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Pfarrer Olaf Lewerenz und die Fotokünstlerin Shima Naghdali blättern im neuen Buch ?Ein anderer Blick auf die St. Katharinenkirche?.

Katharinenkirche

Fotokünstlerin Shima Naghdali und Pfarrer Olaf Lewerenz stellen das neue Buch über das Gotteshaus vor

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Das Auge der Katharina, der Engelsflügel im Fensterglas, das Eigenleben der Kirchenmöbel: Shima Naghdalis Buch „Ein anderer Blick auf die Katharinenkirche“ betrachtet das Gotteshaus aus neuen Perspektiven.

Wer dieses Buch auf der ersten und letzten Seite betrachtet, sieht vor allem viele Holzmosaike, die sich zum Blick auf einen Parkettboden von oben zu ergänzen scheinen. „Barocker Glanz, das war einmal. Die Pracht ist dahin“, schreibt Pfarrer Olaf Lewerenz in der Einleitung. Denn nach dem Krieg wurde die Katharinenkirche „als ein leerer und karger Raum wieder aufgebaut“. Wohin richtet sich also der Blick der Fotokünstlerin? „Es ist die Reihe der Bänke, gesehen von hinten“, sagt Shima Naghdali, Kunststudentin in Fotodesign.

Seit drei Jahren studiert die gebürtige Iranerin, die auch Aquarelle malt, ihr Traumfach an der Offenbacher Hochschule für Gestaltung. Zunächst suchte sie nur ein Thema für ihre Arbeit zum Vordiplom. „Der weite Raum mit den Glasfenstern von Charles Crodel hat mich sehr beeindruckt und meine Kamera auf viele Details gelenkt“, sagt Naghdali. Schon bald entstand die Idee, aus ihrem Blick auf Kirchenbänke, Glasfenster, die Katharinenfigur im Turmeingang und das Taufbecken ein neues Fotobuch herauszubringen, das die allgemeinen und speziellen Kirchenführer zu Glasfenstern und Emporenbildern ergänzt.

Zu schön für diese Welt

Denn dieses Buch, das Naghdalis Bilder mit Psalmen und erklärenden Texten von Pfarrer Lewerenz illustriert, lädt auch mit einer kleinen Auswahl von vergrößerten Bildern im hinteren Teil der Kirche zum Verweilen und Meditieren ein, um im klaren und leer erscheinenden Kirchenraum doch eine Fülle von neuen Details zu entdecken: etwa das schöne, aber auch von Stolz geprägte Antlitz der Katharinenfigur im Turmeingang, das auf den Fotos zu verschwimmen scheint. Denn kann man Heilige überhaupt klar abbilden? „Katharina ist beinahe zu schön für unsere irdische Welt“, schreibt Lewerenz.

„Das Zusammenspiel von Formen und Farben stellt für mich einen besonderen Reiz da“, sagt Naghdali. Sie reduziert den mit Jakob kämpfenden Engel an der Nordwand auf seinen schillernden Flügel, begleitet von der Botschaft des Psalm 91, die Engel werden dich auf deinen Wegen behüten. Die Vorstellung aus Psalm 55, der Mensch könnte Flügel wie Tauben haben, wird vom bronzenen Flügel der Taube des Heiligen Geistes auf dem Taufbecken illustriert. Aber vom kämpfenden Engel sieht man auf einem weiteren Foto nur die Füße. Dazu Psalm 31: „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“.

Fülle von Motiven

Auch Shima Naghdali wurde von ihren Füßen schon weit getragen. Denn nach dem Abitur und ihrem Kunststudium in Teheran kam sie 2013 nach Deutschland, weil sie hier mehr soziale Freiheit und Entfaltungsmöglichkeiten sieht. Über einen Freund, der als Geflüchteter betreut wird, lernte sie die Katharinenkirche kennen, wo sie rund 200 Bilder mit der Digitalkamera und Blitzlicht fotografierte und später am Computer nachbearbeitete. „Ich war von der Fülle der Motive überrascht. Und da es für die Studienarbeit schnell gehen musste, habe ich vorgeschlagen, danach in Ruhe dieses Buch zu machen“, sagt Lewerenz.

Iranische Gotteshäuser – Kirchen ebenso wie Moscheen – sind im Innern oft sehr farbenfroh und prächtig. „Mich interessieren die evangelischen Kirchen, die räumlich einfacher gestaltet sind als die katholischen Kirchen“, sagt Naghdali. In der Katharinenkirche zeigen sich auch die Zeugnisse der Vergangenheit, neben den Emporenbildern meist Grab- und Gedenksteine, eher karg und naturfarben. Naghdali konzentriert sich auch hier auf die minimalistisch wirkenden Konturen von Gesichtern und Gliedmaßen, oder sie lässt einfach die Oberflächen der Steine selbst sprechen. „Ein leerer Raum, gefüllt mit dem Staub der Vergangenheit, gefüllt mit dem Glanz der Herrlichkeit“, schreibt Lewerenz hierzu.

Das Buch „Ein anderer Blick auf die Katharinenkirche“ ist ebendort für 12,90 Euro erhältlich.

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