Neue Perspektiven für die Mainzer

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Nicht wiederzuerkennen ist die Mainzer Landstraße auf dem Abschnitt zwischen Platz der Republik und Taunusanlage – mehrere Bauprojekte sorg(t)en dafür. Dabei ist die Nutzung der Gebäude so unterschiedlich wie ihre Architektur.

Ganz neue Perspektiven ergeben sich derzeit für Passanten, die die Mainzer Landstraße entlang schlendern. Wer in Richtung Opernplatz unterwegs ist, hätte noch vor einem Monat nie und nimmer das Trianon sehen können, ohne den Blick steil nach oben gen Himmel zu richten. Da derzeit allerdings das Gebäude mit der Hausnummer 36 abgerissen wird, ist zumindest von hier aus die Sicht frei auf den 186 Meter hohen Turm, an dessen Spitze hoch oben der rote Schriftzug „Deka“ zu lesen ist.

Allzu unbedarft dürfen Spaziergänger aber nicht unterwegs sein. Angesichts der vielen Baustellen auf dem knapp 700 Meter langen Abschnitt zwischen Platz der Republik und Taunusanlage ist ganze Konzentration gefragt, ansonsten könnten sie womöglich gegen den ein oder anderen Bauzaun laufen oder über eine der Absperrungen stolpern. Überall ist das Viertel in Bewegung und ändert sein Gesicht – die vielen Baustellen sind deutliches Indiz dafür.

Am auffälligsten ist im Moment jedenfalls der Abriss des Gebäudes mit der Hausnummer 36. Dort sind die Bagger mit enormer zerstörerischen Kraft zu Gange. Bald ist das zuletzt leerstehende Objekt aus den 1980er Jahren dem Erdboden gleich gemacht, Anfang Januar dieses Jahres hatte der Abriss begonnen. Es wird Platz geschaffen für einen acht Stockwerke hohen Solitär mit dem Namen „Vista“.

Entgegen den üblichen Gepflogenheiten hat der Projektentwickler Groß & Partner für die Realisierung des Bauvorhabens sogar seine

Geschäftspolitik geändert

. Normalerweise, so betont eine Unternehmenssprecherin, werde erst dann mit den Bauarbeiten begonnen, wenn ein Hauptmieter gefunden sei. Für das „Vista“ gebe es diesen noch nicht, es würden aber aussichtsreiche Gespräche geführt. Die Büroflächen seien aber grundsätzlich so konzipiert, dass auch eine kleinteilige Vermietung möglich sei.

Im dritten Quartal 2016 soll dar auffällige Neubau mit seinen rund 7600 Quadratmetern Nutzfläche bezugsfertig sein. In einer Tiefgarage stehen 75 Stellplätze zur Verfügung. „Vista“ ist die italienische Bezeichnung für Aussicht und Blick. Die dynamische Fassade steht für Transparenz und Offenheit. Der Name symbolisiert damit nicht nur den schönen Blick aus dem Gebäude und von den zahlreichen Terrassen, sondern auch den auf das Bauwerk, das mit seiner markanten, überbauten und auf Stelzen stehenden Eingangsfront ein Blickfang ist. Rund 50 Millionen investiert Groß & Partner in den Neubau.

Der Entwurf stammt von KSP Jürgen Engel Architekten aus Frankfurt. Für ungewöhnliche Elemente, etwa eine Aussichtsplattform mit Fernrohr, zeichnet der italienische Architekt Davide Rizzo verantwortlich. Nach seinen Vorstellungen werden Foyer und Penthaus-Etage gestaltet.

„Alles neu im Retrolook“ heißt die Devise beim Verband der Chemischen Industrie (VCI). Dessen Zentrale in der Mainzer Landstraße 55/ Ecke Karlstraße wird derzeit behutsam für einen zweistelligen Millionenbetrag nach Plänen des Büros Horvath Architekten revitalisiert und erhält in diesem Zuge eine neue Fassade. Das geschieht jedoch weitgehend abgeschirmt vor neugierigen Blicken, denn das Gebäude ist komplett verhüllt.

Die Modernisierung ist auf den 1954 errichteten Altbau beschränkt – allerdings auch nur vom zweiten Stock aufwärts. Nicht angetastet werden laut VCI-Sprecherin Monika von Zedlitz das Erdgeschoss, die darüber befindlichen Sitzungssäle sowie der Neubau der Verbandszentrale, der im Jahr 1973 angebaut worden war. Deshalb hätten im Mai vergangenen Jahres auch nur 110 der 120 Beschäftigten die vorübergehenden Arbeitsplätze im Komödien-Haus, Neue Mainzer Straße, bezogen. Voraussichtlich Ende 2015 kehren sie zurück an ihre alte Wirkstätte.

Diese werden sie wohl kaum wiedererkennen. Das Haus wird laut der Verbandssprecherin komplett auf den Kopf gestellt. Das zehn Stockwerke hohe Gebäude wird ab dem zweiten Stock aufwärts komplett entkernt, nur Außenmauern und Dach bleiben stehen. Anschließend werden ein modernes EDV-Netz, neue Haustechnik samt Klimatisierung, Dach und Fenster eingebaut. Auch der Zuschnitt der rund 7800 Quadratmeter messenden Büroflächen soll angepasst werden.

