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Der Vorsitzender des TC Niddapark, Jürgen Vogel.

Vereine mit Platznot

Neue Tennisplätze gesucht

In Hessen ist Frankfurt der einzige Tennisbezirk mit steigenden Mitgliederzahlen. Das liegt am Bevölkerungswachstum, aber auch an den 42 Vereinen. Aber wie wachsen, in einer Stadt die immer enger zusammenrückt?

Das mit der Hundewiese will Jörg Vogel einfach nicht in den Sinn. Er ist Vorsitzender des Tennisclubs Niddapark. 450 Mitglieder hat der Verein, davon über 200 Jugendliche. „Eine gute Sache also“, sagt er. Die Hand hält er am Zaun, der das Vereinsgelände vom Niddapark trennt. Auf der anderen Seite ist die Hundewiese. Dort würde er gern einen Tennisplatz bauen. Weil da nur selten ein Hund sein Geschäft macht und weil neun Plätze für 450 aktive Mitglieder einfach zu wenig sind. Das geht aber nicht, weil der Niddapark Teil des Grüngürtels ist. Das könnte Vogel noch verstehen. Aber wenn ein Platz schon zu viel ist, warum kann dann auf der anderen Seite, direkt neben dem ruhigen Tennisgelände die zweigleisige Bahntrasse nach Bad Vilbel gebaut werden? „Das will mir nicht in den Sinn.“

Vogel und der TC Niddapark sind in Frankfurt nicht der einzige Verein mit Platznot. Dabei sind die Boom-Jahre des Tennis in Deutschland längst vorbei. Die waren in den 1980er und frühen 1990er Jahren. Damals, als Boris Becker und Steffi Graf auf den ersten Plätzen der Weltranglisten rangierten. Danach kam auch für die Frankfurter Tennisvereine eine schwere Zeit. Die mediale Aufmerksamkeit ebbte ab und die Mitgliederzahlen sanken. Die Tennisvereine in Frankfurt mussten handeln. Sie stellten sich breiter auf, konzentrierten sich auf Jugendarbeit, weil mit den Kindern auch die Eltern kommen. Wie beim TV Heimgarten oder dem TC Niddapark gibt es bei vielen Vereinen eine kleine Kneipe. Manchmal auch ein Fitness-Studio. Der Tennisplatz entwickelte sich zu einem allgemeineren Freizeitgelände.

Neben dem generellen Bevölkerungszuwachs ist diese Neuausrichtung einer der Gründe, weshalb Frankfurt der einzige Tennisbezirk in Hessen ist, der wächst. Seit 2007, jedes Jahr um rund ein Prozent. Knapp 12 000 Menschen sind hier in 42 Tennisvereinen angemeldet. Sie müssen sich 277 Außen- und 46 Hallenplätze teilen. Das heißt auf einen Platz kommen 48 Spieler. Im Winter wird es noch enger, auch wenn dann die allgemeine Tennislaune nachlässt.

Mit der wachsenden Zahl der Mitglieder können die Spielflächen vieler Vereine nicht mithalten. Im Gegenteil, Plätze verschwinden. Seit 1995 seien 30 Außenplätze und 12 Hallenfelder abgebaut worden, sagt Raimund Bucher. Er ist Vorsitzender des Frankfurter Tennisbezirks. Da stöhnte schon mancher Vereinsvorsitzender, als vor einem Jahr bekannt wurde, dass mehrere Außenplätze an der Arena zugunsten des Profifußballs weichen mussten.

„Tennis ist kein Elitesport mehr. Es ist der drittgrößte Sportart in Frankfurt“, sagt Sportdezernent Markus Frank (CDU). Er kündigte daher vor einem Jahr an, Tennisvereine stärker zu fördern. Für Bauvorhaben wurden die städtischen Zuschüsse von 35 Prozent auf 50 Prozent angehoben, wenn sich der Verein für die Jugendförderung stark macht. Voraussetzung ist: Mehr als 30 Prozent der Mitglieder müssen unter 18 Jahre alt sein. Eine Zuschusssumme von insgesamt 4,5 Millionen Euro wurden bereitgestellt. 20 Anträge gingen seit Anfang 2017 beim Dezernat ein. Die Hälfte sei schon bewilligt, sagte ein Sprecher. Meist ginge es um kleinere Investitionen: Eine neue Traglufthalle für etwas über 100.000 Euro, andere sanieren einen in die Jahre gekommen Tennisplatz oder erneuern Sanitäranlagen.

Das größte Projekt setzt der TC Bergen-Enkheim um. Für 1,8 Millionen Euro bauen sie eine Halle mit drei Feldern. Die kommen dann im Frühjahr 2019 zu den neun Sandplätzen für die über 500 Mitglieder hinzu. Weil das Land noch etwas dazu gibt, liegt der Eigenanteil bei 800.000 Euro. „Doch für den Verein ist das ein finanzielles Risiko“, sagt der Vorsitzende Oliver Tüngeler. Dafür hätten sie schließlich einen Kredit aufnehmen müssen. „Den zahlen wir dann mit den Einnahmen zurück, die wir dadurch erwirtschaften, dass wir die Plätze vermieten.“

Stadtrat Frank versprach neben der finanziellen Unterstützung auch ideelle. Wenn es etwa um Baugenehmigungen ginge, wolle man sich bei den Kollegen in den Ämtern für den Tennissport stark machen. So war es auch beim TC Bergen-Enkheim. „Die Baugenehmigung für die Halle stand auf der Kippe“, sagte Vereinssportwart Carsten Hensel dieser Zeitung. Dank der Hilfe aus dem Sportdezernat habe man die Hürde nehmen können.

Doch der Einfluss hat auch seine Grenzen. Der TV Heimgarten zwischen der Wilhelmshöher Straße und dem Riedergraben nimmt wegen des Platzmangels schon seit zwei Jahren keine neuen Mitglieder mehr auf. Rund 500 Menschen sind dort angemeldet. Sie teilen sich sieben Tennisplätze. „Eigentlich sind wir damit schon 100 Mitglieder zu viel“, sagt Vereinsvorsitzender Bernd Nachtwey. Seit 2010 kämpft er dafür, im Huthpark einen zusätzlichen Tennisplatz bauen zu dürfen. „Der ist ja groß genug“, sagt Nachtwey. Dennoch bleibt es verlorene Mühe, wegen naturschutzrechtlichen Einwänden.

Mittlerweile hat Nachtwey den Kampf aufgeben. Ebenso wie Jörg Vogel vom TC Niddapark. Der Verein baut stattdessen auf einem bestehenden Platz, an dem in ein paar Jahren die Züge vorbeidonnern werden, drei Paddelplätze. Das ist ein neuer Trend im Tennis, bei dem man wie in einem kleinen Glaskasten spielt. „Den alten Platz bräuchten wir zwar“, sagt Vogel. Aber wir brauchen auch einen Lärmschutz.“ Er hält kurz inne, als könnte er nicht glauben, dass er in die idyllische Ruhe gesprochen hat.

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