Fahrradfahrerin Susanne Freiling und Bülent D. halten die neue Verkehrsregelung in der Schloßstraße für sehr gefährlich - aus schmerzhafter Erfahrung.
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Fahrradfahrerin Susanne Freiling und Bülent D. halten die neue Verkehrsregelung in der Schloßstraße für sehr gefährlich - aus schmerzhafter Erfahrung.

Bockenheim: Unfallgefahr

Neue Verkehrsregelung, altes Problem

  • vonSabine Schramek
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Seit November gilt eine neue Verkehrsregelung in der Schloßstraße. Markierungen auf der Straße und ein entsprechendes Schild zeigen dies an. Auf dem Abschnitt zwischen Adalbertstraße und Rödelheimer Straße können Radfahrer nicht mehr überholt werden. Was dadurch eigentlich verhindert werden soll, wurde Susanne Freiling zum Verhängnis.

Bockenheim -Susanne Freiling ist eine erfahrene Radfahrerin. Seit 30 Jahren ist sie mit ihrem Rad unterwegs, zwei Jahre hat sie als Fahrradkurier gearbeitet. Die Dramaturgin vom Theaterhaus-Ensemble dachte sich nichts Böses dabei, als sie mit ihrem Mann die Schloßstraße entlang radelte. Die Markierungen mit dem Fahrrad auf der Fahrbahn habe sie sehr wohl gesehen. "Ich habe mich gefragt, was das für ein Blödsinn ist, mich auf die Autospur zu zwingen, obwohl sie gar nicht breit genug für Radfahrer und Autos ist", erinnert sie sich.

Weil sie kein "lebendiges Hindernis" für Autofahrer sein wollte und die Bedeutung des neuen Mini-Verkehrsschildes mit dem roten Auto links und dem schwarzen Fahrrad und Mofa rechts nicht verstanden habe, befolgte sie die Anweisung nicht. Stattdessen sei sie auf einem schmalen Streifen gefahren, der zwischen der durchgezeichneten Parklinie und gestrichelt zur Fahrbahn verläuft. "Ich dachte mir noch, das ist doch viel zu schmal und schon hat es geknallt", sagt Freiling.

Gefährliches Pilotprojekt

Bülent D. hatte seinen Wagen auf dem Parkstreifen entlang der Schloßstraße geparkt, in den Spiegel geguckt, niemanden gesehen und die Tür seines Caddys geöffnet, um auszusteigen. "Dafür gibt es ja den schmalen Streifen. Zur Sicherheit, damit Radfahrer nicht gegen Türen knallen, die auf der engen Straße geöffnet werden", sagt er. Seit 40 Jahren wohnt der Verwaltungsangestellte in der Straße. "Hier gab es schon viele Pilotprojekte, aber dieses hier ist gefährlich."

Als Bülent D. aussteigen wollte, fuhr Freiling mit dem Oberschenkel und ihrer Hüfte gegen die Tür und stürzte seitlich auf die Fahrbahn. "Von gegenüber hatte eine Ärztin den Unfall gesehen und war sofort da." Freiling wollte keinen Krankenwagen gerufen haben, sondern bat Bülent D., sie in eine Klinik zu fahren, was dieser "selbstverständlich" sofort tat. Mit vier Stichen musste Freiling am Kopf genäht werden. Eine Anzeige haben beide nicht gestellt. "Darum geht es auch nicht", sagt Freiling, die zwar ständig mit dem Rad unterwegs ist, aber nur selten durch die Schloßstraße kommt. "Es geht darum, dass die Schilder, Bemalungen und diese merkwürdige Abstandsspur zu den Parkstreifen völlig irreführend sind." Sie vermutet, dass sie den "Dooring"-Sicherheitsstreifen besser verstanden hätte, wenn "er zu Fahrbahn hin nicht gestrichelt" wäre

Bülent D. erzählt, dass mit Einführung des Überholverbots für Autos "überall in der Straße geredet wird". In der Mitte führen Straßenbahnschienen lang, die nur von Versorgungsbahnen und Leerfahrten genutzt werden. Täglich würden Radfahrer, die in der Mitte der Fahrbahn fahren, angehupt und gedrängelt. "Die neuen Regelungen sind den meisten Leuten nicht bekannt. Da hilft es auch nicht, dass Anwohner die Schutzzone der Autotüren kennen. Es ist alles unübersichtlich."

Das neue Verkehrszeichen ist seit April 2020 in der Straßenverkehrsordnung, im November wurden sie in der Schloßstraße montiert. Auch die Piktogramme sind neu und den meisten Verkehrsteilnehmern unbekannt, vermuten beide. Das hatte die FDP-Fraktion im Ortsbeirat 2 (Bockenheim, Westend, Kuhwald) auch kritisiert. Eine Rückkehr zur alten Verkehrsregel hatte das Stadtteilparlament aber mehrheitlich abgelehnt. Nach Angaben von Stefan Lüdecke, Referent von Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD), sollen demnächst zusätzlich Tempo 30-Piktogramme auf der Fahrbahn markiert werden. Außerdem soll durch die Markierung von liegenden Kreuzen im Sicherheitstrennstreifen versucht werden zu verdeutlichen, dass es sich um den Sicherheitstrennstreifen handelt und nicht um die Fläche für den Radverkehr. Auch Vor-Ort-Aktionen mit der Landespolizei sind in Planung. Eine dauerhaft gute Lösung sei aber erst mit dem Umbau der Schloßstraße zu erwarten. Mittelfristig soll dort der Radschnellweg Frankfurt-Vordertaunus verlaufen. Dazu werde der Straßenquerschnitt neu geordnet.

Freiling und Bülent D. sind auch eine Woche nach dem Unfall noch schockiert und halten Kontakt zueinander. Beide wollen, dass die Straße "ohne Gefahr für Autos und Radler befahrbar ist. Vielleicht würde ein fester Blitzer mehr helfen als Bemalungen, die niemand kapiert". Freiling findet deutliche Worte. "So, wie es ist, ist es lebensgefährlich." Bülent D. will Freiling im Theater besuchen, sobald wieder Vorstellungen möglich sind. "Einen großen Blumenstrauß bekommt sie auch noch. Vielleicht ist das der Beginn einer neuen Freundschaft."

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