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Ali Arkwazi, Ahmed Ibrahim Dashti und Tesfay Gebremedhin (von links) haben erfolgreich an dem Pilotprojekt der FES teilgenommen. Sie freuen sich über ihren befristeten Arbeitsvertrag.

Pilotptojekt

Neue Qualifizierungsmaßnahme bei der FES bringt Geflüchtete in Lohn und Brot

Nach drei Monaten Praktikum schon einen befristeteten Arbeitsvertrag in der Tasche. Bei der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH ist das jetzt auch für geflüchtete Menschen möglich.

Vor der Ausfahrt des Müllheizkraftwerks in der Nordweststadt ist es am Montagmorgen kalt und windig. Auf dem Bürgersteig warten unter anderem Conrad Skerutsch vom „Frankfurter Arbeitsmarktprogramm“ und Benjamin Scheffler, der Geschäftsführer der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES). Zusammen mit der Industrie- und Handelskammer haben Scheffler und Skerutsch eine „Ausbildung light“ für benachteiligte Jugendliche bei der städtischen Gesellschaft entwickelt.

Die Männer, die im Führerhaus des Lastwagens eng an eng gedrängt mit einem FES-“Ausbildungsfahrzeug“ vorfahren, sind schon etwas älter: Neben Ausbildungsleiter Matthias Geis am Steuer des großen Müllwagens sitzen Ahmed Ibrahim Dashti, Ali Arkawazi und Tesfay Gebrenedhin. Sie stammen aus dem Irak und aus Eritrea, sind 38, 35 und 25 Jahre alt und haben zusammen sechs Kinder, die sie ernähren wollen.

Geeignetes Personal fehlt

Vor drei Monaten haben sie bei der FES ein Praktikum begonnen, erfolgreich abgeschlossen und jetzt einen zunächst befristeten Arbeitsvertrag unterschrieben. Drei weitere Männer haben mit der Ausbildung Mitte September angefangen. Alle sechs sollen Mitte kommenden Jahres in ein reguläres Arbeitsverhältnis als Müllwagenfahrer einsteigen. „Wir suchen Fahrer“, beteuert Scheffler. Die Konkurrenz bei den Arbeitgebern rund um den Frankfurter Flughafen mit den vielen Logistik-Unternehmen ist groß. Die FES tut sich seit Jahren schwer, geeignetes Personal zu finden. Die Nachwuchssorgen sind erheblich: „Wir konnten nicht alle Ausbildungsplätze besetzen“, sagt Scheffler.

Ebenso wie Scheffler und Skerutsch, der das Pilotprojekt weiter begleiten und unterstützen wird, ist Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) überzeugt, dass wie bei diesem Projekt „passgenau“ geschaut werden sollte, welcher Geflüchtete sich für welche Tätigkeiten und Berufsbilder eignet. Wo es Defizite gibt, die behoben werden müssen – etwa bei der Qualifikation, vor allem aber immer wieder bei der Sprache.

7500 Asylbewerber

Großen Respekt zollte die Sozialdezernentin den drei „Azubis“ dafür, dass sie die Arbeitssicherheitsunterweisung erfolgreich absolviert haben. Das sei „schwieriger als für uns die Führerscheinprüfung“ zu bestehen. Zweifel hegt Birkenfeld gegenüber den Meldungen, wonach ein großer Teil der Geflüchteten bereits in Arbeit sei. Von den

7500 Asylbewerber

innen und -bewerbern, die Frankfurt durch das Land Hessen seit 2014 zugewiesen wurden, würden noch knapp 5000 in den städtischen Unterkünften leben.

Weniger als 250 von ihnen verdienten allerdings so viel Geld, dass sie sich an den Kosten für die Unterbringung tatsächlich beteiligen könnten.

von FRIEDERIKE TINNAPPEL

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