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Beamte der Spurensicherung untersuchen am 24.Januar 2014 am Landgericht in Frankfurt das Opfer einer Schießerei.

Urteil aufgehoben

Neuer Prozess um tödliche Schüsse im Frankfurter Gericht

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Der Prozess gegen den Mann, der 2014 im Frankfurter Gerichtsgebäude zwei Männer getötet haben soll, beginnt erneut. Der 58-Jährige war wegen Doppelmordes verurteilt worden. Das Urteil wurde jedoch wegen Befangenheit aufgehoben.

Die tödlichen Schüsse im Frankfurter Justizzentrum am „Klapperfeld“ – neu nach gut viereinhalb Jahren sind sie vielen Bediensteten und anderen Justizpersonen noch frisch in Erinnerung. Am 24. Januar hatte der damals 54 Jahre alte Hayamon S. zwei Männer getötet, die er wiederum für den Tod seines Bruders verantwortlich machte. Eine „Tat mit Hinrichtungscharakter“, hieß es im ersten Urteil gegen den Doppelmörder.

Gut ein Jahr nach dem spektakulären Vorfall hatte die Schwurgerichtskammer des Landgerichts den Täter wegen zweifachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt und darüber hinaus noch die „besondere Schwere der Schuld“ festgestellt, die eine Haftentlassung nach 15 Jahren unmöglich macht. Sowohl das Mordmerkmal der Heimtücke wurde von den Richtern bejahrt, als auch das der niedrigen Beweggründe in Form von Selbstjustiz. Die 45 und 50 Jahre alten Opfer waren ahnungslos vor dem Gebäude E. Erschienen, wo seit einigen Tagen das zweite Strafverfahren um den Tod des Bruders von S. geführt wurde.

Weil sie im ersten Prozess bereits aufgrund Notwehr freigesprochen worden waren, befanden sie sich auf freiem Fuß. Plötzlich fielen Schüsse vor dem Eingang, Sekunden später auch in der Vorhalle des Gebäudes. Danach rannte der Täter auch noch auf die Schwerverletzten zu und stach mit einem Messer auf sie ein – ein bizarrer afghanischer „Brauch“, um verhasste Opfer noch zusätzlich zu demütigen. Einer der Männer starb unmittelbar am Tatort, der andere kurze Zeit später in der Klinik. Nach einigen Schreckminuten atmete man bei der Justiz auf – trotz der sehr gefährlichen Situation war keinem Unbeteiligten etwas passiert – zehn Minuten zuvor hatte sich noch eine Schulklasse an jenem Morgen in der Empfangshalle aufgehalten.

Die besondere Konstellation dieses Falles und seiner juristischen Aufarbeitung brachte es mit sich, dass die Akten besonders genau von der Verteidigung unter die Lupe genommen wurden. Schließlich war mit dem zwischenzeitlich pensionierten Richter Klaus Drescher derselbe Mann Kammervorsitzender, der bereits den Freispruch der beiden späteren Todesopfer verkündet hatte und nun über den Bruder des Getöteten zu Gericht saß. Im ersten Urteil freilich hatte er sich über die Person des Bruders – damals im Zeugenstand vernommen – nachteilig ausgelassen. „Impertinent“ sei er aufgetreten und auch ansonsten nicht gerade ein Sympathieträger. In einem zeitnah beendeten weiteren Prozess wies Drescher abfällig auf Selbstjustiz und deren Herkunft hin. Für den Bundesgerichtshof war dies Anlass genug, um die spätere Verurteilung von S. aufzuheben, weil der Gerichtsvorsitzende möglicherweise befangen gewesen sei.

Weil beide Frankfurter Schwurgerichtskammern in den Fall involviert waren, kommen nach dem Willen des BGH nun die Limburger Kollegen zum Zuge. Vom 19. Oktober an wird dort gegen S. zum zweiten Mal verhandelt und alle Zeugen aus der Frankfurter Justizszene – es gab jede Menge Augenzeugen – müssen an die Lahn reisen. 21 Verhandlungstage hat man anberaumt und wenn der Prozess – wie geplant – am 29. Januar zu Ende gehen soll, liegt der fünfte Jahrestag der Schüsse schon hinter ihnen. (ge)

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