1. Startseite
  2. Frankfurt

Neue Polizeieinheit fürs Frankfurter Bahnhofsviertel

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

PeterBeuth
PeterBeuth © Arne Dedert (dpa)

Die hessische Polizei wird ihren Druck auf die Drogendealer im Frankfurter Bahnhofsviertel auch nach der Auflösung ihrer Besonderen Aufbauorganisation aufrechterhalten. Innenminister Peter Beuth (CDU) kündigte in einem Exklusivgespräch mit dieser Zeitung die Schaffung einer neuen Einheit im Polizeipräsidium an. Außerdem forderte er ein stärkeres Engagement der Partner im Bahnhofsgebiet ein.

Der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) hat im Kampf gegen die Kriminalität im Frankfurter Bahnhofsviertel die Schaffung einer neuen Polizeieinheit angekündigt. Sie soll der Besonderen Aufbauorganisation Bahnhofsgebiet (BAO) nachfolgen, die im November 2016 gebildet wurde und im Herbst aufgelöst werden soll. „Eine BAO arbeitet schon per Definition nur zeitlich begrenzt“, erläuterte Beuth. „Deshalb werden wir eine neue Einheit im Polizeipräsidium schaffen, die den verstärkten Kampf gegen Dealer, Milieu- und organisierte Kriminalität weiterführen wird.“

Schwerpunkt bleibt

Im Bahnhofsviertel und Teilen der Politik war die Ankündigung, dass die BAO im Herbst aufgelöst werden soll, mit Sorge zur Kenntnis genommen worden. Der Gewerbeverein „Treffpunkt Bahnhofsviertel“ befürchtet für die Zeit nach der Auflösung eine „deutliche Verschlechterung“ der Situation. Solchen Befürchtungen trat Minister Beuth im Gespräch mit dieser Zeitung entgegen: „Die hessische Polizei wird den Druck im Bahnhofsviertel aufrechterhalten. Ich habe diese Entscheidung getroffen, weil die Erfolge jetzt nicht gefährdet werden dürfen.“

Beuth nannte das Bahnhofsviertel einen „Schwerpunkt“. Die Partner der Polizei rief er mit deutlichen Worten auf, sich „in größerem Maß als bisher“ zu beteiligen. Das „herausragende Engagement“ koste die hessische Polizei personelle Ressourcen und die Beamten viel Kraft. „Wir setzen diesen Schwerpunkt aber ganz bewusst und erwarten deshalb auch, dass unsere Partner mitziehen.“ Zu diesen gehörten außer der Stadt- und Bundespolizei auch die Deutsche Bahn. „Wir werden darauf bestehen, dass sich alle Partner engagieren“, betonte Beuth. Die Stadtpolitik sei gefragt, was den sozialpolitischen Teil angeht. „Es gibt ja eine Debatte darüber, wie man mit den suchtkranken Menschen umgehen muss.“

Beuth bilanzierte: „Wir hatten seit der Gründung der BAO Mitte November 19 481 Polizeivollzugskräfte im Bahnhofsgebiet im Einsatz. Diese leisteten 135 000 Dienststunden, um in der B-Ebene und rund um den Hauptbahnhof für Sicherheit zu sorgen. Das ist das 25-fache von dem, was die Bundes- und Stadtpolizei und die Deutsche Bahn erbracht haben.“

Im Hinblick auf die Auflösung der BAO hatte der Frankfurter Polizeipräsident Gerhard Bereswill schon vor zwei Wochen versucht, die Gemüter zu beruhigen. Die Auflösung bedeute keineswegs, dass sich die Polizei aus dem Bahnhofsgebiet zurückziehen werde, betonte er. Sie werde sich weiter ihrer Verantwortung im Stadtteil stellen. Konkrete Informationen zur Polizeieinheit, die im Herbst die Besondere Aufbauorganisation Bahnhofsgebiet ablösen soll, gibt es derzeit noch nicht. Die Planungen laufen aber.

100 zusätzliche Polizisten

Die Erfolge der BAO sind unbestritten. Allerdings ist es auch mit dem Einsatz von täglich 100 zusätzlichen Polizisten und unzähligen Kontrollen nicht gelungen, die Dealerszene zu zerschlagen. Trotz der Berichte von Geschäftsleuten und Anwohnern über eine Verdrängung der Dealer vom Hauptbahnhof in andere Straßen, herrscht aber der Eindruck vor, dass sich die Situation im Bahnhofsviertel verbessert hat.

Auch interessant

Kommentare