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Riesiges Ungetüm: Die Kälteanlage der Städtischen Bühnen ist schon alt und muss ausgetauscht werden. Sie sorgt dafür, dass es im Sommer in Oper und Schauspiel nicht zu warm wird.

Maßnahmen

Frankfurt: Bei Oper und Schauspiel gibt es sehr viel zu tun

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Bis eine große Sanierung oder ein Neubau der Städtischen Bühnen ansteht, gibt es viel zu tun an dem Gebäude. Neue Aufzüge und mehr Brandmelder sind nötig, Schäden an Dach und Fassade müssen ausgebessert werden.

Frankfurt - Risse in den Wänden, bröckelnder Beton, undichte Dächer, alte Wasserleitungen, marode Klima-, Heizungs- und Kältetechnik: Die Doppelanlage der Städtischen Bühnen ist abgewirtschaftet. Das steht seit geraumer Zeit fest. Jahr für Jahr werden für die Instandsetzung und Wartung des Gebäudes aus dem Jahr 1963 ein bis zwei Millionen Euro ausgegeben. Ein Zustand, den man nicht länger hinnehmen will.

Offene Zukunft

Wie aber geht es weiter mit Oper und Schauspiel? Diese Entscheidung muss noch getroffen werden. Bis Ende März immerhin will der Leiter der Stabsstelle Städtische Bühnen eine erste Einschätzung abgeben, ob eine Sanierung noch sinnvoll oder doch ein Neubau empfehlenswerter ist. Dann muss sich die Römer-Koalition aus CDU, SPD und Grünen festlegen, was sie will. Bis dahin aber können noch Monate – möglicherweise auch Jahre – ins Land ziehen. Damit die Doppelanlage aber nicht noch mehr verfällt und der Spielbetrieb ungestört weiterlaufen kann, sind zahlreiche Maßnahmen nötig, die dem Erhalt der Gebäudesubstanz dienen. Das gab Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) jetzt bekannt.

So sieht es im Hinterhof der Oper aus.

Ihre Antwort geht auf eine Anfrage des kulturpolitischen Sprechers der FDP-Fraktion im Römer, Stefan von Wangenheim, zurück. Er wollte wissen, was momentan in Bezug auf die notwendige Bauunterhaltung am Gebäudekomplex der Städtischen Bühnen am Willy-Brandt-Platz passiert und wie der Zustand des Daches und der Wasserleitungen ist.

Lange Mängelliste

Die Liste der Maßnahmen, die nötig sind, um Schauspiel und Oper in Schuss zu halten, ist lang. Da werden etwa die Brandschutzmängel erwähnt, die „in einem laufenden Prozess“ beseitigt werden, wie die Kulturdezernentin sagt.

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Alle Maßnahmen würden mit der Feuerwehr besprochen, es gebe regelmäßige Brandschutzkontrollen. Die Brandmeldeanlage werde erweitert, die Brandmelder ausgetauscht. Auch die Sprinkleranlage werde erweitert und der Feuerwehrfunk erneuert. Notwendig seien außerdem neue Aufzüge.

Nach Angaben von Ina Hartwig muss zudem die Großkältemaschine aus den 80er Jahren ausgetauscht werden.  Dazu ist auch die Erneuerung des Kühlturms vorgesehen, um garantieren zu können, dass es in den Häusern nicht zu warm wird. Bei einem Ausfall der Großkältemaschine könne der Spielbetrieb im Sommer nicht aufrechterhalten werden. Außerdem würden die Schaltschränke der Gebäudeleittechnik stetig saniert, die Lüftungs- und Kälteanlage für die Probebühne des Schauspiels müsse erneuert werden. Aufgrund ihres Alters sei die Maschine nur begrenzt funktionsfähig. Ohne diese Anlage sei die Probebühne aber nicht zu nutzen.

Die Debatte um die Frankfurter Bühnen ist noch nicht beendet.

Das Dach der Doppelanlage wird laut Kulturdezernentin jedes Jahr gewartet, Löcher oder Ähnliches würden ausgebessert und erneuert. Die auf dem Flachdach installierten Abläufe, die Regenwasser abfließen lassen sollen, würden, „so weit wie möglich“, mit einer Kamera befahren. Anhand des Bildmaterials werde dann entschieden, welche Abläufe saniert und erneuert werden. Auch die Fassaden von Schauspiel und Oper würden jedes Jahr in Augenschein genommen. Schäden würden umgehend repariert und instand gesetzt werden.

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Zudem werden verschiedene Versorgungsschächte mit Ab-, Regen- und Trinkwasser in den kommenden Jahren saniert, alte Elektroverteilungen, Steuerschränke und Elektrokabel werden ausgetauscht. Darüber hinaus sollen Arbeitsplätze und Räume – etwa die Requisite vom Schauspiel und die Maskenwerkstatt von der Oper – auf den heutigen Stand der Technik gebracht werden. Der Bühnenboden der Oper wird in der kommenden Sommerpause saniert. Außerdem bekommt das Schauspiel in den kommenden zwei Jahren eine neue Punktzuganlage. Diese ist notwendig, um die Bühnenbilder während einer Vorstellung schnell wechseln zu können.

Info: Auslastung der Städtischen Bühnen

Die Städtischen Bühnen sind beim Publikum so beliebt wie eh und je: So konnte das Schauspiel mit einer Auslastung von 91 Prozent in der Saison 2017/18 die historisch beste Spielzeit nach dem Zweiten Weltkrieg feiern. Als Begründung nennt Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) den Start der neuen Intendanz von Anselm Weber und die Neugierde des Frankfurter Publikums. Die hohe Anzahl an Neuproduktionen und Frankfurter Premieren hätten diesen Effekt ebenfalls verstärkt.

Mit einer so hohen Auslastung kann die Oper nicht mithalten, das Haus konnte aber immerhin in der Spielzeit 2017/18 mit einer durchschnittlichen Auslastung von rund 80 Prozent aufwarten. Dies bedeutet allerdings einen Rückgang von etwa fünf Prozent. Ina Hartwig vermutet, dass dies in erster Linie „mit einem künstlerisch ambitionierten Spielplan“ zu tun hatte, der unbekannte Stücke in den Vordergrund stellte. „Dies tut dem Erfolg der Oper Frankfurt, die wegen ihres hervorragenden künstlerischen Programms gerade zum vierten Mal ,Opernhaus des Jahres’ wurde, aber keinen Abbruch“, so Hartwig. Im aktuellen Spielplan gibt es wieder mehr Durchmischung: Neben der kontinuierlichen Erweiterung des Repertoires sind einige Klassiker bei den Neuproduktionen und bei den Wiederaufnahmen dabei. In der laufenden Spielzeit 2018/19 befinde sich die Oper aktuell bei der Auslastung auf dem Niveau des Vorjahres. Trotz des Erfolges sind Schauspiel und Oper zum Sparen gezwungen. Die Städtischen Bühnen müssen künftig 1,2 Millionen Euro für ihren Spielbetrieb einsparen. jlo

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