Sie zerschnitten das blaue Band vor der Einfahrt des neuen Wertstoffhofs auf dem Gelände der ehemaligen Breuerwerke (v. l.): Stadtrat Claus Möbius, Ortsvorsteherin Susanne Serke und FES-Geschäftsführer Benjamin Scheffler. FOTO: maik reuss
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Sie zerschnitten das blaue Band vor der Einfahrt des neuen Wertstoffhofs auf dem Gelände der ehemaligen Breuerwerke (v. l.): Stadtrat Claus Möbius, Ortsvorsteherin Susanne Serke und FES-Geschäftsführer Benjamin Scheffler.

Höchst: Müllentsorgung Frankfurt

Neuer FES-Betriebshof kürzt viele Wege ab – doch eine Neuregelung verärgert Bürger

  • Michael Forst
    VonMichael Forst
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Der neue "Wertstoffhof West" in Frankfurt-Höchst soll die Müllentsorgung komfortabler machen. Doch eine Regel sorgt für großes Unverständnis bei den Bürgern.

Frankfurt - Er soll eine Bastion im Kampf gegen den Müll im Frankfurter Westen werden: Begleitet von vielen Hoffnungen und lobenden Worten hat die Stadt Frankfurt gestern Mittag auf dem Gelände der ehemaligen Breuerwerke in Höchst den neuen "Wertstoffhof West" eröffnet. Nur ein paar hundert Meter Luftlinie entfernt vom alten Standort in der Breuerwiesenstraße in Nachbarschaft der Hela, der IGS West und des Grünflächenamts gelegen, präsentiert sich der neue wesentlich größer und moderner. Für die rund 140 000 Einwohner der westlichen Stadtteile soll er die Wege kürzer und die Entsorgung komfortabler machen - auch jener zahlreichen Sonderabfallarten, die Bürger bislang beispielsweise nach Kalbach-Riedberg bringen mussten - wenn sie sich an die Regeln hielten.

Stadtrat Claus Möbius in Vertretung für Umweltdezernentin Rosemarie Heilig, Susanne Serke, Ortsvorsteherin für den Frankfurter Westen, sowie FES-Geschäftsführer Benjamin Scheffler zerschnitten symbolisch das blaue Band vor der Einfahrt und übergaben den Hof damit an die Bürger. Die waren pandemiebedingt nicht zum kleinen Festakt eingeladen, besuchten den Wertstoffhof dann aber ab 14 Uhr. Schnell machte sich jedoch erster Unmut breit: Zahlreiche Schrebergärtner, die ihre Pflanzenabfälle zu Fuß mit Handkarren vorbeibringen wollten, wurden abgewiesen.

Frankfurt: Neuregelung am Wertstoffhof in Höchst verärgert Bürger – "An den Gärtnern vorbeigeplant"

Karl-Heinz Ritzel-Deul und Claus Cromm vom Vorstand des Vereinsrings Höchst kritisierten das scharf - auch in einer E-Mail an die FES. Man habe das Problem schon befürchtet und bitte jetzt darum, "die Sachlage zu überprüfen", heißt es in dem Schreiben.

Claus Cromm sagte gegenüber dieser Zeitung: "Hunderte hier ansässige Schrebergärtner sind jahrelang zu Fuß in die Breuerwiesenstraße gelaufen, um ihr Wägelchen zu leeren. Sollen die jetzt allen Ernstes den Grünschnitt in ihr Auto laden, um die 200 Meter zum Wertstoffhof zu fahren?" Das sei "komplett am Thema vorbeigeplant".

„Wertstoffhof West“ in Frankfurt: FES will noch nachbessern

Allerdings hatte schon bei der Besichtigung des Geländes FES-Geschäftsführer Benjamin Scheffler auf einen Hinweis von Petra Scharf, der SPD-Fraktionsvorsitzenden im Ortsbeirat 6, erklärt: Wegen der Baustelle sei ein Zugang für Fußgänger und Radfahrer derzeit aus Sicherheitsgründen nicht möglich. "Aber wenn wir die ganze Breite haben, werden wir das auch einrichten", betonte Scheffler. FES-Sprecher Stefan Röttele sicherte auf Anfrage zu: "Wir werden da viel Gehirnschmalz reinstecken, um bald eine Lösung zu finden."

Dass der neue Wertstoffhof, von diesem Makel abgesehen, in vieler Hinsicht ein willkommener Fortschritt ist, daran ließen die Festredner keinen Zweifel. So sprach Stadtrat Claus Möbius (Grüne) von einem "Modernisierungsschub für den Frankfurter Westen und für die gesamte Stadt Frankfurt". Das Entsorgungssystem müsse mit den Konsumgewohnheiten der Bürger Schritt halten. Der neue Wertstoffhof mache die Wege kürzer und entlaste die Stadt von Entsorgungsverkehr, so Möbius. FES-Geschäftsführer Benjamin Scheffler nannte die neue Einrichtung einen "großen Sprung nach vorne, auf ein Niveau mit unserem Hof in Kalbach-Riedberg". Zugleich sei er ein "deutlicher Modernisierungsauftrag" für die anderen Wertstoffhöfe in Bornheim und Sachsenhausen sowie für die Kleinmüllplätze in Bergen und Enkheim.

Auch Ortsvorsteherin Susanne Serke (CDU) fand lobende Worte: "Ich hoffe, dass die komfortablere Entsorgung und das deutlich erweiterte Angebot mit dazu führen, den öffentlichen Raum in den westlichen Stadtteilen zu entlasten." Dies sei auch dringend nötig, ergänzte sie mit Blick auf die in Corona-Zeiten stark gestiegene Zahl wilder Müllablagerungen im Frankfurter Westen.

Von den bislang oft langen Wegen bei der Müllentsorgung konnte auch Susanne Serke ein leidvolles Lied singen - und weiß nun den Fortschritt umso mehr zu schätzen. Denn zuletzt, berichtete sie mit Schmunzeln, mussten sie und ihre CDU-Kollegen im Ortsbeirat bis nach Kalbach fahren, um dort die abgehängten Plakate von der Kommunalwahl zu entsorgen. (Michael Forst)

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