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Bernd Lunkewitz lebt seit Januar in den USA und sucht derzeit noch einen Käufer für sein Anwesen in der Mörfelder Landstraße.

Bernd Lunkewitz kehrt Frankfurt den Rücken

Das neue Leben eines 68ers

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Bernd Lunkewitz, ein echtes Frankfurter Original, wandert in die USA aus, um dort ein neues Leben anzufangen. Doch seine Gedanken kreisen noch immer um die Mainmetropole und die Fährnisse europäischer Politik.

Über vier Jahrzehnte hinweg prägte Bernd Lunkewitz das Verlagswesen und die Immobilienwirtschaft Frankfurts und der Bundesrepublik. Nun kehrt der stets streitbare Lebemann der Mainmetropole den Rücken und zieht nach Los Angeles – und dennoch sorgt er sich dieser Tage vor allem um die Auswirkungen, die der Brexit auf Europa und den Bankenstandort Frankfurt haben wird.

Der erfahrene Immobilien-Fachmann warnt davor, dass das Ausscheiden Großbritanniens aus der EU dafür sorgen könne, dass Tausende reicher Banker aus London ins Rhein-Main-Gebiet ziehen. Dies hätte zur Folge, dass sich die Lage am ohnehin chronisch überhitzten Wohnungsmarkt in der Region noch weiter zuspitzt.

„Wenn Frankfurt ein internationaler Finanzplatz werden soll, muss man sich jetzt den planerischen Herausforderungen stellen“, sagt Lunkewitz, der große Hoffnung in seinen Parteikollegen, den designierten Planungsdezernenten Mike Josef (SPD) setzt. Auf diesen warte nun eine Menge Arbeit.

Das sei auch nicht anders gewesen, als Martin Wentz 1989 das Amt des Planungsdezernenten übernahm und sich anschickte, Frankfurt eine städtebauliche Frischzellenkur zu verpassen, von der die Stadt bis heute profitiert. Doch während Lunkewitz seinerzeit im Hintergrund an so mancher städtebaulicher Entscheidung mitwirkte, bleibt ihm diesmal nur die Rolle des neugierigen Zaungastes. Das ficht ihn allerdings nicht an. „Wenn ich das Gefühl hätte, da kippt was, würde ich bleiben. Man muss aber auch mal Platz machen und die Jugend ranlassen“, sagt er.

Bereits seit Anfang des Jahres residiert Lunkewitz mit Frau und Kindern in einer geräumigen Villa am Stadtrand von Los Angeles. Sein 16 000 Quadratmeter großes Domizil in der Mörfelder Landstraße steht für knapp 20 Millionen Euro zum Verkauf. Wer der neue Nachbar der Bankiersfamilie von Metzler werden soll, ist noch nicht entschieden. Vielleicht zieht ja bald eine britische Privatbank ein, scherzt Lunkewitz. Denn seine neoklassizistische Villa wurde nach Plänen des britischen Architekten Quinlan Terry gebaut, der auch für die letzte Sanierung von Downing Street 10, der Residenz des britischen Premierminister verantwortlich zeichnete. Eine bessere Referenz könne es wohl kaum geben.

Doch was zieht den Wahl-Frankfurter, der sich vom linken Kampfgenossen Joschka Fischers zum Immobilien-Multimillionär und Verleger des renommierten Aufbau-Verlages entwickelte, ausgerechnet jetzt in die USA? „Ich steige ins Retirement-Business ein“, flachst Lunkewitz, der in weiß-blau gestreiftem Hemd, blauen Slippern und legerem Sakko in sein inzwischen leerstehendes Haus bittet. In die USA sei er gezogen, weil er dort ein neues Leben beginnen wolle. „Ich habe hier lange genug gelebt. Ich wollte den Cut und habe schon immer in Kalifornien zu tun gehabt“, sagt er und schwärmt von der räumlichen Weite im US-Sonnenstaat.

Ein weiterer Standortvorteil der USA ist mit Ex-Städel-Direktor Max Hollein verbunden, der im Juni die Leitung des Fine Arts Museums of San Francisco übernahm. Holleins Frau Nina und Lunkewitz’ Gattin Stephanie sind eng befreundet und könnten sich nun weiterhin regelmäßig austauschen. Er selbst werde Filme und Bücher finanzieren und könne zudem mit seinen Kindern Landschaft und Lebensart der USA genießen. Der Fluglärm, der ihn plagt, seit die Nordwest-Landebahn 2011 eröffnet wurde, ist ganz nebenbei auch kein Thema mehr.

Für den Ruhestand ist der 68-Jährige allerdings noch immer viel zu umtriebig. Das beweist auch der Umstand, dass er seine seit 1995 währende juristische Auseinandersetzung um die Rechte am Aufbau-Verlag bis zum bitteren Ende fortsetzen will. „Mein Prozess gegen die Treuhand liegt derzeit beim Bundesgerichtshof. Das kann sich noch ewig hinziehen. Ich muss es aber durchziehen, da ich nicht hinnehmen kann, dass die Bundesrepublik Investoren betrügt und die Justiz das deckt“, sagt Lunkewitz.

Der verhandelte Streitwert liege bei rund 30 Millionen Euro. Hinzu kommen Prozess- und Anwaltskosten für die zahlreichen in den vergangenen 20 Jahren geführten Verfahren. Auch wenn ein juristischer Sieg gegen die Bundesregierung selbst ihm abwegig erscheint, so leistet sich Lunkewitz dennoch das teure Hobby, bis zum bitteren Ende gegen den Staat zu prozessieren.

Zwar könne er seine Prozesse auch aus der Ferne führen. Dennoch will Bernd Lunkewitz seiner langjährigen Heimatstadt nicht endgültig den Rücken kehren. Sicherlich werde er ab und an in Frankfurt vorbeischauen, um sich mit alten Weggefährten auszutauschen und in die Kulturszene der Mainmetropole eintauchen. Als Anlaufstelle werde er sich wohl eine Wohnung am Westhafen nehmen, verrät er.

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