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Saturn-Gelände Berger Straße

64 Wohnungen und Einzelhandelsflächen sollen entstehen

Neues Leben fürs Saturn-Areal

64 Wohnungen, Einzelhandel und vielleicht sogar ein Fitnessstudio sollen künftig Platz finden auf dem ehemaligen Saturn-Gelände in der Berger Straße. Teile des Gebäudes müssen dafür abgerissen werden. Die Fassade soll besser ins Ortsbild passen als die jetzt noch vorhandene Kaufhausfassade.

Schon lange nicht mehr war eine Sitzung des Ortsbeirats 4 (Bornheim, Ostend) so gut besucht. Manche Gäste bekamen gar keinen Platz mehr und mussten gar stehen. Allein das zeigt, wie das Thema den Bernemern unter den Nägeln brennt. Architekt Michael Beye sprach über die von BilleBeyeScheid Architekten GbR geplante, künftige Bebauung des Saturn-Geländes in der Berger Straße.

Seit November 2013 steht das ehemalige Saturn-Gebäude in der Berger Straße leer. Darunter hat nicht nur das Ortsbild, sondern vor allem der Einzelhandel rund um den früheren Elektronikmarkt gelitten, war der Saturn doch fast zwei Jahrzehnte als Kundenmagnet auf der Berger Straße. Auch aufgrund des Leerstandes ging bei manchen Händlern der Umsatz zurück. In unmittelbarer Nähe zum einstigen Saturn mussten unter anderem ein Schuhgeschäft und ein Textilienhändler schließen.

Der Saturn soll zwar nicht zurückkehren; dies gab die Kölner Unternehmenszentrale bereits Anfang Februar 2017 bekannt. Doch das Saturn-Gebäude und das dahinter liegende Areal soll sich bis in zwei Jahren wieder mit Leben füllen.

Wie Architekt Beye berichtete, soll ins Untergeschoss des Gebäudes ein Lebensmittelmarkt ziehen, im Erdgeschoss sowie im ersten Obergeschoss sind Flächen für Einzelhändler vorgesehen. Welche das sein werden, steht bislang noch nicht fest. „Es gibt Gespräche. Angedacht ist ein Textilienhandel“, so Beye. Im zweiten Obergeschoss könnte laut Aussage des Architekten ein Fitnessstudio Platz finden. Das dritte und vierte Obergeschoss jedoch sollen abgerissen und neu errichtet werden, wenn auch „in lockerer, nicht so hermetischer Form wie jetzt“, sagte Beye. 64 Mietwohnungen sollen anschließend in den beiden Stockwerken und in einem weiteren Bestandsgebäude auf dem Areal entstehen.

Die gleiche Anzahl an Wohnungen befand sich auch zuvor auf dem ehemaligen Saturn-Areal. Jene Einheiten waren allerdings sehr klein und sollen nun durch einen Mix zwischen 1-Zimmer-Wohnungen und Einheiten mit einer Fläche von bis zu 100 Quadratmetern ersetzt werden.

In gewisser Weise wird die Berger Straße zudem für den Anblick des jahrelang leerstehenden Saturn-Gebäudes entschädigt. Architekt Beye erklärte, dass sich das Aussehen der künftigen Fassade stärker an den Altbau-Strukturen in der Berger Straße orientieren wird. „Weg von der klassischen Verkaufsfassade“, sagte Beye. Bestehen bleiben soll die Tiefgarage unter dem Areal. Die Stellplätze darin sollen auch künftig von Anwohnern und Kunden genutzt werden können.

Los gehen sollen die Bauarbeiten im späten Frühjahr diesen Jahres. Wie Thorsten Sauerhering von der Anwaltssozietät Clifford Chance erklärte, die den Grundstückseigentümer, die niederländische Firma Fyrex Sat, in Deutschland vertritt, soll das Gebäude im ersten Quartal 2019 bezugsfähig sein.

Nach den Auswirkungen des Leerstandes in den letzten Jahren interessierte die Besucher vor allem, inwieweit die Bauarbeiten einen Einfluss auf die Berger Straße haben. Dort soll jedoch höchstens ein Bauzaun stehen. Die Andienung der Baustelle soll über die Heidestraße erfolgen. „Alles andere macht für uns keinen Sinn“, erklärte der Architekt.

Volker Marx von der Linken interessierte sich mit Blick auf den Mangel an günstigen Wohnungen und Betreuungsplätzen dafür, ob sich auf dem ehemaligen Saturn-Areal künftig auch geförderte Wohnungen befinden sollen und die Bebauung Platz bietet für eine Kinderbetreuung. Beides werde nicht der Fall sein, sagte Beye, weil auf dem Areal kein Platz sei für Freiflächen zum Spielen. Die Mietpreise würden sich am Bornheimer Mietspiegel orientieren, ergänzte er.

Franz Steul, der Vorsitzende des Bornheimer Gewerbevereins, blickte jahrelang sehr kritisch auf den Leerstand. Nachdem die Pläne nun im Ortsbeirat vorgestellt wurden, sieht er optimistisch in die Zukunft der Berger Straße: „Die Mischung aus einem Lebensmittelladen, einem Textilhandel und Wohnen ist gut. Zum Glück geht es nun los“, lobte Steul.

Bernhard Ochs, Stadtverordneter für die Partei Frankfurter, wünscht sich vor allem eines auf dem Areal: „Einen Kundenmagneten, so wie Saturn einer war. Solange es diesen nicht gibt, werden die Einzelhändler dort weiter leiden.“

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