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Wolf Singer, Andreas Strüngmann, Herbert Jäckle, Pascal Fries, Boris Rhein und Thomas Strüngmann (v.l.) beim Richtfest des Esi-Neubaues.

Richtfest des Ernst Strüngmann Institut

Neues Frankfurter Institut: Forscher wollen herausfinden, wie Denken geht

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Wie funktioniert das Denken? Diese Grundlagenforschung soll das neue Ernst Strüngmann Institut (Esi) nahe der Uniklinik leisten. Im Institutsgebäude wurde gestern Richtfest gefeiert.

„Wir wissen viel über die Leber, wir wissen viel über das Herz. Über das Hirn hingegen wissen wir fast nichts!“ Prof. Pascal Fries (44), Direktor des Ernst Strüngmann Instituts in Frankfurt, will das ändern. „Es geht uns um Grundlagenforschung. Natürlich will ich als Arzt Anwendungen. Aber zuvor müssen wir verstehen, wie das Hirn arbeitet.“ Aufmerksamkeit, Gedächtnis – höhere Hirnfunktionen werden in dem privat finanzierten, mit der Max-Planck-Gesellschaft kooperierenden Institut erforscht – auch mit Versuchstieren.

In der Fachwelt hat sich das junge Ernst Strüngmann Institut (Esi) schon einen guten Ruf verschafft. In Frankfurt ist es noch kaum bekannt. Dabei ist es ein „Pflegekind“ der Max-Planck-Gesellschaft (MPG), quasi eines ihrer Institute. Nur dass seine Abkürzung eben nicht MPI, sondern Esi ist. Dies sagte Prof. Herbert Jäckle, bis 2014 Vizepräsident der MPG. „2008 erhielten wir ein Geschenk“, so Jäckle. Thomas und Andreas Stüngmann, die Gründer des Pharmaunternehmens Hexal, widmeten der Neurowissenschaft eine Stiftung.

Das Komplettpaket mit den Stiftungserlösen aus nunmehr 200 Millionen Euro Vermögen war, so Jäckle, „versehen mit einer Schleife vom Land Hessen“, nämlich noch einmal 30 Millionen. Diese sind vorgesehen für den Neubau des Esi auf dem Gelände des vormaligen MPI für Hirnforschung (Wolf Singer). Dieses ist 2014 auf den Riedberg umgezogen. Die beiden Institute – MPI auf dem Riedberg und Esi in Niederrad – sind verbunden, Singer war zeitweise Direktor beider Häuser, doch das Esi ist rechtlich völlig selbstständig.

„Die ungewöhnliche Kombination aus privatem Kapital, höchsten wissenschaftlichen Standards und der Finanzspritze der Landesregierung ermöglicht Spitzenforschung“, sagte Wissenschaftsminister Boris Rhein gestern beim Richtfest des Neubaues. „Entscheidend aber ist die Expertise der Max-Planck-Forscher.“ Das Esi unterliegt den strengen Regeln der MPG, und auch der Leiter Fries musste zuerst Direktor eines anderen MPI-Instituts geworden sein, ehe er das Esi leiten konnte.

Er forscht noch im alten, 1962 errichteten MPI für Hirnforschung in der Kurve des Niederräder Ufers zur Deutschordenstraße. Doch dieses Gebäude wird bald abgerissen. Der Ersatz, das neue, L-förmige Institut, steht schon im Rohbau. In einem Jahr soll es bezogen werden.

Die Kosten betragen Leiter Fries zufolge rund 35 Millionen Euro, wovon 30 Millionen vom Land kommen. In Angrenzung an den in den 90ern errichteten Anbau, der bestehen bleibt, sind im kurzen L-Stück die Seminarräume, im längeren die Büros zu finden. 4000 Quadratmeter umfasst der Neubau. Wenn der Altbau abgerissen sein wird, wird ein großer Innenhof entstehen. Der Hirnforschung eröffnen sich die größten Chancen erst, wenn irgendwann in Zukunft das angrenzende (blaue) Gebäude des Veterinäramts abgerissen wird, das schon seit Jahren leer steht. Dort will das Land für die Uniklinik, die Goethe-Universität, das Esi und das MPI moderne Bildgebungsverfahren des Gehirns einrichten. Damit man auch sehen kann, wie Denken funktioniert.

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