Grüne-Soße-Stelenpfad

Ein neues Denkmal für Oberrad

  • Julia Lorenz
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Nachdem in der vergangenen Woche verkündet worden war, dass die Frankfurter Grüne Soße dank eines EU-Gütesiegels gerettet ist, wurde nun gestern ein Stelenpfad in den Oberräder Feldern eingeweiht, der die traditionelle Speise sowie die dazugehörenden sieben Kräuter erläutert. Rund 3600 Euro kostet das neue Denkmal.

„Frankfurt ohne unsere Grie Soß wäre wie Pommes ohne Ketchup. Das kann man sich einfach nicht vorstellen“, sagte gestern Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne), während sie zusammen mit Ortsvorsteher Christian Becker (CDU) den neuen Grüne-Soße-Stelenpfad am Rande der südlichen Gemüsefelder in Oberrad enthüllte. Fortan können sich Spaziergänger und Interessierte anhand von Schildern, die an den acht Holzstelen entlang des kleinen Feldwegs zwischen der Wiener Straße und dem Burgenlandweg angebracht sind, über die Grüne Soße und die dazugehörenden sieben Kräuter informieren.

Zeichnungen und Texte

„Jeder Frankfurter sollte, noch bevor er in die Schule kommt, die sieben Kräuter der Grünen Soße kennen und auswendig aufsagen können“, sagte Rosemarie Heilig. Da kann der neue, wenige Hundert Meter lange Pfad, der durch den Grüngürtel führt, helfen. Immerhin widmet sich jede Holzstele einem der Kräuter. Die Zeichnungen der sieben Kräuter auf den Tafeln stammen aus der Hand von Hermann Steinkamp, die Texte sind von Eva-Maria Hinrichs.

Da kann man etwa lesen, dass Sauerampfer eine weit verbreitete heimische Pflanze ist, die viel Vitamin C enthält und hervorragend auch als aromatisches Wildgemüse gegessen werden kann. Dass Kresse rettichartig schmeckt und besonders gut zu Aufstrichen wie Quark passt. Dass Borretsch an seinen borstig behaarten Blättern und Stengeln sowie den leuchtend blauen Blüten zu erkennen und ein Muntermacher ist. Dass Schnittlauch eine antiseptische Wirkung hat, dass Petersilie ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammt und schon bei den Römern und Griechen als Heilpflanze bekannt war. Dass Kerbel oft wild an Wegesrändern wächst und im Volksmund als Suppenkraut bezeichnet wird. Oder dass Pimpinelle ein angenehmes leicht nuss- und gurkenartiges Aroma hat.

Finger weg vom Dill

„Aber auf keinen Fall darf in unserer Grünen Soße Dill oder Estragon landen“, sagte Heilig. Da konnten ihr der anwesende Oberräder Kräutergärtner Rainer Schecker und Thomas Södler vom hessischen Gärtnereiverband in Frankfurt nur zustimmen. Den beiden Männern ist es auch zu verdanken, dass die Frankfurter Grüne Soße seit vergangener Woche das EU-Gütesiegel „geografisch geschützte Angabe“ trägt. Soll heißen: Es wird sichergestellt, dass die Kräutermischung hier angebaut, gepflückt und verpackt wird (wir berichteten). „Das Gütesiegel zeigt: Die Grie Soß ist etwas Besonderes. Mit dem Stelenpfad ehren wir sie und die Arbeit der Landwirte“, sagte Heilig, die sich jetzt schon auf den Frühling freut, wenn die Grüne Soße besonders häufig auf den Tisch kommt. Die Umweltdezernentin bereitet sich die Speise auch gerne selbst zu: mit selbst gehackten Kräutern, Schmand, Kefir, Senf, Salz und Pfeffer. „Dazu einfach nur Kartoffeln und fertig ist ein leckeres Gericht“, sagt Heilig.

Der Kräutergärtner Schecker isst die Grie Soß am liebsten mit Schnitzel. „Immer wenn ich essen gehe, bestelle ich das, um zu gucken, wie andere die Grüne Soße zubereiten“, sagte er. Denn die Varianten sind durchaus vielfältig. Bei Scheckers kommt die Speise nach Omas Rezept auf den Tisch: mit frischen sieben Kräutern, Saurer Sahne, Salz, Pfeffer und einem Schuss Essig.

Natürlich ist der Grüne-Soßen-Stelenpfad nicht das erste Denkmal für Frankfurts Traditionsgericht in dem Stadtteil, der für den Anbau der sieben Kräuter bekannt ist. Seit 2007 gibt es in den Kräuterfeldern zwischen Kochstraße und Speckgasse das Grüne-Soße-Denkmal: sieben beleuchtete Gewächshäuser, entworfen von der Künstlerin Olga Schulz. Schaukästen oder Hinweisschilder, wie die Kräuter aussehen, gibt es dort nicht – das bemängelte allerdings der Ortsbeirat 5 (Niederrad, Oberrad, Sachsenhausen). „Als Lehrer bin ich immer erpicht darauf, meinen Schülern etwas zeigen zu können“, sagte Ortsvorsteher Becker. Mit Hilfe der Stelen könne man jetzt wunderbar die sieben Kräuter und ihre Besonderheiten zeigen und erklären. Die Kosten von rund 3600 Euro werden aus dem Budget des Ortsbeirats finanziert.

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