Hoch hinaus soll's möglichst gehen: Andreas Walther-Schroth (Mitte), der Leiter der "Stage and Musical Academy", auf dem Dach der Schule mit Planungsdezernent Mike Josef (r.) und Henning Brandt (l.), dem Leiter der Verwaltungsstelle Höchst. FOTOs: Leonhard Hamerski
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Hoch hinaus soll's möglichst gehen: Andreas Walther-Schroth (Mitte), der Leiter der "Stage and Musical Academy", auf dem Dach der Schule mit Planungsdezernent Mike Josef (r.) und Henning Brandt (l.), dem Leiter der Verwaltungsstelle Höchst.

Höchst: Rundgang mit Frankfurter Dezernent

Neues Leben unter den Dächern der alten Stadt

  • Holger Vonhof
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Modernisierungsberatung für Gewerbeflächen kann erste Erfolge vorweisen

Wenn Hausbesitzer im Stadtteil verwurzelt sind, ist alles einfacher. Das weiß Stadtplaner Frank Ammon. Der gelernte Möbelschreiner, der im Anschluss Architektur in Darmstadt studierte, hat so seine Erfahrungen gemacht. Wohnen Hausbesitzer anderswo und haben nur die Lukrativität ihrer Immobilie im Sinn, wird's schwierig. Das ist auch in Höchst so, wo Ammon im Auftrag des Stadtplanungsamts Hauseigentümer berät. Einer, der sich der Maxime "Eigentum verpflichtet" bewusst ist, ist Hans-Peter Burggraf. Ihm gehört das Haus Albanusstraße 34, Baujahr 1896. Nach der Aufgabe des Bettenhauses Rühl, dessen Ladenflächen sich vom Eckhaus Hostato- / Albanusstraße per Durchbruch auch ins Erdgeschoss seines Hauses erstreckten, war Veränderung angesagt. Und Burggraf hat sich von Ammon beraten lassen.

Hommage an die Gründerzeit

Der Durchbruch ist zugemauert, die knapp 76 Quadratmeter große Teil-Ladenfläche ist jetzt ein eigenes Geschäft. Eingezogen ist "Tatianas Textilpflege", die früher in der gleichen Straße vis-à-vis Reinigungsaufträge entgegennahm. Dort befindet sich heute ein Kiosk. Familie Hubermann, die die Reinigung betreibt, hat es vorgezogen, ins Untergeschoss des Burggraf-Hauses zu ziehen.

Wie viel Liebe Hans-Peter Burggraf und seine Frau ins Objekt gesteckt haben, zeigt sich schon beim Blick ins Treppenhaus: Schwarze und weiße Kacheln, farblich abgesetzte Flächen, eine florale Bordüre versetzen jeden, der eintritt, in die Gründerzeit. Mit Unterstützung des Förderprogramms wurde nicht nur die vormals verwaiste Gewerbefläche umgebaut, sondern auch die Fassade unterhalb der roten und leicht ockerfarbenen Klinker neu gestaltet.

Die Stadt hat 2006 das kommunale Förderprogramm "Innenstadt Höchst" beschlossen. Nach zehnjähriger Laufzeit wurde es dann 2018 von der Stadtverordnetenversammlung für weitere fünf Jahre erneuert und mit zehn Millionen Euro Fördermitteln bestückt - verbunden mit einer Verlagerung der Schwerpunkte. Ziel ist es nun, die Höchster Innenstadt in ihrer zentralen Funktion für Einzelhandel, Gewerbe und Dienstleistung zu stärken und sie als Wohn- und Geschäftsquartier attraktiver zu machen. Immer mehr Ladenleerstände waren dafür ausschlaggebend. Gestern hat sich Planungsdezernent Maik Josef (SPD) drei erfolgreiche Beispiele angesehen - das Haus der Burggrafs ist eines davon.

Im Hinterhof der Königsteiner Straße 17, von der Fußgängerzone aus kaum wahrnehmbar, residiert seit zwei Jahren die "Stage and Musical Academy", hervorgegangen aus der Tradition einer der ältesten Musikschulen Frankfurts. Auch beim Umbau der 229 Quadratmeter Gesamtfläche, auf denen Tanz- und Schauspielausbildung stattfindet, war das Förderprogramm beteiligt. Wegen Corona darbt die staatlich anerkannte Ergänzungsschule derzeit etwas. "Die Kultur wird nicht voll unterstützt", sagt Ingke von Kiesling, die Vorsitzende des Trägervereins. Und Andreas Walther-Schroth, einer der beiden Schulleiter, berichtet Mike Josef von viel Herzblut und Eigeninitiative, die in den Umbau seit August 2019 geflossen sind. Im Februar 2020 war offizielle Eröffnung, im März kam der Lockdown, und alles war dicht. Die Schule wollte im Stadtteil präsent sein, etwa beim Schlossfest mitmachen - verschoben. Zumindest wurden bereits Kontakte zu umliegenden Schulen geknüpft, und im neuen Jahr soll es Jugendangebote und Abendkurse für Erwachsene geben, die Spaß an Tap Dance oder Jazztanz haben, ohne eine mehrjährige Bühnen-Ausbildung anzustreben, wie sie etwa Helene Fischer absolviert hat. Beim Designparcours am Samstag, 28. August, können Interessierte in die Schule hineinschauen - sie liegt zwischen mitten im Leben, zwischen "Rossmann" und "Backwerk". Mike Josef zeigt sich beeindruckt von diesem Hinterhof-Juwel, wünscht viel Glück für den Neustart: "Man muss die Rädchen miteinander verzahnen und dranbleiben."

Das dritte Beispiel auf seiner kleinen Tour ist gestern früh "Bounour's" in der Dalbergstraße 4. Die 65 Quadratmeter kleine Patisserie, in der edle orientalische Süßigkeiten nach marokkanischem Vorbild gefertigt werden, ist in der Lockdown-Zeit vom Eigentümer, der Familie Bounour, neu gestaltet worden.Jetzt gibt es auch Mittagstisch - Falafel, fritierte Kichererbsen-Bratlinge oder auch Hummus, ein Kichererbsen-Püree mit Sesam und Kreuzkümmel. Eine weitere Dönerbude ist nicht daraus geworden. Weil die Schaufensterscheibe mit Brettern verschalt war, dachten viele, Bounour's ist weg - Bounour's ist aber wieder da, jetzt nicht nur Café, sondern auch "Deli", wie man in den Hotspots dieser Welt sagen würde. Die Imbiss-Preise sind moderat.

Dem Stadtteil treu geblieben

Umgestaltet wurden das Ladenlokal, die Schaufensterfront und die Küche. "Auf der Schweizer Straße würde es brummen", sagt Frank Ammon. Aber Familie Bounour hat sich bewusst dazu entschieden, in Höchst zu bleiben. Die Lunch-Angebote helfen im Tagesgeschäft; für die Patisserie - die man auch im Laden kaufen kann - bestücken die Bounours jetzt im September Gartenfeste wie das am Schloss Fasanerie in Eichenzell oder Schloss Wolfsgarten in Langen. Schloss Fasanerie gehörte dem Fürstabt Adolph von Dalberg - so schließt sich der Kreis zur Dalbergstraße in Höchst. Holger Vonhof

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