Solche oder ähnliche Fahrzeuge könnten auf der Regionaltangente West ab Ende des Jahrzehnts rollen. Sie werden ein Zwischending zwischen Zug und Straßenbahn: eine Regional-Stadtbahn, wie es sie ähnlich schon in Karlsruhe und Kassel gibt.
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Solche oder ähnliche Fahrzeuge könnten auf der Regionaltangente West ab Ende des Jahrzehnts rollen. Sie werden ein Zwischending zwischen Zug und Straßenbahn: eine Regional-Stadtbahn, wie es sie ähnlich schon in Karlsruhe und Kassel gibt.

Verkehrspolitik

Stadtbahn für Frankfurt nimmt Fahrt auf – Anwohner befürchten Lärm

  • Michael Forst
    VonMichael Forst
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Die Regionaltangente West in Frankfurt steht immer wieder vor neuen Problemen. Jetzt sollen sich die Bürger beteiligen.

Frankfurt – Von einer "beschissenen Gesamtgemengelage" hatte Horst Amann, Geschäftsführer der RTW-Planungsgesellschaft, noch im Februar gegenüber dieser Zeitung angesichts der Hürden freimütig gesprochen, vor denen die Regionaltangente West (RTW) gerade im Frankfurter Westen steht. Beim Bürgergespräch jetzt im Höchster Bikuz klang er optimistischer - wohl auch, weil der nach seiner Auskunft schwierigste der insgesamt vier Abschnitte des Mammutprojekts bald in eine neue Phase tritt: Die Planfeststellungsunterlagen für die 13,7 Kilometer lange Strecke von Bad Soden nach Kelsterbach gehen im November in die Offenlage. Sprich: Betroffene Bürger können dann Einwendungen machen, etwa bei Lärmschutzbedenken. Das soll, so kündigte Amann an, auch online möglich sein.

Er forderte ausdrücklich dazu auf ("Nutzen Sie Ihre Rechte!"), räumte aber ein, dass gerade Klagen mit aufschiebender Wirkung die für 2027 anvisierte Fertigstellung und die Inbetriebnahme 2028 des Abschnitts und der gesamten Tangente verzögern könnten. Dennoch sei er zuversichtlich, dass das Planfeststellungsverfahren für den mittleren Abschnitt durch den Westen nach zwei Jahren abgeschlossen sein wird und 2024 mit dem Bau begonnen werden kann. Auch wenn viele Bürger und der zuständige Ortsbeirat 6 dem Vorhaben positiv gegenüberstehen, hat sich doch auch längst Widerstand formiert: Im Höchster Lindenviertel etwa rattern die Züge der Sodener Kleinbahn vielen Hausbesitzern quasi am Küchenfenster vorbei - die Taktfolge wird sich mit der RTW noch erhöhen.

Frankfurt: Geschäftsführer verteidigt Regionaltangente West

In der Sossenheimer Henri-Dunant-Siedlung wollen viele Bürger die Tangente deshalb nicht, weil sie sich gegen Eingriffe in ihre Grundstücke wehren und eine Haltestation vor ihrer Haustüre ablehnen, da sie befürchten, dass ihre Straßen noch mehr zugeparkt werden. Zudem warnt eine Bürgerinitiative vor unzumutbaren Schließzeiten am Bahnübergang Sossenheimer Weg, redet bereits von einem "zweiten Bahnübergang Oeserstraße".

Hier konnte Horst Amann auf die Frage eines Bürgers indes Positives verkünden: Er nannte eine Schließzeit von acht Minuten pro Stunde am Sossenheimer Weg - im Gespräch mit dieser Zeitung im Februar war noch von 24 Minuten die Rede gewesen. Vor allem moderne Signaltechnik mache das möglich, erklärte Amann gestern auf Nachfrage. Es werde pro Stunden zehn Fahrten, sechs von Norden und vier von Süden geben. Pro Fahrt werde die Schranke zwischen 33 und 61 Sekunden geschlossen sein. "In der Summe addiert es sich zu einer Gesamtschließzeit von acht Minuten", sagte Amann und fügte hinzu: "Das ist ein sehr guter Wert."

Lärmschutz in Frankfurt: Wie laut wird die Regionaltangente West?

Dass es einige Kröten für Anwohner zu schlucken gebe, räumte er indes ein. So wollte ein Nachbar, der an der Kreuzung wohnt, wo die Station Industriepark Ost gebaut werden soll, wissen, wie stark und wie lange er und seine Familie vom Lärm betroffen sein werden. "Unser Schlafzimmer geht zur Kreuzung raus - laut ist es jetzt schon und wir überlegen wegzuziehen", bekannte der Mann. "Wir werden alles tun, um den Lärm zu reduzieren", versprach Amann. Geräuschlos werde es aber nicht zugehen, und bis zu zweieinhalb Jahre könnten die Bauarbeiten schon dauern.

Optimistischer sei er beim Betrieb der Strecke, da werde der Individualverkehr lauter als die Züge sein. Er riet dem Mann, sein Anliegen auf dem Formular zu beschreiben, das auf den Sitzplätzen auslag. Sein Fall werde dann genau geprüft - auch, ob er einen Anspruch auf Lärmschutzmaßnahmen habe. Stefan Majer, Verkehrsdezernent und RTW-Aufsichtsratsvorsitzender, leitete einen optimistischen Ausblick aus seiner Erfahrung mit dem damaligen Neubau-Abschnitt der Frankfurter Straßenbahn in der Stresemannallee her: "Damals gab es massive Bedenken vieler Bürger", erinnerte er sich. "Doch seit der Abschnitt 2014 in Betrieb ging, gab es keine einzige Beschwerde mehr." (Michael Forst)

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