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Närrisches Quartett: Bäppi La Belle, Bernard Braun, Marcus Rahner und Harald Weber (v. li.) wollen die Fastnacht aufmischen.

Neue Narren braucht die Stadt

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Fastnacht ist eine eher ernste Angelegenheit. Dabei wollen es doch alle so witzig, ausgelassen und fröhlich haben. Aber nach Lachen ist den Narren der Mainmetropole in diesem heißen Sommer

Fastnacht ist eine eher ernste Angelegenheit. Dabei wollen es doch alle so witzig, ausgelassen und fröhlich haben. Aber nach Lachen ist den Narren der Mainmetropole in diesem heißen Sommer nicht wirklich zumute. Ein kurzer Überblick zu den Geschehnissen der vergangenen Wochen, Monate und Jahre: Ein Misstrauensvotum zwingt den Präsidenten des Großen Rates, Klaus Fischer , vor ungefähr zwei Jahren, seine Kappe zu nehmen. Hofmarschall Peter Ruhr dankt einige Zeit später ebenfalls ab, so wie auch Karl Oertl , die Gallionsfigur der Frankfurter Fastnachter. Bisheriger Höhepunkt der Rücktrittsorgie: Vor einigen Wochen zog sich auch Gerhard Eifler , Chef der gleichnamigen Bäckereikette und Vizepräsident, konsterniert aus dem karnevalistischen Geschäft zurück. Und nun also kam es wie es kommen musste: Bäppi La Belle , langjähriger Sitzungspräsident der Rosa-Cloudchen-Sitzung des Großen Rates, will nun auch nicht mehr.

Doch nach dem großen Abdanken leuchtet ein Licht am Ende des Fastnachtstunnels auf: Ehemalige Funktionäre des Großen Rates – La Belle und die Fastnachtsrecken Bernhard Braun , Harald Weber und Marcus Rahner – rufen einen neuen Vereins ins Leben. Er hört auf den Kurznamen „GFF“. Gegründet wurde er am 12. August in den heiligen Hallen des „Theatrallalla“ an der Friedberger Landstraße.

Ausgeschrieben handelt es sich bei dem neuen Verein um die „Gemeinschaft Frankfurter Fastnacht“. Was den neuen Club von den bereits real existierenden unterscheiden soll, ist, dass er „dem Brauchtum und der Jugendarbeit in der Frankfurter Fassenacht ein neues Gesicht“ geben will. Bis gestern waren es 35 Gesichter, die dem GFF beigetreten sind. Bis zum 11.11. um 11.11 Uhr sollen es, geht es nach dem Geschäftsführenden Vorstand, gut hundert sein. Dann will sich der neue Verein auch öffentlich präsentieren und zwar mit einer gut zweistündigen Show im Konsumtempel „MyZeil“. Und am Rosenmontag sollen dann die Fetzen fliegen bei einer Sitzung, deren Stargast der fast in Vergessenheit geratene Daniel Küblböck sein soll – wo genau das Ganze über die Bühne gehen soll, steht noch nicht fest. Auch eine große Kinderfastnachtsveranstaltung ist geplant.

„Wir sind aber keine Konkurrenz für den Großen Rat“, betont Rahner, Fastnachter durch und durch, Karnevalsprinz und Vorsitzender der Sachsenhäuser Karnevalgesellschaft (SKG). „Wir wollen den Großen Rat nicht demontieren, sondern können ihn unterstützen“, erklärt Rahner weiter. „Ich werde den Großen Rat sicher nicht schädigen.“ Auch ein Prinzen- oder ein Kinderprinzenpaar sowie ein eigener Umzug stünden nicht zur Diskussion. Alle GFF-Gründer betonen, sie wollten „eine gewisse Ernsthaftigkeit“ wiederherstellen, die in der Vergangenheit gefehlt habe. „So sehr, dass sogar die Offenbacher über uns gelacht haben“, sagt Bäppi La Belle. Dazu möchten sie ausgetretene Pfade verlassen, neue närrische Wege gehen und die Fastnacht verjüngen. Denn die Alarmsirenen läuteten schon. „Wenn das nicht bald passiert, dann ist es in zehn Jahren vorbei mit der Fastnacht“, orakelt Harald Weber, GFF-Vizepräsident.

So weit, so gut. Oder auch nicht. Aber um die Pläne umzusetzen, braucht es Geld. Mit städtischen Zuschüssen rechnen sie nicht. Die nötigen Moneten sollen zum Einen durch die Mitgliedsbeiträge zusammenkommen, zum anderen durch Sponsoren. „Eine gute Handvoll“, so Rahner, habe der GFF bereits zusammen. Ob Eifler mit in der Bütt’ sei als Geldgeber, dazu gibt es von dem Quartett nur ein vielsagendes Schweigen zu hören – und den Satz: „Herr Eifler ist zurzeit im Urlaub.“

Die Jugend will der GFF durch ein moderneres Angebot als die anderen Vereine anlocken. „Wir setzen auf andere Tänze“, erklärt der Tanzlehrer und Travestiekünstler Bäppi La Belle, der bürgerlich Thomas Bäppler-Wolf heißt und an der Friedberger Landstraße eine Tanzschule betreibt.

(es)

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