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Reste vom Entlüftungsrohr begutachten die Teilnehmer einer Führung in der Galluswarte.

Frankfurter Wehrturm

Neues von der Galluswarte

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Zum 600-jährigen Bestehen der Galluswarte haben Hanne Emrich und Renate Ullrich die historische Schrift „Weit draußen vor den Thoren der Stadt“ verfasst. Darin geht es auch um die geplante Gestaltung des heutigen Umfelds, die noch ein paar Jahre auf sich warten lässt.

Oft zündeten die Wachleute auf der Galluswarte zur Warnung Fackeln an. Denn in ihrer langen Geschichte war sie Wachgebäude, Henkerasyl, Zollstation, dann Gartenwirtschaft, Luftschacht, Straßenbahnstation und schließlich Wahrzeichen des nach ihr benannten Stadtteils. So konnten Hanne Emrich und Renate Ullrich von der Geschichtswerkstatt Gallus reichlich Material zu den Geschichten rund um die Warte und ihrer Menschen zusammentragen- vom Schinderhannes auf seinem letzten Weg bis zum tödlichen Verkehrsunfall des Pfarrers Ludwig Perabo.

Nach dem Rückbau des Entlüftungsrohrs wurde die Galluswarte im Jubiläumsjahr 2014 mit abgestuften Weißtönen von der transparenten Bodenplatte bis zu den oberen Podesten ins rechte Licht gesetzt: „Diese Installation zur Luminale war unser Beitrag zum 600-jährigen Bestehen“, erklärte Petra Kanamüller vom Stadtplanungsamt. Hinzu kamen vier Informationstafeln im Innenhof vor dem Eingang. „Wir wollten zusätzlich in einer Schrift die Kriege, Belagerungen, Wetterkatastrophen und sonstigen Erlebnisse der Warte würdigen“, erklärte Renate Ullrich.

Die Veranstaltungsreihe „Stadtlabor unterwegs im Gallus“ bot Gelegenheit, das Porträt „Weit draußen vor den Thoren der Stadt….600 Jahre Galluswarte vorzustellen, die Warte zu besichtigen und sich einen Tag nach dem architektonischen Rundgang mit dem Bund Deutscher Architekten (siehe eigener Artikel) auch über die Zukunft des exponierten Platzes rund um das Wahrzeichen Gedanken zu machen.

„Denn die Galluswarte ist auch im modernen Stadtverkehr ein Ankerpunkt und sollte nach einem Gestaltungswettbewerb 2011 aufgewertet werden. Doch das Projekt liegt noch bei den Planungsbehörden, wo es offenbar nicht recht vorangeht “, hatte der mit der Gestaltung beauftragte Architekt Ulrich Scheffler kritisiert. Sein Entwurf sieht an Stelle des Toilettenhäuschens einen im Stil passenden Neubau für Ausstellungen auf einer leichter zu erschließenden Verkehrsinsel vor. Außerdem soll die S-Bahnunterführung durch eine beleuchtete WC-Anlage heller und benutzerfreundlicher werden.

„Die Verzögerungen ergeben sich durch die schwierige Verkehrssituation um die Warte, durch die kostengünstiger zu planende Verlegung der Toilette und technische Abstimmungen mit der Bahn “, erklärte Petra Kanamüller. Noch brauche es einige Geduld, doch sie hoffe auf eine Realisierung des Projekts noch „vor 2020“. Allzu lang Zeit bleibt bis dahin nicht.,

Mit dem „Verkehr“, der in den vergangenen Jahrhunderten aus Messegästen, aber auch aus feindlichen Soldaten, Wegelagerern und sonstigem lichtscheuen Volk bestand, musste sich die Galluswarte schon immer herumschlagen. Deshalb gab König Wenzel 1398 die Erlaubnis zur Frankfurter Landwehr mit zunächst hölzernen Warten und durch Dornhecken verstärkten Erdwällen. „Das Gestrüpp einer Landwehr mag als Vorbild für das Märchen vom Dornröschen gedient haben“, erklärte Emrich.

Obwohl die Richtstätte zwischen dem Galgentor an der Stadtmauer und dem Galgenfeld beim heutigen Hauptbahnhof weiter entfernt lag, genoss die einstige „Galgenwarte“ anders als die Friedberger, die Sachsenhäuser und die Bockenheimer Warte einen makabren Ruf – dabei berichten Emrich und Ullrich vom Scharfrichter Jonas Fischer, der nach missglückter Hinrichtung vor dem Volkszorn selbst dorthin flüchtete. Die Figur des heiligen Gallus auf dem Galgenbrunnen verhalf der Warte im 18. Jahrhundert zu ihrem neuen Namen „Gallenwarte“, bevor sich um 1850 sprachlich korrekt die heutigen Versionen „Galluswarte“ und „Gallusanlage“ einbürgerten. „Jemand vom Institut für Stadtgeschichte meinte, da war wohl ein Lateinlehrer am Werk“, schmunzelt Ullrich.

Nach dem Rückbau der Landwehr mussten sich alle vier Warten gegen Abrisspläne behaupten, mit Ausnahme der Sachsenhäuser Warte wurden sie für die Belüftungstechnik umgebaut. Auch in der Zukunft wird die Galluswarte ihren Platz zwischen Eisen- und Straßenbahnen finden.

Die Schrift „Weit draußen vor den Thoren der Stadt“ ist in der Buchhandlung Carolus oder nach Vereinbarung bei den Autorinnen (Telefon 73 72 88, r.ullrich@googlemail.com) erhältlich.

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