Ruth Hohmeister hat heute ihren elften Arbeitstag als neue Leiterin des Friedrich-Dessauer-Gymnasiums. Die 48-Jährige ist ursprünglich Lehrerin für Mathematik und Evangelische Religion.
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Ruth Hohmeister hat heute ihren elften Arbeitstag als neue Leiterin des Friedrich-Dessauer-Gymnasiums. Die 48-Jährige ist ursprünglich Lehrerin für Mathematik und Evangelische Religion.

Schullandschaft

Neue Chefin am Dessauer

  • Holger Vonhof
    VonHolger Vonhof
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Ruth Hohmeister leitet Gymnasium im Höchster Bikuz

Ruth Hohmeisters erste Schritte in die Führungsebene waren eher zufällig. Als sie an ihrer damaligen Schule aus ihrer ersten Elternzeit zurückkehrte, stand die Wiedereingliederung ins Kollegium an. "Du machst doch Mathe, da wirst du doch planen können", hieß es, und sie wurde mit der Erstellung des Stundenplans beauftragt. Am 1. Juli hat sie nun die Leitung des Friedrich-Dessauer-Gymnasiums im Höchster Bikuz übernommen, als Nachfolgerin von Claudia Hemmling.

Gekommen ist sie von der Bettinaschule im Westend, einem renommierten Gymnasium. Höchst reizte sie. "Als ich mich beworben habe, habe ich erst einmal mit meiner Familie einen Fahrradausflug hierher unternommen", lächelt sie. Überhaupt lächelt sie viel, strahlt Zuversicht und Freundlichkeit aus. Studiert hat sie Mathematik und Evangelische Theologie auf Lehramt, in Frankfurt, wo sie auch geboren ist, in Eschersheim. Wie viele Frankfurter war sie zuvor nie in Höchst, das sie nicht kannte - nun aber noch besser kennenlernen möchte. Dass Höchst nicht unbedingt Frankfurt ist, hat sie schon festgestellt: "Ich habe das Gefühl, ich bin in einer neuen Stadt gelandet." Sie will ihre Schule einbringen in den Stadtteil, etwa gemeinsam mit anderen Schulen Konzerte anbieten.

Jetzt erst

einmal ankommen

Aber jetzt möchte sie zunächst ankommen. "Ich möchte erst einmal den Kolleginnen und Kollegen zuhören." Sie war beim Abi-Ball vorigen Donnerstag im Höchster Schloss dabei, durfte die Präsentation eines Anti-Rassismus-Projektes erleben, das aus der Initiative der Schülerschaft heraus entstanden ist (wir berichteten). Das hat sie beeindruckt. "Es gibt hier ganz tolle Projekte und sehr engagierte Kollegen. Da will ich nicht von außen kommen und eine ganz andere Richtung vorgeben", sagt sie. "Wir werden das gemeinsam angehen." Ihr Stellvertreter, Martin Schroeder, ist erst ein Jahr an der Schule; sie ist ganz neu. "Das Kollegium hier hatte viel zu stemmen", sagt sie - und lobt die "unheimlich große Vielseitigkeit" und die "Bandbreite an Wissen" der Frauen und Männer, die am renommierten Höchster Oberstufengymnasium unterrichten.

"Ich habe gelernt, Schule als großes Mosaik zu begreifen, mit vielen bunten Steinchen. Meine Aufgabe ist es nun zu schauen, wie die Steinchen zusammenpassen, damit es ein schönes Gesamtbild gibt", sagt die Mutter einer Tochter (18) und eines Sohnes (15), die auf ein anderes Frankfurter Gymnasium gehen. "Es ist für mich spannend, es auch von der Elternseite mitzuerleben", sagt Ruth Hohmeister. Und lächelt.

Sie möchte auch

selbst unterrichten

An der Bettinaschule im Westend war sie Fachbereichsleiterin, konnte aber in unterschiedlichste Leitungsbereiche hineinschnuppern. An ihrer neuen Schule möchte sie auch weiterhin selbst unterrichten. "Zum einen, um an den Schülern dranzubleiben. Zum anderen, um verstehen zu können, was die Kollegen belastet und was sie im Unterricht mitbekommen." Die Kollegen, so sagt sie, verstünden "es hier wirklich, die Schüler von ihren Fächern zu begeistern." Ihr als Mathematikerin sei es wichtig, gerade auch Mädchen für die MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) zu interessieren. Mathe sei oft nicht das Problem - Physik sei das Fach, das Mädchen nicht gleich anspreche. Und warum hat sie Mathematik studiert? "Ich mag Mathe, weil es etwas ganz Klares und Strukturiertes ist und man trotzdem viel Kreativität braucht." Und sie weiß: "Ohne Mathematik würde vieles nicht so funktionieren, wie es das tut."

Lehrerin zu werden, das habe für sie früh festgestanden. Sie habe Nachhilfe gegeben und ehrenamtlich Kinderfreizeiten begleitet, zum Teil für die Kirche, zum Teil auch für die Stadt. Kunstlehrerin, das sei auch eine Option gewesen. Sie besucht noch heute gerne Kunstausstellungen, geht mit der Familie wandern, reist gerne in Europa oder unternimmt Radtouren. Derzeit kommt sie täglich mit dem Rad zur Arbeit, 15 Kilometer - sie hofft, es ganzjährig durchzuhalten. Und was sie besonders freut: Ihre 18 Jahre alte Tochter hat ihr eröffnet, dass sie gerne Lehrerin werden möchte . . . Holger Vonhof

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