Frank und Frank führen die Grünen: Julia und Daniel sind nicht verwandt, aber die neuen Vorstandssprecher der Partei.
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Frank und Frank führen die Grünen: Julia und Daniel sind nicht verwandt, aber die neuen Vorstandssprecher der Partei.

Stadtpolitik

Neue Doppelspitze der Grünen in Frankfurt teilt ihre Macht

Julia Frank und Daniel Frank sind überraschend zu den neuen Chefs der Grünen in Frankfurt gewählt worden. Sogleich kündigen sie einen ungewöhnlichen Schritt an.

Frankfurt -Gleich zu Anfang hat der neue Vorstand der Frankfurter Grünen ein Zeichen gesetzt: An der kurzfristig anberaumten Pressekonferenz nahmen acht der neun Vorstandsmitglieder teil und alle kamen der Reihe nach zu Wort. Nur die Landtagsabgeordnete Mirjam Schmidt fehlte krankheitsbedingt.

"Wir alle sind der Vorstand", sagte Daniel Frank, der künftig zusammen mit Julia Frank an der Parteispitze steht. "Wir alle gemeinsam sind für unsere Mitglieder da. Wir alle sind ansprechbar. Wir werden die Arbeit auf alle Schultern verteilen."

Lob vom Urgestein der Partei: "Die grünsten Grünen aller Zeiten"

Der neue Kreisvorstand setzt sich zusammen aus: den beiden Parteisprechern Frank und Frank, Schatzmeister Sebastian Hakan Nitz sowie den sechs Beisitzern Natalie Becker, Tara Moradi, Friederike von Franqué, Mirjam Schmidt, Thomas Schlimme und Burkhard Schwetje. Sie alle waren am Wochenende bei einer digitalen Mitgliederversammlung, an der gut 200 Grüne teilgenommen hatten, gewählt worden. Der Urgrüne Thomas Schlimme ist der einzige, der auch schon dem alten Vorstand angehörte. "Ich fühle mich so wohl, wie noch nie zuvor bei den Grünen", sagte Schlimme, der seit April dem Stadtparlament angehört. "Das sind die grünsten Grünen, die ich je erlebt habe."

Die beiden Politikneulinge Julia Frank und Daniel Frank - sie sind nicht verwandt - hatte sich überraschend gegen die Landtagsabgeordnete Miriam Dahlke und den Stadtverordneten Christoph Rosenbaum durchgesetzt. Dahlke und Rosenbaum waren bereits Beisitzer im alten Vorstand, jetzt wollten sie an die Parteispitze. Doch daran hinderte sie die Basis.

Ein Grund dafür dürfte das bröckelnde Vertrauen der Parteimitglieder in die Führungsriege der Grünen gewesen sein. Die Basis hatte in den vergangenen Wochen massive Kritik am Personal- tableau für die fünf zu besetzenden grünen Dezernentenposten geübt. Der ursprüngliche Vorschlag von Parteivorstand und Verhandlungskommission sah drei Männer und zwei Frauen vor. Das widerspricht jedoch dem Frauenstatut der Grünen, wonach Gremien paritätisch besetzt werden müssen. Und auch der zweite Vorschlag - drei Frauen und zwei Männer - stieß auf Kritik. Die Basis fühlte sich in die Entscheidungsprozesse nicht eng genug miteingebunden. Die Rede war von einem "ausgeklügelten Personaltableau im Hinterzimmer".

Grüne in Frankfurt nehmen Bundestagswahl im Visier

"Wir müssen dringend unsere Kommunikation zur Basis verbessern", sagte Julia Frank. Derzeit würden die Mitglieder wöchentlich "eine Flut von E-Mails" bekommen - der Teenager ebenso wie der Senior. "Wir müssen mit unseren Mitgliedern in den Austausch gehen und schauen, welche Kommunikationswege für sie am besten sind." Daniel Frank merkte jedoch auch an, dass der Vorstand den Kontakt zur Basis nicht verloren hätte. "Wir können auf einem guten Fundament aufbauen", sagte er.

Im Fokus der Grünen steht jetzt aber erst einmal die Bundestagswahl am 26. September. "Wir sind der Motor für unsere beiden Direktkandidaten", sagte Daniel Frank. Für die Grünen in Frankfurt treten der Bundestagsabgeordnete Omid Nouripour und Deborah Düring an. "Wir können wieder stärkste Kraft werden", sagte Daniel Frank, der im Vorstand als Bindeglied zum Landes- und Bundesverband der Grünen fungieren möchte.

Julia Frank legt Amt als Vorsitzende des Stadtelternbeirats nieder

Julia Frank hingegen, die seit April auch Stadtverordnete ist, will den Vorstand in die Stadtgesellschaft und das Parlament vernetzen. Erfahrung darin hat sie bereits gesammelt. Die Konzertveranstalterin ist seit eineinhalb Jahren nämlich auch Vorsitzende des Stadtelternbeirats. Dieses Amt wird sie aber zum 8. Juli niederlegen. Das habe sie dem Gremium gleich am Sonntag mitgeteilt. Mit diesem Schritt will Frank einen Interessenskonflikt vermeiden. "Ich habe mich entschlossen, mich in den kommenden fünf Jahren proaktiv im Bildungsausschuss für die Belange der Schüler und Eltern einzusetzen", sagte Julia Frank. Übergangsweise übernimmt ihre Stellvertreterin Andrea Herschbach die Führungsposition. Nach den Sommerferien soll der Vorsitz neu gewählt werden.

Auch die Grünen werden noch einmal zur Wahl gebeten. Weil Personenwahlen per Gesetz persönlich stattfinden müssen, muss die Basis die Abstimmung von Samstag nun noch per Brief- oder Urnenwahl bestätigen. Dazu haben die Mitglieder bis zum 9. Juli Zeit. Das Ruder hat die neue Führungsriege aber dennoch übernommen. So sei es abgesprochen. "Wir sind entscheidungsfähig, werden uns aber mit dem alten Vorstand absprechen", sagte Julia Frank. "Das Verhältnis war vorher eng und wird es auch bleiben." ( Julia Lorenz)

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