Michael Lönning (li.) übergibt sein Amt als "Schutzmann vor Ort" für Griesheim an Oberkommissar Fabian Dieckhoff (re.). Foto: Maik Reuß
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Michael Lönning (li.) übergibt sein Amt als "Schutzmann vor Ort" für Griesheim an Oberkommissar Fabian Dieckhoff (re.).

Griesheim: Prävention statt Strafverfolgung

Neuer Schutzmann vor Ort: "Ich bin zum Reden gekommen"

  • Holger Vonhof
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Den Kindern die Angst vor der Polizei nehmen

Fabian Dieckhoff ist ein baumlanger Kerl mit freundlichen Augen, Dreitagebart und einem einnehmenden Lächeln. Der 32 Jahre alte Polizeioberkommissar hat einen neuen Job: Er übernimmt von Michael Lönning das Amt der "Schutzmanns vor Ort" für Griesheim. Lönning, seit 41 Jahren bei der Polizei, wird in einem halben Jahr 60 und darf in den Ruhestand.

Meist zu Fuß unterwegs

Hauptkommissar Lönning war seit 2018 "Schutzmann vor Ort" für Griesheim, hauptsächlich aber fürs Geschäftszimmer im 16. Revier und die Asservatenkammer zuständig. Das ändert sich jetzt: Oberkommissar Dieckhoff wird an erster Stelle "Schutzmann vor Ort" sein und nebenbei die Asservaten des Reviers verwalten. Das Programm "Schutzmann vor Ort" ist vom Polizeipräsidium Frankfurt 2015 gestartet worden. Wer sich so nennen darf, kennt sich im Stadtteil aus, ist zu Fuß in den Straßen unterwegs und immer ansprechbar - wofür den Streifenbeamten beim Abarbeiten der Einsätze oft keine Zeit bleibt, das setzen die Schutzleute vor Ort um: Mit den Leuten reden.

Es geht dabei weniger um die Verfolgung von Straftaten, als um Prävention. "Ich will ansetzen, wo man eine Tat verhindern kann", sagt Fabian Dieckhoff. Er schaut nach illegalen Müllablagerungen oder spricht mit Jugendlichen, wenn sie jetzt trotz der Corona-Abstandsregeln in ihrem Kiez in Gruppen herumhängen. Griesheim ist für einen Polizisten eine Herausforderung. Es ist genau ein Jahr her, dass die Polizei nach tätlichen Angriffen gegen Streifenbeamten in der Ahornstraße und brennenden Mülltonnen in der Kiefernstraße eine Task-Force eingerichtet hat. Junge Leute hatten sich gegängelt gefühlt, als sie aufgefordert wurden, sich an die Corona-Regeln zu halten; die Eskalation mündete aber in den Austausch von Polizisten mit Jugend- und Sozialarbeitern aus dem Viertel.

Da setzt auch Dieckhoffs Job an: "Wenn sich rumspricht, dass ich der bin, der zum Reden kommt, bin ich gespannt, wie das aufgenommen wird. Wir wollen Vertrauen aufbauen." Er wird zu Fuß im Stadtteil unterwegs sein, vielleicht auch mit dem Fahrrad, aber immer in seiner blauen Uniform mit der weißen Mütze, dem Erkennungszeichen des Außendienst-Polizisten: "Es ist Sache des Schutzmanns vor Ort, sich Zeit zu nehmen für die Dinge, bei denen es hakt." Sein Vorgänger Lönning hat feststellen müssen, dass die Griesheimer auf der Straße nicht unbedingt auf Polizisten zugehen, selbst im eher dörflich geprägten Süden des 20 000-Einwohner-Stadtteils nicht. Sein Nachfolger Dieckhoff will den Bürgern eines vermitteln: "Mich kann und sollte jeder gerne ansprechen."

Nach seinem Studium bei der Polizei in Mühlheim und vier Jahren beim 1. Revier in der Innenstadt war der gebürtige Frankfurter, damals gerade frischgebackener Vater, zu einer Dienststelle für Mehrfach-Intensivtäter gewechselt, wo er unter anderem in Schwanheim, Goldstein oder Höchst zum Einsatz kam. Mit dem Job des Schutzmanns vor Ort habe er "immer schon ein bisschen geliebäugelt", sagt er, denn: "Griesheim reizt mich besonders. Ich mag es, alle Facetten des Polizeiberufs abzudecken."

Dazu gehört auch, etwa Kindern die oft von ihren Eltern anerzogene Angst vorm Polizisten zu nehmen ("Benimm dich, sonst nimmt der Polizist dich mit"). Beim Gespräch mit dieser Zeitung winkt er den Knirpsen der Kita im Saalbau Griesheim zu, als sie auf ihre Freifläche laufen und sehen, dass da ein großer Polizist steht.

Regelmäßig Sprechstunden

Der Vater eines Fünfjährigen will möglichst bald die Sprechstunden wieder aufnehmen, die sein Kollege Lönning schon früher im Wechsel beim Geschichtsverein in der Autogenstraße und beim Internationalen Bund (IB) in der Waldschulstraße angeboten hat.

Er ist aber auch unter der Durchwahl 755-1-16 81 zu erreichen. Im lokalen Präventionsrat möchte er sich einbringen und fordert Institutionen aus dem Stadtteil dazu auf, den Kontakt zu ihm zu suchen.

Hauptkommissar Michael Lönning hingegen will es bald etwas ruhiger angehen lassen, nach allein 27 Jahren im Schichtdienst: "Ich will öfter mit meiner Harley rumfahren. Ich habe ein großes Haus, eine anspruchsvolle Frau und einen kleinen Hund." hv

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