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Für Jürgen Groß ist die Entwicklung des Deutsche-Bank-Areals das wichtigste innerstädtische Projekt in ganz Deutschland.

Neue Hochhäuser im Bankenviertel

Neue Skyline: Bankenviertel wird urbaner

Fast eine Milliarde Euro wird der Bau von vier neuen Hochhäuser im Bankenviertel kosten. Entstehen sollen auf dem früheren Gelände der Deutschen Bank nicht nur Büros, sondern auch 600 Wohnungen, zwei Hotels sowie Einzelhandel und Gastronomie. 2018 werden die Arbeiten voraussichtlich beginnen.

Die Große Gallusstraße war bis zum Zweiten Weltkrieg eine Amüsiermeile. Zahlreiche Gaststätten und Vergnügungsbetriebe gab es dort, darunter den legendären „Kristallpalast“, in dem die Besucher vor gemalten Bildern der Frankfurter Altstadt saßen. Nicht weit entfernt, in der Junghofstraße, stand Frankfurts ältester Saalbau. Und in den kleinen Gassen dazwischen waren Wohnhäuser.

Der Frankfurter Projektentwickler Groß und Partner hat Stadtpläne und Fotos aus dieser Zeit zusammengetragen, um in einer Ausstellung zu dokumentieren, wie lebendig das Viertel in unmittelbarer Nähe des Goetheplatzes einst war. „Mit dem Zweiten Weltkrieg hat das abrupt geendet“, sagt Philipp Cronemeyer von Groß und Partner. „Es sind nur zwei alte Gebäude stehengeblieben, alles andere ist neu und entsprechend steril und tot.“ Die Deutsche Bank hat sich immer mehr ausgebreitet, das Areal ist heute hermetisch abgeriegelt.

Das soll sich ändern. „Wir wollen die Blockade lösen und das Gelände öffnen“, sagt Unternehmenschef Jürgen Groß, der das Grundstück im vergangenen Jahr gekauft hat. „Es soll sich horizontal und vertikal entwickeln.“ Das heißt: Es entstehen vier neue Hochhäuser, dazwischen kleine Plätze, Fußgänger sollen das Gelände in neuen Gassen durchqueren können. Die Pläne folgen einem Entwurf des Architekturbüros UN Studio, das sich in einem städtebaulichen Ideenwettbewerb gegen neun Konkurrenten durchsetzte.

„Wir wollen die

Skyline ergänzen

, auch was die Nutzung betrifft“, sagt Groß. Die ersten „richtigen Wohnhochhäuser“ in der Innenstadt würden entstehen. Sie werden 173 und 120 Meter hoch, bieten Platz für 600 Miet- und Eigentumswohnungen. Der größte Wolkenkratzer wird 228 Meter hoch und beherbergt in den unteren Etagen ein Hotel sowie Büros in den oberen. Groß und Partner wirbt schon jetzt mit den „höchsten Büroetagen Deutschlands“, aber für Jürgen Groß ist wichtiger, „dass ein architektonisch anspruchsvolles Gebäude entsteht“.

Direkt an der Junghofstraße ist ein 100 Meter hohes Bürohaus geplant. Die dortigen Gebäude der Deutschen Bank aus den 50er Jahren, die unter Denkmalschutz stehen, bleiben erhalten, werden aber zum Areal hin geöffnet, um die Durchlässigkeit für Fußgänger zu verbessern. Im östlichen Trakt soll ein Hotel einziehen. Nicht erhalten wird der Hermann-Josef-Abs-Saal, den die Deutsche Bank bis vor wenigen Jahren für kulturelle Veranstaltungen nutzte. Laut Groß befindet er sich ohnehin nicht mehr im Original-Zustand. Es sei aber geplant, auf Erdgeschoss-Niveau einen zehn Meter hohen Raum mit der gleichen Kubatur zu schaffen – darauf habe der Denkmalschutz bestanden. Dort soll es verschiedene gastronomische Angebote geben. Die anderen Plätze im Quartier bleiben offen, ein großes Glasdach, wie es einige Architekten vorgeschlagen haben, wird es nicht geben. In dem neuen Quartier sollen am Ende 3000 Menschen arbeiten. Die gesamten Investitionskosten auf dem 16 000 Quadratmeter großen Grundstück beziffert Groß mit rund 950 Millionen Euro. Zum Vergleich: Auf dem größeren Degussa-Gelände („Maintor“-Projekt) werden bei halb so viel Nutzfläche rund 800 Millionen Euro investiert.

Rund 200 000 Quadratmeter Fläche sollen auf dem Deutsche-Bank-Areal entstehen. Das Grundstück wird damit stärker ausgenutzt als bisher vorgesehen. Im derzeit gültigen Bebauungsplan sind nur 166 000 Quadratmeter und zwei Hochhäuser erlaubt. Er muss deshalb vom Stadtparlament geändert werden. Vor allem die Wohnfläche steigt von 35 000 auf 60 000 Quadratmeter. Es könnten etwa 250 Wohnungen zusätzlich entstehen. 30 Prozent davon müssen Sozialwohnungen sein. Diese können laut dem stellvertretenden Leiter des Stadtplanungsamts, Markus Radermacher, nicht nur auf dem Gelände selbst, sondern auch in der Umgebung gebaut werden.

Wie die Hochhäuser genau aussehen werden, soll bis Ende des Jahres ein weiterer Architekturwettbewerb ergeben. 2018 könnte mit den Bauarbeiten begonnen werden. Allein das alte Hochhaus der Deutschen Bank abzureißen, dauert neun Monate. 2022 soll das neue Quartier fertig sein.

Die Ausstellung über Vergangenheit und Zukunft des Areals kann von morgen an bis zum 16. Juli montags bis samstags von 10 bis 18 Uhr im Gebäude Junghofstraße 11 besichtigt werden.

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