+
So soll das neue Rechenzentrum von Interxion neben Samson an der Hanauer Landstraße im Ostend aussehen

Neubau im Ostend

Neues Rechenzentrum für 175 Millionen Euro - Fassade aus recycelten Getränkedosen

Die Rechenzentrums-Branche am Standort Frankfurt boomt. Schon heute ist Frankfurt die größte Internet-Metropole in Europa. Dieser Status wird mit dem neuen 15. Rechenzentrum „FRA 15“ der Firma Interxion weiter ausgebaut. Es wurde gestern vorgestellt.

Dass sich im Frankfurter Ostend Google und Amazon treffen und überhaupt die großen und ungezählte weitere Internet-Unternehmen vernetzen, ist bislang nicht offensichtlich. Mit dem Bau des neuen Rechenzentrums des Betreibers Interxion könnte sich das nun ändern. Zumindest tritt einer der größten deutschen Betreiber von Rechenzentren mehr ins Blickfeld der Passanten.

Direkt am Ratsweg-Kreisel, wo sich die Hanauer Landstraße und die Autobahn A 661 kreuzen, entsteht mit „FRA 15“ für 176 Millionen Euro ein auffälliges neues Rechenzentrum. Wenn es fertiggestellt ist, wird das Unternehmen, das auch den Internetknoten De-Cix zu seinen Kunden zählt, 9600 Quadratmeter zusätzliche Rechenzentrumsfläche mit einer IT-Leistung von 20 Megawatt haben – ein Großteil davon ist laut Angaben von Interxion bereits vermarktet. Dass dort nicht ein weiterer großer grauer, schwarzer oder grün-grauer Klotz steht, ist den Auflagen der Stadt Frankfurt zu verdanken. „Wir haben keine eigenen Ansprüche an die Gebäudefassade“, sagt Thomas Wacker, Expansions-Bereichsleiter bei Interxion. Ebensolche aber hatten das Stadtplanungsamt und die Stadtentwicklung.

14500-Quadratmeter-Areal

Wegen der prominenten Lage des neuen Gebäudes sei nicht erwünscht gewesen, dass ein „sich von der Außenwelt verschließender Block entsteht“, erklärt Mark Gellert, Sprecher von Planungsdezernent Mike Josef (SPD). Deshalb sollte das Gebäude nicht einfach rechteckig, sondern gegliedert sein; farbige, senkrechte Elemente sollten zudem Fenster nachahmen. Entworfen haben den Bau die Architekten des Büros „Planen und Bauen“. Die Fassade besteht aus Alucobond, einem Material, das aus recycelten Getränkedosen hergestellt wird. Für den Bau hat Interxion 2017 eine 14 500 Quadratmeter große Fläche vom Nachbarn Samson gekauft. Der erste Bauabschnitt soll im ersten Quartal 2020 fertiggestellt sein.

Wachstumsbranche

Für Interxion-Geschäftsführer Jens Prautzsch steht der Neubau „symbolisch für das Wachstum der Branche“, die ständig neue Superlative verkündet. Seit dem Jahr 1999 bietet Interxion in Frankfurt Server-Fläche an. Während früher Flächen in der Größe eines sogenannten Cages (englisch für Käfig) nachgefragt waren, wollten die Kunden von heute vor allem große Flächen. Teilweise würden sogar separate Rechenzentren gewünscht.

Hintergrund der steigenden Nachfrage an Speicherplatz und damit Rechenzentrumsfläche ist die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung der Gesellschaft und die Auslagerung von Daten in die sogenannte Cloud. Prautzsch erklärte: „Wir investieren auch künftig weiter in den Standort Frankfurt, der bereits heute der größte digitale Hub Europas ist“.

Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) sagte, digitale Infrastrukturen stünden am Anfang aller Überlegungen technischer Machbarkeit bei Unternehmensansiedlungen. Mit derzeit 35 Betreibern von Rechenzentren an 65 Lokationen mit insgesamt 600 000 Quadratmetern Fläche sei Frankfurt für kommende Herausforderungen gut gerüstet. Die internationale Vernetzung und die verkehrsgünstige Lage förderten ebenfalls die Attraktivität für alle Wirtschaftsbereiche.

VON CLAUDIA ISABEL RITTEL

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare