Annalena Henssen hat es sich auf dem Periskop gemütlich gemacht. Dass dieses ebenso goldfarben ist wie der Schriftzug, findet sie gelungen.
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Annalena Henssen hat es sich auf dem Periskop gemütlich gemacht. Dass dieses ebenso goldfarben ist wie der Schriftzug, findet sie gelungen.

Eröffnung

Neues Historisches Museum: Ein Gewinn für die Frankfurter Altstadt

Auf Gold steht Annalena Henssen (25) , also zumindest auf die Farbe. Das verrät sie, während sie ihre jeweils goldfarbene Brille und Uhr zurechtrückt. Und deshalb mag sie vor allem die glitzernden Details wie den goldenen Schriftzug, die goldenen Messingbeschläge und Türen sowie das doppelte, ebenfalls goldene Periskop auf dem großzügigen neuen Platz.

Auf Gold steht Annalena Henssen (25) , also zumindest auf die Farbe. Das verrät sie, während sie ihre jeweils goldfarbene Brille und Uhr zurechtrückt. Und deshalb mag sie vor allem die glitzernden Details wie den goldenen Schriftzug, die goldenen Messingbeschläge und Türen sowie das doppelte, ebenfalls goldene Periskop auf dem großzügigen neuen Platz.

Die 25-jährige Frankfurterin studiert Architektur am Städel und ist eigens zum Tag der offenen Tür gekommen, um sich die Gestaltung der beiden Gebäude anzuschauen. Ganz zufrieden ist sie allerdings nicht. „Das ist mir zu postmodern. Ich hätte mir die Fassade etwas schlichter gewünscht“, meint Henssen mit Blick auf die mit Dreiecken, Kreisen und Ornamenten gestaltete Fassade. „Das ist mir alles etwas zu viel auf einmal.“ Begeistert hingegen ist sie von dem großzügigen Platz, auf dem man sich treffen kann.

Mit dem Fotoapparat ist Karl-Heinz Staab (63) aus Offenbach unterwegs, um den Neubau des Historischen Museums für sein privates Archiv aus allen möglichen Blickwinkeln abzulichten. „Was man hier so sieht, ist toll“, sagt er. Die Öffnung zur Altstadt beginne mit der großzügigen Treppenanlage, die für die Altstadt in dieser Form nicht üblich sei. Auch der neu angelegte Platz zwischen den beiden Neubauten sorge für ein großzügiges Raumgefühl.

Seiner Ansicht nach profitiere vor allem das historische Haus Wertheym gegenüber dem Historischen Museum von der Neugestaltung am Fahrtor. Das Fachwerkhaus komme jetzt viel besser als früher zur Geltung, so beschreibt er zumindest seinen persönlichen Eindruck.

Beeindruckt ist Staab außerdem von der Gestaltung der Museumsfassade. „Offenbar hat man hier doch wieder den Mut gefunden, Ornamente zu verwenden“, freut er sich. Ihm jedenfalls gefallen die Kreise, Dreiecke und Rauten, die auf der roten Sandsteinfassade zu finden sind. „Das ist doch sehr sehenswert.“

Etwas makaber finden Christa und Roland Ruppel aus Oberusel die Beleuchtung der Skulpturen, die in den Nischen des Neubaus stehen. Bei der hoch stehenden Mittagssonne werfen sie Schatten, welche das Ehepaar an ein Hinrichtungsinstrument aus dem Mittelalter erinnert. „Das sieht dann alles zusammen aus wie ein Galgen. Und dass einige Skulpturen keinen Kopf mehr haben, das wirkt schon komisch – dies war aber sicherlich nicht gewollt“, sagen die beiden.

Christa Ruppel hatte ohnehin in Frankfurt am Main zu tun, da nutzte das Ehepaar die Gelegenheit, um sich den Neubau anzuschauen. Beide beurteilen diesen als „sehr gelungen“. Vor allem den roten Sandstein loben sie, weil er sowohl zum gegenüberliegenden Haus Wertheym als auch zur Nikolaikirche und zur Ostzeile passt. Das Ensemble – Foyer und Ausstellungsgebäude – fügt sich nach Ansicht von Roland Ruppel ohnehin sehr harmonisch in die Bebauung am Römerberg ein. Seine Frau Christa findet, dass der Neubau eine riesengroße Verbesserung gegenüber dem Altbau sei: „Der hat mir nie gefallen.“

 

Eine grün leuchtende Kleinigkeit im Treppenhaus des Foyers ist Joachim Schadendorf (56) sofort aufgefallen: eine Leuchtreklame des Turmpalastes. „Ich finde es toll, dass an das Kino erinnert wird. Viele Menschen denken sicher, dass sie diesen oder jenen Film dort gesehen habe, wenn sie die Leuchtreklame sehen“, sagt er. Solche Details seien es, die den Neubau des Historischen Museums warm, wohlig und liebevoll erscheinen ließen, schwärmt der Touristenführer aus Frankfurt. Die Architektur des Gebäudes findet er sehr gelungen. „Die Fassade ist sehr abwechslungsreich, das wirkt fast spielerisch auf mich. Und der Bezug zur neu entstehenden Altstadt ist zu erkennen.“ Dennoch findet der 56-Jährige nicht alles positiv. So ist seiner Ansicht nach das Foyer zu beengt geraten. „Es ist alles zu klein geworden, angefangen von den Toiletten über die Gänge bis hin zur Cafeteria. Viele werden auch den Aufzug nicht finden und sich verirren, weil alles so verwinkelt ist“, vermutet er.

Den Neubau des Historischen Museums bezeichnet Anne Conley als „absoluten Gewinn“ für die Altstadt. Durch die Neugestaltung ergäben sich ganz andere Blickachsen auf das Haus Wertheym. „Das finde ich total gut und spannend“, sagt sie. Mit Bekannten ist sie eigens zum Tag der offenen Tür gekommen, um die neue Architektur zu begutachten. Und diese überzeugt sie – vor allem die Sandsteinklinker findet sie schön. Und ihr gefällt außerdem, dass sich das Historische Museum in der Glasfassade des gegenüberliegenden Neubaus der Evangelischen Akademie spiegelt. Das seien ganz neue Ansichten.

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