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Bereits 2010 wurde bei der Aktion ?Flagge zeigen? das Thema Kinderarmut in die Öffentlichkeit gerückt.

Gesellschaft Jugendring

Neue Kampagne gegen Kinder- und Jugendarmut in Frankfurt

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Jedes vierte Kind lebt in Frankfurt in prekären Verhältnissen. Der Frankfurter Jugendring hat sich für das kommende Jahr vorgenommen, das Thema Kinder- und Jugendarmut noch stärker in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken.

Die Mainmetropole belegt nicht nur im Ranking der teuersten Städte einen der vordersten Plätze in der Republik. Frankfurt zählt auch zu den reichsten Städten Deutschlands. Rund 80 000 Euro beträgt die übers Jahr gemittelte Pro-Kopf-Wirtschaftsleistung in der Bankenhochburg.

Demgegenüber steht jedoch eine andere, alarmierende Zahl. Fast jedes vierte Kind unter 18 Jahren lebt hier in Armut. Laut statistischem Bundesamt ist ein Ein-Personen-Haushalt mit einem monatlichen Einkommen von rund 1000 Euro armutsgefährdet. Für zwei Erwachsene mit zwei Kindern unter 14 Jahren liegt die Grenze bei knapp 2230 Euro. Betroffen sind rund ein Drittel der für den Frankfurter Sozialbericht befragten Familien.

Der Dachverband Frankfurter Jugendverbände, der Frankfurter Jugendring, will im kommenden Jahr mit einer breit angelegten Kampagne für ein politisches und gesellschaftliches Umdenken mit Blick auf die Kinder- und Jugendarmut werben. Bei der letzten Tagung der Verbände im Frühjahr dieses Jahres sei deutlich geworden, dass sich die ohnehin schon prekäre Situation weiter zuspitzt, berichtete Jugendring-Sprecher Sébastien Daudin am Dienstag. Der Begriff Armut meint dabei immer mehr als den bloßen Mangel finanzieller Mittel. Zu den vielen Facetten gehört auch emotionale oder gesellschaftliche Not.

Die Teilhabe am sozialen Leben kostet Geld – sei es ein Klassenausflug, eine Ferienfreizeit oder ein Kinobesuch. „Den Betroffenen fällt es zunehmend schwer, ihren Kindern solcherlei Angebote finanziell zu ermöglichen. Das ist sehr erschreckend“, so die Vorsitzende des Jugendrings, Rebekka Rammé. Eine weitere Hürde für die Familien sei die Scham, die mit Armut einhergeht. Zwar sehe das vor sechs Jahren eingeführte Bildungs- und Teilhabepaket einen Zuschuss für Familien vor, die schon Sozialhilfe, Wohn- oder Arbeitslosengeld beziehen. „Für viele ist es aber eine Hürde, sich auf diesem Weg als arm abstempeln lassen zu müssen“, so Rammé. Hinzu kommt, dass die Inanspruchnahme verwaltungstechnisch enorm kompliziert und mit hohem bürokratischem Aufwand verbunden sei.

Ab Januar 2018 startet der Jugendring deshalb ein gemeinnütziges Modelabel. Unter dem Titel „arm“ werden im Online-Shop und Geschäften Pullover, T-Shirts und Turnbeutel mit einem eigens entworfenen Logo vertrieben. Mit den Kosten wird anteilig ein Spendentopf gefüllt, der dann genutzt werden soll, um benachteiligten Kindern und Jugendlichen etwa Ferienfreizeiten oder andere Aktivitäten der Jugendverbände zu ermöglichen.

Bewusst hat man vom Jugendring den Auftakt des Weckrufs im Zeichen sozialer Gerechtigkeit an den Jahresanfang gestellt. Im Februar wird über das Amt des Oberbürgermeisters entschieden. So plant der Verein etwa eine Veranstaltung mit den OB-Kandidaten, bei denen sich die Anwärter auch den kritischen Fragen jüngster oder gar zukünftiger Wähler stellen sollen.

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