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Neueröffnung in Frankfurt: Spezialitäten und Superlative für Feinschmecker

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Von: Friedrich Reinhardt

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In Frankfurt hat ein neues Feinkost-Geschäft an der Wilhelmshöher Straße eröffnet.

Frankfurt - Der Gourmet in der dunkelblauen Steppweste macht einen langen Hals und schaut in den Wallnusskorb. „Sind das französische oder italienische?“ Burak Alan lächelt hinter der Theke. Über seine Waren fachsimpeln, das ist die Spezialität des Feinkosthändlers aus Frankfurt: „Das sind chilenische Walnüsse, das sind die besten, die es gibt.“ Alan knackt eine Nuss und reicht sie über den Tresen. „Aber Grenobler...“, setzt der Kunde an. Der Rest des Satzes wird mit der Nuss zerkaut. „In Grenoble ist die Ernte in diesem Jahr nicht gut gewesen“, behauptet Alan. Überhaupt sei die französische Erde durch die vielen Genmanipulationen belastet. In Chile bekämen die Walnuss-Bäume dagegen alles, was sie bräuchten.

Burak Alan ist Verkäufer durch und durch. Der junge Mann mit dem strahlend weißen Pullover, dem akkurat rasierten Bart und dem Airpod im linken Ohr spricht oft in Superlativen. Seine Mangos seien etwa die schmackhaftest, die man bekommen kann. Auf dem Preisschild am Korb mit den Walnüssen steht: „Die Beste Walnuss der Welt - 100gr. 1,99 Euro“. Und die leere Eierpappe vor der Theke räumt er nicht weg, weil sie zeigt, wie regional und bio die Eier von dem Hof in Bürstadt hinter Darmstadt sind. „Eier gibt es bei mir nur, wenn die Hühner welche legen.“

Spezialitäten-Neueröffnung in Frankfurt: Eier im „MangoMaracuja & more“ nur, wenn auch die Hühner wollen

Mit dem Feinkostladen „MangoMaracuja & more“ an der Wilhelmshöher Straße neben der Zentgrafenschule hat der 32 Jahre alte Händler sein erstes Geschäft eröffnet. In dem kleinen Laden - zuvor war hier ein Schmuckgeschäft - hat er eine Kühltheke installiert.

Burak Alan in seinem ersten eigenen Geschäft: Das „MangoMaracuja&more“ an der Wilhelmshöher Straße.
Burak Alan in seinem ersten eigenen Geschäft: Das „MangoMaracuja&more“ an der Wilhelmshöher Straße in Frankfurt. © Friedrich Reinhardt

In Knoblauch eingelegte Oliven stehen neben in Weinblätter gewickeltem Reis. Den Fetakäse legt Alan selbst ein und den Bulgursalat bereitet er mit Minze, Petersilie und Schnittlauch zu. Jeden Tag gibt es warme Suppe für die Arbeiter. Im Regal stehen Olivenöle, Nudel in Verpackungen mit italienischer Aufschrift und neben der Obstauslage stehen zwei Bilder von Alans Kindern.

Im Sommer hat er das Geschäft eröffnet, Alans Weg in die Selbstständigkeit begann aber 2018 mit einem Bewerbungsgespräch. Alan, aufgewachsen in Bockenheim, machte nach dem Abschluss an der Michael-Ende-Schule erst eine Ausbildung zum Metzger, dann als Einzelhändler. Bei Rewe stieg er die Karriereleiter schnell hinauf, macht seinen Handelsfachwirt und wurde Manager. Im Fernstudium studiert er nebenbei Betriebswirtschaft und seit 2015 ist er zudem Prüfer bei der Industrie- und Handelskammer. Er wechselt zu einem Bio-Markt, als aber in einem Bewerbungsgespräch die Anwärterin ihn fragte, wie sie mit 1200 Euro im Monat ihre Miete zahlen und sich und ihr Kind versorgen soll, da wusste Alan keine Antwort.

Spezialitäten-Neueröffnung in Frankfurt: Kritik an niedrigem Lohn und falschen Bio-Siegeln

Etwas läuft schief, dämmerte es Alan damals. Er selbst arbeitete so viel, dass er die Schwangerschaft seiner Frau praktisch verpasste. Dabei würden Mitarbeiter schlecht bezahlt und die meisten der Bio-Siegel seien Betrug. So reifte in ihm der Wunsch nach einem eigenen Geschäft, wo er es besser machen kann. So erzählt es Alan und klingt dabei das erste Mal so, als wollte er nichts verkaufen. Im März 2019 kündigt Alan. Er arbeitet bei Feinkostgeschäften von Freunden. Er lernt wieder. Er sucht Räume für das eigene Geschäft, findet keine, bis er im Februar diesen Jahres auf das Geschäft an der Wilhelmshöher stößt. Er bewirbt sich und setzt sich durch. „Wenn ich nicht reingekommen wäre, wäre hier ein Sushi-Geschäft entstanden“, erzählt Alan.

Wenn er heute seine Waren mit Superlativen in den höchsten Tönen anpreist, weiß man oft nicht, ob alles stimmt, was er erzählt. Der Gourmet in der blauen Steppweste lobt die Walnüsse als besonders ölig und den Geschmack als intensiv. Als sie Alan aber in eine biologisch-abbaubare Tüte packt, sagt er, die Tüte wäre bei der FES gelistet und könne für den Bio-Müll verwendet werden. Dem widerspricht die FES. Keine Kunststofftüte verrotte schnell genug, sie seien daher alle untersagt.

Dass aber Alan etwas von seinen Waren versteht, kann man kaum bezweifeln. Eine Kundin lobt: „Wenn ich süße Äpfel will, dann bekomme ich die hier auch.“ Alan weiß, welches Obst in seinen Regalen wie schmeckt. (Friedrich Reinhardt)

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