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Feuerwehr vor brennendem Goetheturm in Frankfurt.

Wiederaufbau

Neuer Goetheturm soll 2020 stehen

Am des 12. Oktober 2017 ging ein Frankfurter Wahrzeichen in Flammen auf. Nun schreiten die Planungen für den Wiederaufbau des Goetheturms voran. Und die Polizei setzt eine Belohnung aus, um den Feuerteufel doch noch zu schnappen.

Im Jahr 1931 war es vermutlich einfacher, einen Holzturm zu errichten. Ein Jahr nachdem der damals errichtete Goetheturm niedergebrannt ist, sind die verschiedenen städtischen Ämter immer noch damit beschäftigt, technische und rechtliche Detailfragen des Wiederaufbaus zu klären.

Dass der beliebte hölzerne Aussichtsturm im Stadtwald möglichst originalgetreu neu errichtet werden soll, war in Frankfurt schnell klar. In einer Online-Abstimmung der Stadt sprachen sich vergangenen Herbst 78 Prozent dafür aus, den Goetheturm wieder so aufzubauen, wie er war.

Ganz wird das jedoch nicht klappen, räumt Günter Murr, Sprecher des Frankfurter Baudezernats, ein: „Die Anmutung bleibt die gleiche, aber man wird ein bisschen Stahl in der Konstruktion einsetzen.“ Dies sei notwendig, da heute andere Vorschriften gelten. Der Stahl werde aber nicht zu sehen sein und nicht zuletzt die Wartung verbessern, da Treppenstufen dann einzeln ausgetauscht werden könnten.

Doch vor der Wartung muss Goetheturm 2 erst mal gebaut werden. Bis Ende des Jahres soll die Entwurfsplanung fertig sein. Beauftragt wurde das auf Holzbauwerke spezialisierte Ingenierubüro Andreas Wirth in Freiburg. Form, Ausmaße und die Höhe von 43 Metern sind laut Baudezernat schon klar. Was das Ganze kosten soll, allerdings noch nicht, denn die Kosten seien Teil der Entwurfsplanung.

Fest steht schon, dass der Neubau kameraüberwacht und nicht barrierefrei sein soll. Die Abstimmung läuft zwischen dem Grünflächenamt als Bauherr und dem Amt für Bau und Immobilien als ausführender Behörde. Involviert ist allerdings auch das Gesundheitsamt, das für die Suizidprävention verantwortlich ist. Zu entscheiden gilt es, ob der Turm ein Fangnetz erhalten soll. Außerhalb der Öffnungszeiten wird der künftige Turm auch nicht mehr so leicht zu besteigen sein. Das Original war mit einer kleinen Tür gesichert, die allerdings umklettert werden konnte.

Anfang 2019 soll die Baugenehmigung gestellt werden, dann folgt die Ausschreibung für die Bauausführung. Die Fertigstellung des Turms ist für 2020 geplant.

Am fehlenden Geld sollte es nicht liegen, dass es so lange dauert. Der Turm war zum Neupreis versichert. Zwar wird die Versicherungssumme nicht ausreichen, um die Neuerungen zu bezahlen, doch da gibt es ja auch noch die Spendengelder. 161 477,48 Euro haben Bürger, Unternehmen und Institutionen gespendet.

Bei der Suche nach dem Brandstifter tappt die Polizei nach wie vor im Dunkeln. Die Hinweise seien „ein bisschen verebbt“, sagt Kriminaldirektorin Anke Schumacher. Sie leitet im Frankfurter Polizeipräsidium die Inspektion K 10 (Kapitaldelikte), zu der auch die Brandermittler gehören. „Ich habe mir mehr Hinweise aus der Bevölkerung erhofft.“ Nun soll eine Geldprämie auf die Ergreifung des Täters ausgelobt werden.

Möglicherweise habe der Brandstifter mit seinen Taten irgendwo im Internet oder im Bekanntenkreis geprahlt, sagt Schumacher. Die Kriminaldirektorin hofft, mit dem Aufruf Leute zu motivieren, die Zweifel haben und sich nicht trauen, die Polizei anzurufen. „Wir würden dem Ganzen sensibel nachgehen“, verspricht sie.

Unmittelbar nach der Tat hatte sie die Arbeitsgruppe (AG) Holz ins Leben gerufen. Denn der Brand am Morgen des 12. Oktober 2017 war schon das dritte Feuer, das ein öffentlich zugängliches Holzgebäude in Frankfurt in Schutt und Asche legte.

Am 1. Mai hatte der Pavillon im Koreanischen Garten gebrannt, genau einen Monat später war der Pavillon im Chinesischen Garten in Flammen aufgegangen. Doch kein Feuer hatte die Frankfurter so bewegt wie der Brand des Goetheturms, das Wahrzeichen im Stadtwald, mit dem viele Kindheits- und Jugenderinnerungen verbinden. „Wir wissen das, deswegen stecken wir viel Herzblut in die Ermittlungen“, so Schumacher.

Doch der entscheidende Durchbruch lässt auch zwölf Monate später noch auf sich warten. Zu Spitzenzeiten waren 15 Beamte in der AG Holz beschäftigt. Derzeit sind es noch zehn Ermittler, die regelmäßig zusammenkommen, um auf der Suche nach dem großen Unbekannten die neuesten Ermittlungsansätze zusammenzutragen.

„Wir haben schon ganz viele Spuren abgearbeitet“, sagt die Kriminaldirektorin. Darunter waren auch viele Spuren, bei denen nicht ganz klar war oder ist, ob sie dem Brandstifter des Goetheturms oder irgendeinem anderen Zündler zuzuordnen sind.

Zwischenzeitlich hatte sich die AG Holz auch die Unterstützung der Operativen Fallanalyse beim Landeskriminalamt geholt. Die landläufig „Profiler“ genannten Ermittler versuchten zu ergründen, was das für ein Mensch sein könnte, der ein beliebtes Ausflugsziel anzündet.

Wie bei jeder Serie hoffen die Ermittler, dass der Täter irgendwann einen Fehler macht. Doch die letzte Brandstiftung an einem Holzgebäude, dem Blauen Haus in Niederrad, liegt schon fast neun Monate zurück. Dennoch verbreitet die Kriminaldirektorin Optimismus: „Der Fall ist noch nicht ausermittelt, ich bin zuversichtlich, dass wir ihn schnappen“, sagt Schumacher.

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