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Auch auf der U 7 sollen künftig längere Züge eingesetzt werden, damit mehr Fahrgäste als bisher einen Sitzplatz bekommen.

Nahverkehr

Neue Wagen gegen Engpässe bei der U-Bahn

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Wegen akuten Fahrzeugmangels bei der U-Bahn droht in Berlin die Einstellung ganzer Linien. So weit soll es in Frankfurt nicht kommen: 22 neue Wagen im Wert von mehr als 50 Millionen Euro werden bestellt.

Es war der Beginn einer neuen Ära: Vor genau 55 Jahren, am 28. Juni 1963, startete mit dem ersten Rammschlag an der Station Miquel-/Adickesallee der Bau der Frankfurter U-Bahn. Fünf Jahre später fuhren die ersten Züge, und das Schnellbahnnetz ist seitdem zu einer großen Erfolgsgeschichte geworden. Die Zahl der Fahrgäste steigt laufend, in den Zügen ist es zeitweise extrem voll. Zum Fahrplanwechsel im Dezember wird es deshalb auf einigen Linien mehr Platz geben, wie aus einer Magistratsvorlage hervorgeht, der die Stadtverordneten noch zustimmen müssen: Zusätzliche Fahrten sind auf den Linien U 3, U 4 und U 8 vorgesehen, außerdem werden zum Teil längere Züge eingesetzt.

Auf der U 4 zum Beispiel ist die Nachfrage sonntags derart gestiegen, dass künftig ab 13 Uhr die Bahnen mit drei statt zwei Wagen verkehren. Außerdem werden bei einigen Linien die Pausen an den Endhaltestellen verlängert, damit die Züge bei Verspätungen wieder in den richtigen Takt kommen.

Möglich werden diese Verbesserungen, da die städtische Verkehrsgesellschaft VGF derzeit noch genügend Fahrzeuge hat. In den vergangenen Jahren wurden insgesamt 224 Einheiten des neusten U-Bahn-Wagens der Baureihe U 5 geliefert. So konnten die älteren, nicht barrierefreien Bahnen vom Typ Ptb, die zuletzt auf der Linie U 5 eingesetzt wurden, ausgemustert werden. Verabschiedet werden die Oldtimer morgen von 10 bis 18 Uhr mit Sonderfahrten im 20-Minuten-Takt zwischen Heerstraße und Enkheim.

Reserve ist aufgebraucht

Bei der Bestellung der neuen Wagen war bereits die geplante Verlängerung der U 5 ins Europaviertel und zum Frankfurter Berg berücksichtigt. Doch wegen der starken Fahrgastnachfrage ist diese Reserve bereits aufgebraucht. Deshalb hat sich Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) für zusätzliche Fahrzeuge eingesetzt. Der VGF-Aufsichtsrat hat vor der Sommerpause grünes Licht für eine Bestellung von 22 weiteren U 5-Einheiten beim Hersteller Bombardier gegeben, wie aus dem Gremium zu hören ist. Jetzt steht nur noch die Zustimmung der Gesellschafterversammlung der Stadtwerke-Holding aus, was aber Formsache ist. Der Auftrag hat ein Volumen von mehr als 50 Millionen Euro. Zusammen mit den bereits bestellten 48 neuen Straßenbahnen investiert die VGF in den kommenden Jahren rund 170 Millionen Euro in Fahrzeuge.

Wann die U-Bahnen geliefert werden, ist noch offen. Sie sollen einige Verbesserungen ermöglichen. So ist geplant, auf der U 7 und der U 8 Züge mit vier Wagen einzusetzen, auf der U 5 werden die Züge von zwei auf drei Wagen verlängert. Auf der U 2 werden einzelne Kurse, die derzeit in Nieder-Eschbach enden, bis nach Bad Homburg-Gonzenheim verlängert.

Was nach einer einfachen Bestellung neuer Züge klingt, ist in Wirklichkeit ziemlich kompliziert. Denn die vorhandenen U 5-Wagen können nicht einfach nachgeordert werden. Geänderte Sicherheitsvorschriften würden eine Neukonstruktion der Führerstände nötig machen. Deshalb greift man bei der VGF zu einem Trick: Man bestellt Mittelwagen ohne Führerstand. Diese haben zwar einen Motor, können aber nicht selbstständig fahren, sondern nur in die Mitte der zweiteiligen, 50 Meter langen Züge des Typs U 5-50 gekoppelt werden. Auf diese Weise entstehen 75 oder sogar 100 Meter lange U-Bahnen, bei denen man – anders als bei den bisher üblichen aneinandergekoppelten 25-Meter-Wagen – von Anfang bis zum Ende durchgehen kann. Das soll das Sicherheitsgefühl erhöhen und eine bessere Verteilung der Fahrgäste ermöglichen.

Ausschreibung vermeiden

Außerdem sind sich die Juristen der VGF sicher, dass auf diese Weise eine europaweite Ausschreibung des Auftrags vermieden werden kann. Denn es wäre schwer vorstellbar, dass Mittelteile für Bombardier-Züge etwa vom Konkurrenten Alstom geliefert werden. Allerdings: In Berlin hat der Versuch, eine Ausschreibung für 80 neue U-Bahnen zu vermeiden, zu einer Klage des nicht berücksichtigten Herstellers Siemens geführt – mit der Folge, dass die dringend benötigten Züge erst einmal nicht bestellt werden können.

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