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ARCHIV - 21.07.2015, Hessen, Wiesbaden: Der leere Plenarsaal des hessischen Landtags in Wiesbaden. (zu dpa "Themenpaket Landtagswahl Hessen" vom 18.10.2018) Foto: Arne Dedert/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Zitterpartie

Im neuen Landtag stellt Frankfurt 15 Abgeordnete

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So viele Landtagsabgeordnete stellte Frankfurt seit langem nicht mehr. 15 Vertreter unterschiedlicher Parteien werden dem 20. Landtag in Wiesbaden angehören. Wie es sich für die stärkste Partei in Frankfurt gehört, stellen die Grünen die meisten Abgeordneten.

Um 23.27 Uhr flimmerte eine Hochrechnung über den Bildschirm, die Yanki Pürsün elektrisierte. Die 7,5 Prozent der FDP reichen für elf Sitze. Und Pürsün, auf Platz 11 der liberalen Landesliste, ist plötzlich drin. Um 3.35 Uhr mit dem vorläufigen amtlichen Endergebnis kann sich Pürsün seiner Sache sicher sein: Frankfurt hat nach Nicola Beer wieder einen liberalen Vertreter in Wiesbaden.

Marcus Bocklet musste nicht solange zittern. Er eroberte im Wahlkreis 38 mit souveränen 35,3 Prozent das Direktmandat. Die Stadtteile des Wahlkreises, Nordend, Bornheim und Ostend sind schon seit langem eine Hochburg der Grünen. Zum vierten Mal ist der 56-Jährige dort angetreten. Seine Konkurrenten von CDU, Bodo Pfaff-Greiffenhagen (19,5 Prozent) und Arijana Neumann (20,2 Prozent) hatten keine Chance. Beide kandidierten dort erstmals.

Völlig überraschend hat dagegen Miriam Dahlke (Grüne) im Wahlkreis 35 das Direktmandat errungen. Gerade in diesem Wahlkreis war die Konkurrenz groß und viel Prominenz unterwegs. So kandidierte dort die Spitzenfrau der Linken, Janine Wissler und der 66-jährige Gernot Grumbach, der schon seit 2003 dem Landtag angehört. Die populäre Wissler überragt bei den Erststimmen das Ergebnis ihrer Partei fast um das Doppelte. Als Spitzenkandidatin der Linken auf Listenplatz 1 wird sie erneut im Landtag vertreten sein. Begleitet wird sie von ihrem Parteifreund Ulrich Wilken. Die beiden linken Abgeordneten werden ihrem SPD-Kontrahenten Grumbach wieder begegnen, der auf Platz 5 der SPD-Liste abgesichert war. Ihm folgen wird der Genosse Turgut Yüksel, auch wenn er Ralf-Norbert Bartelt im Wahlkreis 37 unterlag. Yüksel hatte Platz 19 auf der SPD-Liste. Für seine Parteifreundin Arijana Neumann, die im Wahlkreis 38 Bocklet unterlag, reichte dagegen Platz 28 der SPD-Liste nicht mehr.

Über die Liste schafften drei weiter Grüne den Sprung in den Landtag. Martina Feldmayer, Taylan Burcu und Mirjam Schmidt sind Teil der fünfköpfigen Frankfurter Grünen-Fraktion in Wiesbaden. Schmidt reichte dabei noch der Listenplatz 27.

Arg Federn lassen musste die bei Landtagswahlen so erfolgsverwöhnte CDU, die bei den beiden vergangenen Wahlen alle sechs Direktmandate gewonnen hatte. Zwar kamen ihre altgedienten Kandidaten Michael Boddenberg, Boris Rhein, Ralf-Norbert Bartelt und Uwe Serke in ihren Wahlkreisen als Erste durchs Ziel. Doch die Neulinge Veljko Vuksanovic und Bodo Pfaff-Greiffenhagen blieben auf der Strecke. Sie hatten aber auch beide Wahlkreise die seit jeher, wenn überhaupt, dann nur knapp, von der CDU gewonnen wurden. Das beste CDU-Ergebnis erzielte im übrigen Wissenschaftsminister Boris Rhein im Wahlkreis 39 mit 28,4 Prozent der Stimmen.

Lange zittern musste der CDU-Fraktionschef im Wiesbadener Landtag, Michael Boddenberg, im Wahlkreis 37. Am Ende ging er knapp (siehe oben) vor Mirjam Schmidt durchs Ziel.

Auch der Spitzenkandidat der AfD, Rainer Rahn, kommt aus Frankfurt. Als Listenerster ist er nun selbstverständlich im Landtag vertreten. Seine Partei hatte in Frankfurt mit 9,0 Prozent hessenweit am schlechtesten abgeschnitten. Die AfD-Fraktion im Römer, die Rahn als Fraktionsvorsitzender vertritt, ist bereits die vierte Fraktion im Frankfurter Rathaus, die Rahn mit seiner Mitgliedschaft beglückt. Er begann als Flughafenausbaugegner (FAG), wechselte dann in die FDP-Fraktion, gründete die Römer-Fraktion und ging dann zur AfD. Das hat ihm in Frankfurt den Ruf eines Wendehalses eingebracht. Dennoch ist er jetzt einer von 15 Frankfurter Landtagsabgeordneten. Damit stellt die Mainmetropole knapp elf Prozent aller Landesparlamentarier. Frankfurts Anteil am hessischen Inlandsprodukt liegt aber bei mehr als 20 Prozent.

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