Retrolook und ein großes VCI-Logo sollen Erkennungsmerkmale des Verbandssitzes werden. „Die neue, wärmegedämmte Fassade ist an die Gestaltung der 50- und 60er Jahre angelehnt. Dies spiegelt sich wider in vergrößerten Fensterfronten und schmaler Gliederung dazwischen. Das sogenannte Flugdach, also die etwas überhängende Dachkonstruktion, ist typisch für diese Bauweise“, sagt von Zedlitz.

Nur einen Steinwurf von der VCI-Baustelle entfernt beginnt der Endspurt: An der Ecke vom Mitterrand-Platz eröffnet demnächst das neue Holiday Inn Hotel. Und die ersten Mieter im Bürogebäude „Forty Seven & Co.“, das ein Gemeinschaftsprojekt des Frankfurter Projektentwicklers Max Baum und Cometo Capital Partners ist, ziehen Ende Februar in der Mainzer Landstraße 47 ein.

Das Bürogebäude fällt durch seine wabenartige, leicht vorstehende Fassade ins Auge. „Das alles ist aus massivem Stein“, schwärmt Max Baum von dem Gittermustern vor einer Glasfront. Seinen Angaben zufolge ist bereits die Hälfte der 3900 Quadratmeter Büroflächen vermietet. Ankermieter ist im Erdgeschoss und im ersten Stockwerk die GLS Bank. „Wir haben das Projekt aber für kleinteilige Vermietung ausgelegt“, erklärt Baum. Dieses Segment sei unterrepräsentiert in der Stadt. Durchschnittlich 25 Euro sind pro Quadratmeter Mietfläche zu bezahlen – inklusive sind dafür eine gemeinsame Dachterrasse, ein begrünter Innenhof sowie für jeden Mieter eigene Balkone. Innerhalb von anderthalb Jahren wurde das Projekt gestemmt.

In etwa genauso lange hat der Bau des Holiday Inn gedauert. Anfang März eröffnet das mittlerweile siebte Frankfurter Haus der Holiday Inn-Gruppe, in dem 60 Angestellte beschäftigt sind – ein halbes Jahr früher als geplant. 250 Betten bietet das Haus, das Messegäste und Geschäftsreisende ansprechen soll. Auffällig ist die dunkelgraue Natursteinfassade.

Deutlich größere Dimensionen hat der Neubau, den die Deutsche Bank an der Mainzer Landstraße/ Ecke Weserstraße bezieht und von der Bauherrin, dem Immobilienunternehmen Tishman Speyer, anmietet. Die Bauarbeiten sind in vollem Gange, Ende 2016 soll der Komplex bezugsfertig sein. Dieser besteht laut Klaus Thoma, einem der Sprecher der Deutschen Bank, aus einem Bestandsgebäude, an den sich der moderne Neubau anschmiegt.

2000 Mitarbeiter – Investmentbanker aus der Großen Gallusstraße und Mitarbeiter des „Asset Management Center“ in der Mainzer Landstraße 178 – 190 – finden am neuen Standort ihre künftigen Arbeitsplätze. Dieser wird „

Campus Deutsche Bank

“ heißen. Der Name hatte sich laut Klaus Thoma bei einem internen Mitarbeiterwettbewerb durchgesetzt. Ziel des Umzugs auf den „Campus“ sei es, Mitarbeiter in unmittelbarer Nähe zu den Doppeltürmen zu konzentrieren. Im Gegenzug gibt das Kreditinstitut den 1971 errichteten Standort in der Großen Gallusstraße 10 – 14 auf. Was mit dem 20 000 Quadratmeter großen Gelände passiert, das der Deutschen Bank gehört, ist noch unklar. Laut Thoma würden aber Gespräche mit der Stadt sowie mit Investoren geführt.

Der ebenfalls von KSP Engel Architekten geplante Campus-Komplex mit großzügiger Glasfassade erstreckt sich auf einer Länge von 83 Metern entlang der Mainzer und ist rund 45 Meter hoch. Das Gebäude verfügt über acht Vollgeschosse plus Staffelgeschoss. Damit orientiert er sich an der umliegenden Bebauung. Insgesamt bietet der „

Campus Deutsche Bank

“ 33 000 Quadratmeter Bürofläche. 230 Millionen Euro betragen die Baukosten.

Gleich nebenan, in der Mainzer Landstraße 23, soll zudem das Bürogebäude „VAU“ revitalisiert werden. Haus mit fast 23 000 Quadratmetern Gesamtfläche soll durch die Sanierung wieder wettbewerbsfähig werden für neue Mieter, erklärt Klaus Mühlbauer, Geschäftsführer von Bilfinger Real Estate Asset Management. Die GmbH, die zum Bilfinger Konzern gehört, plant den Umbau für einen Investor, der namentlich nicht genannt werden will.

Das „VAU“ soll kernsaniert werden. Geplant sind neben flexibel nutzbaren Büroflächen eine moderne Natursteinfassade sowie ein repräsentativer, dreigeschossiger Haupteingang. Zudem sollen Dachterrassen, ein begrünter Innenhof und mehrere

Ruhezonen entstehen

.

Zu künftigen Mietern sagt Mühlbauer nur: „Wir befinden uns in der Planungs- und Vermarktungsphase. Es finden Gespräche statt.“ Der Standort punkte durch hervorragende Anbindung an Straßennetz und ÖPNV. Wer mit dem Auto kommt, kann einen der 148 Stellplätzen in der Tiefgarage nutzen. Innerhalb von zwei Jahren könnte die Revitalisierung abgeschlossen sein.

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