Grüne Fassade fürs Rechenzentrum FR11 in Seckbach: Betreiber Equinix will fast eine Milliarde Euro in Frankfurt investieren.
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Grüne Fassade fürs Rechenzentrum FR11 in Seckbach: Betreiber Equinix will fast eine Milliarde Euro in Frankfurt investieren.

Digitalisierung schreitet voran

Neue Rechenzentren für fast eine Milliarde Euro in Frankfurt geplant

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
    VonDennis Pfeiffer-Goldmann
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Der US-Betreiber Equinix plant massive Investition für Cloud-Anbieter. Den Standort in Frankfurt will das Unternehmen dafür massiv ausbauen. 

Frankfurt - Die nächste Mega-Investition der Rechenzentrumsbranche in Frankfurt: Der US-Anbieter Equinix kündigt einen massiven Ausbau seines Standortes an. Fast eine Milliarde Euro will das Unternehmen in fünf neue Rechenzentren stecken und reagiert damit auf die boomende Digitalisierung. Das hat Equinix in einer am Mittwoch verbreiteten Erklärung angekündigt. Ein Teil des Geldes fließt aus Asien an den Main.

Der weltgrößte Internetknoten, der meiste Datenverkehr, der Standort mit dem größten Wachstums in Europa: Frankfurt gehört längst zur Spitze der globalen Digitalwelt. Nun legt US-Anbieter Equinix die nächste Schippe drauf und will für 1,14 Milliarden US-Dollar, etwa 950 Millionen Euro, fünf weitere Rechenzentren bauen. "Das Investitionsvolumen unterstreicht, welchen wichtigen Stellenwert Frankfurt als Datenhauptstadt einnimmt", erklärt Equinix-Deutschlandchef Jens-Peter Feidner.

Rechenzentren für Frankfurt: Geld fließt aus Singapur nach Seckbach

Alle fünf Data Center sollen im Gewerbegebiet Seckbach entstehen, kündigt Feidner an. Dort ist Equinix bereits zwischen Krupp- und Friesstraße präsent. Zwei Rechenzentren sind bereits in Bau: das mit Namen FR9 solle diesen September und FR11 im zweiten oder dritten Quartal 2022 fertig werden. Für die drei weiteren Rechenzentren investiere Equinix umgerechnet etwa 537 Millionen Euro, erklärt das Unternehmen. Weltweit kündigt Equinix den Bau und Ausbau von 32 Rechenzentren an. Um die Investition von mehr als 5,7 Milliarden Euro zu stemmen, hat sich der Betreiber mit dem Staatsfonds von Singapur zu einem Joint Venture zusammengeschlossen.

Der an der US-Technologiebörse Nasdaq gelistete US-Anbieter ist schon lange mit mehreren Standorten in Frankfurt vertreten - etwa in Griesheim, Gutleut und Seckbach sowie im Gallus, wo ein Großteil des Datenverkehrs des Internetknotens über ein Equinix-Rechenzentrum läuft. Mit den Neubauten reagiert Equinix auch auf die große Nachfrage nach Cloud-Angeboten. Dabei lagern Firmen ihre Daten aus und greifen virtuell auf sie zu. Die weltgrößten Cloud-Anbieter Alibaba, Microsoft, Amazon, Google, IBM und Oracle arbeiteten seit Jahren mit Equinix zusammen, sagt Vorstandsvorsitzender Charles Meyers. Sie könnten nun "bei Equinix weiter wachsen".

Rechenzentren von Equinix in Frankfurt werden ausgebaut

Equinix betreibt - wie auch andere Anbieter - keine eigenen Rechner, sondern stellt Firmen Flächen ("Co-Location") für deren Rechner zur Verfügung. Dadurch können sich die Unternehmen direkt verbinden, was schneller, wirtschaftlicher und umweltfreundlicher ist als Datenverbindungen über große Distanzen zwischen den Firmenstandorten. Unter anderem nutzen die großen Netzwerk-Betreiber die Infrastruktur von Equinix, ebenso Firmen vom Mittelstand bis zum Weltkonzern, Streaming- und Medien-Anbieter wie Netflix, Spotify und Snapchat sowie Banken und die Finanzbranche.

Durch die Corona-Pandemie ist die Nachfrage nach Film- und Spiel-Streaming, Online-Einkäufen sowie der Arbeit im Homeoffice in die Höhe geschossen - und mit ihr die Datenflut. In Frankfurt gibt es mehr als 60 Rechenzentren. Zusammen sind sie der größte gewerbliche Stromverbraucher. Equinix betreibt seine Rechenzentren bereits seit 2014 mit Ökostrom von der Mainova.

Fassaden der neuen Rechenzentren in Frankfurt werden begrünt

2020 hatte Mitbewerber Interxion bereits eine Investition von mehr als einer Milliarde Euro angekündigt. So sollen auf dem ehemaligen Neckermann-Gelände an der Hanauer Landstraße neue Rechenzentren entstehen. Planungsdezernent Mike Josef (SPD) will den Stadtverordneten bis zum Herbst ein Konzept für das Wachstum der Rechenzentren vorlegen. So will die Stadt auf Energieeffizienz und grüne Fassaden pochen.

Equinix-Chef Feidner kündigt an, alle fünf neuen Rechenzentren würden mit hohen Energieeffizienzstandards gebaut. Und: "Die Neubauten werden jeweils begrünte Fassaden haben." (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

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