+
Bahnverkehr am Hauptbahnhof in Frankfurt. FOTO: DPA

Verkehrsdezernent kritisiert "dramatische Preissteigerung"

Neuer RMV-Tarif steht vor dem Aus

  • schließen

Der Pilotversuch für ein neues Tarifsystem beim Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) soll nach dem Willen des Frankfurter Verkehrsdezernenten Klaus Oesterling (SPD) nach wenigen Monaten wieder eingestellt werden. Frankfurter Fahrgäste würden benachteiligt, kritisierte er.

Als der RMV im Dezember 2015 den auf drei Jahre angelegten Pilotversuch für ein neues Tarifmodell beschloss, zeigte sich Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) ganz begeistert: „Dieses Pilotmodell schafft erstmals in Deutschland echte Leistungsgerechtigkeit – und wird damit fairer für alle“, erklärte er. Vor allem die großen Preissprünge bei Fahrten über die Stadtgrenze würden entfallen. Das 20 Jahre alte Wabensystem soll durch einen entfernungsabhängigen Tarif ersetzt werden: Wer weiter fährt, zahlt mehr. 8000 RMV-Kunden testen das neue Angebot, das es nur als elektronisches Ticket auf dem Smartphone gibt.

Mittlerweile ist die Ernüchterung groß. Ganz so fair wie erwartet ist der Tarif für Frankfurter nämlich gar nicht. Nur wenige Fahrgäste zahlen weniger, viele aber müssen deutlich mehr für Tickets ausgeben, rechnete Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) vor. Entlang der U-Bahn-Linie U 2 zum Beispiel werde die Fahrt zur Hauptwache nur an zwei Stationen günstiger, an den meisten hingegen teurer (siehe Grafik). In Nieder-Eschbach steigt der Preis für eine Einzelfahrt von 2,80 Euro auf 5,07 Euro – ein Plus von 81 Prozent. Dagegen sinkt der Preis bei Fahrten in Nachbarstädte nach Einschätzung Oesterlings nur geringfügig. Wer vom Buchrainplatz in Oberrad zum Offenbacher Marktplatz fährt, zahlt heute 4,65 Euro, im Smart-Tarif reduziert sich der Preis auf 4,04 Euro.

Angesichts der „dramatischen Preissteigerungen“ hat es nach Ansicht Oesterlings keinen Sinn, das Pilotprojekt fortzusetzen. „Für das Tarifmodell gibt es in Frankfurt keine politische Mehrheit“, sagte der Verkehrsdezernent und betonte, dass dies auch der Oberbürgermeister so sehe. Kein Frankfurter dürfe mehr als bisher für die Fahrt mit Bus und Bahn zahlen. Oesterling und Feldmann plädieren für ein „echtes Nachbarschaftsticket“, bei dem die Fahrten in Nachbarstädte günstiger, gleichzeitig aber die Tickets im Stadtgebiet nicht teurer werden.

Der RMV verweist auf den einstimmigen Beschluss des Aufsichtsrats. Änderungen am Tarif „RMV Smart“ seien während des Pilotprojekts möglich, sagte ein Sprecher. Werde zum Beispiel eine andere Preisgestaltung gewünscht, werde diese durch den Aufsichtsrat beschlossen und mit dem Regierungspräsidium abgesprochen.

Laut Oesterling wird in der schwarz-rot-grünen Koalition ein Beschluss des Stadtparlaments vorbereitet, mit dem das Tarifmodell abgelehnt wird. Zumindest ein Partner ist bisher aber noch nicht eingebunden. „Mit uns wurde nicht gesprochen“, sagt Wolfgang Siefert, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen. Für ihn kommt es nicht infrage, den Modellversuch komplett abzublasen, Änderungen seien aber nötig. Auch Oesterling kann sich einen „Neustart“ mit anderen Parametern vorstellen. Sprich: Der Grundpreis muss günstiger werden. Nach Informationen der FNP hatte der RMV das ursprünglich auch vor. Doch eine Kommune war dagegen: Es handelte sich um die Stadt Frankfurt . . . Auf der nächsten Seite: Stimmen aus den sozialen Netzwerken

 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare