Lidija Esch vom Kassen- und Steueramt (Mitte) Bauhistorikerin Ulrike Schubert und Kirchendezernent Bastian Bergerhoff (Grüne) füllen die neue Zeitkapsel mit Informationen für die Nachwelt.
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Lidija Esch vom Kassen- und Steueramt (Mitte), Bauhistorikerin Ulrike Schubert und Kirchendezernent Bastian Bergerhoff (Grüne) füllen die neue Zeitkapsel in Frankfurt mit Informationen für die Nachwelt.

Frankfurter Geschichte

Zeitkapsel in Kirche gefunden: Geheimnis um Kiste gelüftet

  • Stefanie Wehr
    VonStefanie Wehr
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In der Dreikönigskirche in Frankfurt wird eine Zeitkapsel gefunden. Jetzt ist ihr Geheimnis gelüftet.

Frankfurt – Die Bauarbeiter staunten nicht schlecht, als sie im Juni das 140 Jahre alte Turmkreuz der Dreikönigskirche in Frankfurt abmontierten und darunter zwei Zeitkapseln aus der Zeit des Kirchenbaus fanden. Die evangelische Kirche, die einzige Frankfurter Dotationskirche südlich des Mains, wird seit 2020 saniert. Eine kleine Kiste aus Eisen, die ziemlich angerostet war, enthielt Zeitungspapier. In der größeren Zinkkassette befanden sich in Pergamentpapier gefaltete Dokumente. Außerdem waren da noch ein kleines Fläschchen mit einer unbekannten, bräunlichen Flüssigkeit und drei Münzen.

Am Dienstag (09.11.2021) gaben der Kirchendezernent Bastian Bergerhoff (Grüne) sowie Peter Hofmann und Jörg Tietze vom Kirchenvorstand der Dreikönigsgemeinde in Frankfurt und die Bauhistorikerin Ulrike Schubert bekannt, was es mit dem spektakulären Fund auf sich hat. Ein großes Medienaufgebot versammelte sich in der Kirche am Schaumainkai, als Schubert vorlas, was auf den Dokumenten in Sütterlin geschrieben steht.

Zeitkapsel in Kirche in Frankfurt gefunden: Liste der Bauarbeiter und Schnaps

Nämlich die Namen von etwa 14 Bauarbeitern und Ingenieuren der Sachsenhäuser Baufirma Fries & Söhne. Die Liste beginnt mit "Monteur Johannes Klumb, geboren am 9. Oktober 1847...", und am Schluss steht der Satz: "Sollten nach Reihen von Jahren unsere Namen gelesen werden, so trinke man einen Schluck Nordhäuser Korn auf unseres Wohl, sollten auch unsere Körper schon unter der Erde liegen."

Womit die rätselhafte Flüssigkeit in dem kleinen Fläschchen womöglich erklärt wäre. Sogar eine chemische Analyse gab die Stadt Frankfurt in Auftrag, berichtet Bastian Bergerhoff. Siehe da, Ethanol und Zucker waren darin. Eine Recherche im Museum des Unternehmens Nordhäuser Korn ergab, dass dort ebenfalls ein Schnaps aus dem 19. Jahrhundert vorhanden ist, der bräunlich verfärbt ist. "Der Hersteller des Glasfläschchens übrigens war eine Seifenfabrik direkt neben der Firma Fries in der Schulstraße", hatte die Bauhistorikerin zudem herausgefunden.

Fundstück in Kirche in Frankfurt: Zeitkapsel mit Zeitungsseiten und Bauplänen

Außer der Liste enthielt die in Frankfurt gefundene Kapsel eine handschriftliche Pergamenturkunde vom Abschluss der Bauarbeiten am 23. Oktober 1880 mit drei architektonischen Zeichnungen sowie eine Liste aller Mitglieder des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung von 1880. Die Bauarbeiten nach Plänen des Architekten Franz Joseph Denzinger hatten 1875 begonnen. Der Sandstein könnte teilweise schon in einer Vorgängerkirche verbaut gewesen sein, vermutet Historikerin Schubert, die sich nicht nur mit der Kapsel, sondern auch mit den Baumaterialien beschäftigt hat.

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Nachdem alle Dokumente auch vom Institut für Stadtgeschichte in Frankfurt gesichtet und digitalisiert worden waren, um sie zu archivieren, wurden sie am Dienstag zusammen mit aktuellen Dokumenten und Zeitungen in einer neuen Zeitkapsel verschlossen. Diese füllten Bergerhoff, Hofmann und Schubert vor den Augen der Journalisten zudem mit aktuellen Zeitungsberichten von Frankfurter Blättern, einer Dokumentation der aktuellen Sanierung, einer Chronologie der Dreikönigskirche von 1875 bis heute sowie Euromünzen und einer Paulskirchen-Gedenkmünze.

Frankfurt: Neue Zeitkapsel in Kirche deponiert – Kiste prall gefällt

Eine Liste des Frankfurter Magistrats oder der Stadtverordneten ist diesmal aber nicht dabei. Die neue Metallkiste - die der beauftragte Schlosser in Militärbeständen aufgetrieben hat - ist prall gefüllt. Zudem ist wieder ein neues Fläschchen mit Flüssigkeit darin. Doch was es ist, will Bergerhoff nicht verraten. "Das soll ja in 150 Jahren, wenn die Zeitkapsel gefunden wird, ein Rätsel sein. Wenn zukünftige Forscher nur googeln müssten, um die Zeitungsberichte von heute zu finden, wäre das Rätsel dahin."

Am Donnerstag soll die Kapsel an die Turmspitze in 81 Metern Höhe zurückgebracht werden, zusammen mit der restaurierten und neu vergoldeten Kugel und dem Wetterhahn. Insgesamt investiert die Stadt 3,2 Millionen Euro in die Restaurierung der Dreikönigskirche in Frankfurt. Im Frühjahr 2023 soll sie fertig sein, inklusive des barrierefreien Zugangs. Der Wunsch der Bauleute, die im vorletzten Jahrhundert das eiserne Turmkreuz anfertigten, wurde am Dienstag prompt erfüllt: Frischer Nordhäuser Korn wurde in kleinen Gläschen verteilt. (Stefanie Wehr)

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