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Zoodirektor Miguel Casares vor der Baustelle der Pinguinanlage, die jetzt wohl im Frühjahr 2019 in Betrieb gehen wird.

Frankfurter Zoo

Neue Pinguin-Anlage wird drei Monate später fertig

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Baustellen laufen selten nach Plan, auch nicht im Zoo. Und so müssen die neuen Humboldt-Pinguine rund drei Monate länger auf ihr neues Zuhause warten. Ob sie so lange in ihren alten Zoos bleiben oder im Gehege der Eselspinguine unterschlüpfen können, ist noch unklar.

Man sieht es Dr. Miguel Casares an: So ganz geheuer ist es dem Zoodirektor nicht, auf dem Felsen des Robbengeheges zu sitzen. Verständlich, schließlich geht es von dort einige Meter hinunter in die Tiefe. Allerdings hat man hier auch den perfekten Blick auf die neue, 7,2 Millionen Euro teure Pinguinanlage, die derzeit zwischen dem Weiher und dem Zuhause der Robben und Seehunde entsteht. Wahrscheinlich im Frühjahr, prognostiziert Casares, würden die ersten Humboldt-Pinguine auf der neuen Anlage umherwatscheln. Das wäre dann rund drei Monate später als geplant.

Anvisiert hatte der Zoo die Eröffnung für Ende 2018. Doch die neue Anlage sei mit ihrem u-förmigen Becken, das 435 Kubikmeter Wasser fasst, sowie den Gängen für die Besucher ein „sehr komplexes Projekt“. Zudem sei man bei dieser Größenordnung nie vor Überraschungen gefeit. Die erste gab es relativ früh. Mit einer Wand aus riesigen Sandsäcken und Plastikfolie sollte das Wasser aus dem benachbarten Weiher zurückgehalten werden. Zwei solcher Reihen waren geplant, vier wurden es letztlich. „Der Boden war so sumpfig, dass alles immer wieder absackte und im Schlamm verschwand. Das hat uns einige Zeit gekostet“, erklärt der Zoodirektor.

Die größten Schwierigkeiten habe es jedoch gegeben, als plötzlich „aus irgendwelchen Ecken“ Wasser floss. Immer und immer wieder. Schnell war klar: Das muss aus dem in den 1950er Jahren erbauten Exotarium kommen, denn wo dessen Leitungen verlaufen, war nirgends verzeichnet. „Ein altes Gebäude neben einer solchen Baustelle ist immer eine Herausforderung“, sagt Casares, der trotz all dieser Rückschläge stets entspannt blieb. Obwohl die Schächte für die Pinguinanlage immer wieder überschwemmt wurden. „Damit muss man eben rechnen“, sagt er nur.

Kein Baustellen-Stopp

Zudem gab es einen Plan, um die verlorenen Zeit wieder hereinzuholen: Die Pflanzen sollten statt im Herbst schon im Sommer gesetzt worden. Doch da machte dem Zoo Wettergott Petrus einen dicken Strich durch die Rechnung. Es war zu heiß und viel zu trocken. „Die Pflanzen wären sofort wieder gestorben. Das ging nicht“, so Casares.

Im Herbst kommen nun die Pflanzen, ein Großteil der Kunstfelsen ist bereits fertig. Und auch, wenn es mal ruhig auf der Baustelle zugehe, gearbeitet werde immer, versichert Casares, dass es nie einen Baustellen-Stopp gegeben habe. Zudem sei Arbeit nicht automatisch mit Lärm verbunden. Wie an den Stromkabeln oder der Trafostation. Die soll künftig zwei Drittel des Zoos mit Strom versorgen.

Aber was passiert jetzt mit den neuen Humboldt-Pinguinen, die aus den Zoos in Landau, Rheine und Schwerin kommen und eigentlich bereits Ende des Jahres ihr neues Zuhause beziehen sollten, dies aber noch gar nicht fertig ist? Diese Aufgabe versucht Miguel Casares aktuell zu lösen. Vielleicht, hofft er, könnten die Zoos, die Tiere etwas länger behalten. Oder die noch im Exotarium lebenden Eselspinguine, die abgegeben werden sollen, finden schnell eine neue Heimat. Dann könnte man die neuen Frackträger in deren Gehege unterbringen. „Das sind alles Optionen, mit denen wir derzeit spielen“, hofft Miguel Casares schon in diesen Tagen auf eine Lösung.

Neue Heimat suchen

Mit 300 anderen Zoodirektoren aus ganz Europa trifft er sich in Athen zur jährlichen Konferenz der European Association of Zoos and Aquaria (EAZA). Dort hofft er, einen „Abnehmer“ für die Eselspinguine zu finden, einen Zoo, der diese Art sucht. „Man kann nicht alles per Mail lösen, es ist manchmal besser, wenn man sich sieht“, freut sich Miguel Casares, dann hoffentlich wieder einen entscheidenden Schritt weiter zu sein.

Einfluss auf andere geplante Bauprojekte im Zoo hätten die Verzögerungen übrigens nicht. „Das sind alles einzelne Projekte“, erklärt Casares. So sei der Umbau der Giraffenanlage für 2019/2020 angedacht, die Detailplanung für das neue, größere Löwengehege beginne im kommenden Jahr.

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