Am ehemaligen Standort des Stadtschulamtes in Frankfurt soll das neue Gymnasium Süd ab dem Schuljahr 2024/25 einziehen.
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Am ehemaligen Standort des Stadtschulamtes in Frankfurt soll das neue Gymnasium Süd ab dem Schuljahr 2024/25 einziehen.

Schuleröffnung

Neues Gymnasium Frankfurt Süd findet Standort – Aber nur vorübergehend

  • Julia Lorenz
    VonJulia Lorenz
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Nach viel Spekulation ist das Profil und der Standort des neuen Gymnasiums Süd in Frankfurt bekannt. Letzterer sorgt für eine Überraschung.

Frankfurt – Fächerverbindendes Lernen, einen Fokus auf Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik sowie bilingualer Unterricht auf Englisch in einigen Fächern: Das neue Gymnasium Süd, das bereits im September an den Start gehen soll, nimmt Gestalt an. Am Freitag hat Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) gemeinsam mit Vertretern des Staatlichen Schulamts das Profil und den Standort der neuen sechszügigen Schule vorgestellt. Vor allem über letzteren wurde in den vergangenen Wochen viel gerätselt und spekuliert. Jetzt ist das Geheimnis gelüftet.

Das neue Gymnasium Süd wird zunächst in der ehemaligen Wallschule in der Diesterwegstraße in Sachsenhausen anfangen. Aber nur vorübergehend. "Hier kann die sechszügige Schule erst einmal wachsen", sagte Weber bei der Präsentation der Pläne. In den kommenden Monaten sollen in dem Gebäude der ehemaligen Förderschule Fachräume eingerichtet, eine Essensversorgung organisiert und "die ein oder andere Reparatur" durchgeführt werden. "Ich freue mich, dass das schöne, aber leerstehende Gebäude der Wallschule jetzt wieder hergerichtet wird", sagte Weber.

Neues Gymnasium in Frankfurt findet Zwischenstandort bis 2024

Nach zwei Jahren wird das Gebäude und Grundstück für die sechszügige Schule aber zu klein. Deshalb soll das Gymnasium Süd zum Schuljahr 2024/25 an seinen endgültigen Standort zwischen der Seehofstraße und der Gerbermühlstraße ziehen, dort wo bisher das Stadtschulamt sowie das Amt für Bau und Immobilien beheimatet waren.

"Das Gebäude steht ab März leer. Dann wollen wir es wieder für schulische Zwecke herrichten", sagte die Stadträtin, die neben der Bildung auch für Bauen und städtische Liegenschaften zuständig ist. Eine Bedarfsanalyse gebe es bereits. Derzeit befinde man sich mit dem Eigentümer des Gebäudes noch in Gesprächen, wie der Umbau erfolgen soll. "Bis Mai wollen wir die Planung festlegen, dann kann die Umsetzung beginnen."

Schüler sprengen die Kapazitäten in Frankfurt: Neues Gymnasium geplant

Das Gymnasium Süd wird neben der Schiller-, Carl-Schurz- sowie der Freiherr-vom-Stein-Schule das vierte Gymnasium in der Bildungsregion Süd. "Mit der Neugründung erfüllen wir das Ziel, wohnortnahe Bildungsangebote bereitzustellen", sagte Weber. Ein neues Gymnasium entspreche zudem dem Elternwunsch. Der Übergang von der vierten in die fünfte Klasse hätte auch im vergangenen Jahr wieder gezeigt, dass der Bedarf an gymnasialen Schulplätzen steige.

Nach Angaben der Stadträtin lag die Übergangsquote von der Grundschule auf das Gymnasium bei fast 55 Prozent - der höchste Wert in Frankfurt, den es bisher gab. "Wir mussten zwölf zusätzliche Klassen über die Kapazität hinaus in den bestehenden Schulen bilden", so Weber. Für das kommende Schuljahr rechne man gar mit 18 zusätzlichen Klassen. Deshalb würde das neue Gymnasium im Frankfurter Süden auch schon im Sommer an den Start gehen - und nicht erst wie ursprünglich geplant im Sommer 2023.

Stadträtin Weber wies außerdem darauf hin, dass man mit der Idee, die neue Schule in einem Bestandsgebäude unterzubringen, auch dem Ziel der Koalition aus Grünen, SPD, FDP und Volt nachkomme, keine neuen Flächen versiegeln zu wollen. "Und der ehemalige Behördenstandort hat viel Potenzial." Es gebe nicht nur Platz für eine Schule. Man plane einen Bildungscampus. Auch die geplante neue Integrierte Gesamtschule (IGS) im Frankfurter Süden, die spätestens in zwei Jahren eröffnen soll, könnte dort interimsmäßig unterkommen.

Klimawandel und Medienkompetenz: Gymnasium in Frankfurt stellt Profil vor

Zum pädagogischen Profil der ganztägig arbeitenden Schule erklärte Thomas Strauch, Leiter der Projektgruppe für das neue Gymnasium, dass der "verbindende und verbindliche" Schwerpunkt das fächerverbindende Lernen sein soll. Das heißt: Themen wie etwa der Klimawandel oder das "Leben der alten Römer" können projektartig in unterschiedlichen Fächern gleichzeitig behandelt werden - verknüpft mit Exkursionen und dem systematischen Methodenerwerb wie zum Beispiel dem Erstellen von Plakaten oder dem Erlernen von Präsentationstechniken.

Zudem sollen die Schwerpunkte MINT und Bilingual-Englisch angeboten werden - freiwillig und je nach Neigung der Schüler. Auch Medienkompetenz soll in der Schule eine große Rolle spielen, weshalb es in der Jahrgangsstufe 5 eine verbindliche Medienbildungsstunde geben soll, in der die Kinder den Umgang mit Computern und den verantwortungsvollen Umgang mit dem Internet lernen. Die erste Fremdsprache ist an der Schule Englisch ab der 5. Klasse. In der 6. Klasse kommen als zweite Fremdsprache Französisch, Spanisch oder Latein dazu.

Schüler mit Förderbedarf: Gymnasium in Frankfurt plant inklusiven Unterricht

"Das ist aber alles ein Prozess", sagte Evelin Spyra, Leiterin des Staatlichen Schulamts. "Jetzt wird nur das grundsätzliche Profil der Schule festgelegt." Dazu zähle auch, dass man an dem Gymnasium Schüler mit Förderbedarf inklusiv unterrichten wolle. "Die Inklusion wird Modellcharakter haben", sagte Spyra. Dies müsse aber noch beim Hessischen Kultusministerium beantragt werden. "Schulentwicklung ist etwas, das aus der Schule selbst heraus passieren muss. Der Prozess geht weiter." (Julia Lorenz)

Digitale Vorstellung

Am 3. Februar stellt sich das Gymnasium Süd um 19.30 Uhr interessierten Eltern per Videokonferenz vor. Dafür anmelden kann man sich auf der Internetseite unter www.gymnasium-sued.de.

Während sich das Gymnasium Süd noch in der Planung befindet, wird an anderer Stelle schon erweitert: Dabei soll das Gymnasium Nord in Frankfurt 5 Millionen Euro teurer werden als geplant, wie vor Kurzem bekannt wurde.

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