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Die Bahnsteige an der Musterschule sind 60 und 80 Zentimeter hoch. Nur die hohe Fläche ist barrierefrei.

Eckenheimer Landstraße

U 5: Neue Haltestelle mit einigen Macken

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Seit gestern fahren Züge auf der Linie U 5 wieder durchgängig vom Hauptbahnhof nach Preungesheim. Fahrgästen gefällt der barrierefreie Umbau der Station Musterschule. Doch am kommenden Sonntag wird die Strecke schon wieder unterbrochen.

Benjamin Schmitt hat einen Spaziergang gemacht. Er ist mit seinem Sohn Jonathan von der Gießener Straße heruntergegangen, um sich die neue Station „Musterschule“ anzuschauen, sagt er und blickt in den Kinderwagen, in dem der Nachwuchs mucksmäuschenstill liegt. „Der Umbau hat Monate lang gedauert. Warum muss man die Strecke in der kommenden Woche schon wieder unterbrechen?“, fragt sich Schmitt.

Tatsächlich tauscht die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) dann am Marbachweg Weichen aus. Dies wird vom 17. Oktober bis zum 3. November dauern. Der Grund: „Die Züge der U 5, die jetzt auf der Strecke fahren, sind breiter als die anderen Züge“, erklärt VGF-Sprecher Bernd Conrads. „Zwei entgegenkommende Züge könnten sich in der Kurve touchieren.“ Deswegen ist ein größerer Abstand der Schienenwege erforderlich. „Wir wissen, es ist ärgerlich, wenn die Strecke nach einer Woche wieder unterbrochen wird, aber dem Hersteller der Weichen war es nicht möglich, einige Wochen früher zu liefern.“ Wie berichtet, mussten die auf 19 Millionen Euro veranschlagten Bauarbeiten um sechs Wochen verlängert werden. In dieser Zeit hätten auch die Weichen getauscht werden können, so Conrads.

Vorerst genießen die Frankfurter die neue Station. Auch Lena Rademacher ist mit ihren beiden Jungs Luis (3) und Leon am Bahnsteig, Leon fährt im Kinderwagen. „Früher war es immer problematisch, mit den Kinderwagen in die U 5 zu kommen, wir mussten alles die Stufen hinaufschleppen.“ Ohne fremde Hilfe sei das fast nie gelungen.

Als ein Zug an der Station hält, steigt Benjamin Schmitt mit dem Kinderwagen ein. Es geht problemlos, wie fast überall an der Strecke. „Wir fahren nach Hause, der Kleine hat Hunger.“ Dass der Einstieg mit Kinderwagen nur in der Mitte des Bahnsteigs möglich ist, damit könne Schmitt leben, sagt er.

Die „Bastionsbauweise“ an den Stationen „Musterschule“ und „Glauburgstraße“ besteht darin, dass die Bahnsteige nur in der Mitte 80 Zentimeter hoch sind, rechts und links am 73 Meter langen Bahnsteig jedoch nur 60 Zentimeter. Diese Merkwürdigkeit wählte die VGF, „um einen massigen optischen Eindruck und eine stadtteiltrennende Wirkung der Bahnsteige in der engen Eckenheimer Landstraße zu vermeiden“, wie Conrads sagt. Wer auf Barrierefreiheit angewiesen ist – Eltern mit Kinderwagen, Rollstuhlfahrer oder Senioren mit Rollatoren – wird an den anderen Stationen der U 5 darauf hingewiesen: An der Konstablerwache etwa ist der mittlere Teil des Bahnsteigs mit einer gelben Linie gekennzeichnet, in der Dynamischen Fahrgast-Information läuft in roten Buchstaben der Hinweis: Um an der Musterschule barrierefrei aussteigen zu können, müsse man an der gelben Linie einsteigen.

Noch etwas will die VGF im laufenden Betrieb beobachten: Wenn ein Zug des Typs „U 5-50“ an der Station „Musterschule“ hält, öffnet sich eine seiner Türen schon an der Schräge, die zum barrierefreien Teil des Bahnsteigs hinauf führt, denn ein solcher Zug ist nur etwa 48 Meter lang. Davon sei die VGF jedoch nicht am Sonntagmorgen überrascht worden, versichert Conrads. „Das ist schon im Sicherheitsgutachten vor zwei Jahren angesprochen und als unbedenklich bewertet worden.“ Die VGF werde es beobachten und gegebenenfalls den Haltepunkt für die U 5-50 nach hinten verlegen. Bislang ist geplant, auf der Strecke vorwiegend zwei gekoppelte U 5-25-Wagen zu fahren. Solche Züge haben die richtige Länge von 50 Metern.

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