal auf den Altkönig. Es muss nicht immer das Marathon-Tempo sein, Friedrich kann es auch mal ruhiger angehen lassen.

Doch bei all dem kommt die Eintracht ein bisschen zu kurz. Friedrich ist begeisterter Fan, hat eine Stehplatz-Dauerkarte auf der Nordwesttribüne und war in der vergangenen Saison auch beim Europapokal-Gastspiel der Eintracht in Mailand dabei. „Die Eintracht fällt im Moment ein bisschen hinten runter“, gesteht Friedrich und schaut auf das Eintracht-Kissen in seinem Büro in der Sonnemannstraße. Drum herum stapeln sich die Unterlagen für den Marathon am Sonntag.

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