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Dieselbe Prozedur wie jedes Jahr: OB Peter Feldmann bei der Neujahrsansprache 2017 im Römer. Nächste Woche wird es ähnlich aussehen.

Neujahrsrede zum Ersten, Zweiten und Dritten

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Am heutigen Samstag startet der Reigen der wichtigsten Neujahrsempfänge der Stadt. Zuerst lädt der DGB ins Gewerkschaftshaus. Am Donnerstag, 18. Januar, die Stadt in den Römer und am Dienstag, 16. Januar, folgt die Industrie- und Handelskammer (IHK) in der Börse. Hier lesen Sie, was die Gäste erwartet.

Schwermütige Töne erklingen meist im Gewerkschaftshaus, und das nicht nur bei den Reden. Das Duo „Blueswings“ mit Hartwig Kahlcke am Saxophon und Bernhard Dill an der Gitarre spielt vermutlich mehr Blues als Swing, denn die arbeitende Bevölkerung hat es immer schwer. Moll triumphiert über Dur. Beim Gewerkschaftsempfang hat man in der Bankenstadt am ehesten Gelegenheit, harte Männer zu treffen, die unter der Woche Blaumann und Batschkapp (Schiebermütze) oder eine Baseballkappe tragen. Rund zwei Drittel der etwa 450 Anwesenden sind Gewerkschafter, einige haben ein hartes Arbeitsleben hinter sich, die meisten vor sich.

Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) ist Verdi-Mitglied und hat damit ein Heimspiel. Für Feldmann ist der DGB-Empfang die beste Gelegenheit, seine diesjährige Neujahrsrede vor einem wohlgesinnten Publikum zu testen. Die Helden kapitalistischer Arbeit laben sich anschließend an einer deftigen Gulasch- oder Gemüsesuppe.

Mit leichten Änderungen hält Feldmann seine Rede dann weitere zwei Male, denn drei Mal ist Frankfurter Recht. Beim letzten, dem IHK-Empfang, dann hoffentlich stark gekürzt. Denn die meisten der rund 1800 IHK-Gäste haben sie bereits bei den vorangegangenen Empfängen gehört. Denn die Schnittmenge derer, die alle drei Empfänge über sich ergehen lassen müssen, ist nicht unerheblich.

Das Stelldichein bei der IHK ist das Gegenstück zum DBG. Schiebermützen werden an der Garderobe keine abgegeben, höchstens der eine oder andere elegante Homburger. Es dominiert der vorstandsblaue Anzug und der Mann an sich. Das steht auch auf der Einladung; Dresscode: Dunkler Anzug. Nur Frauen dürfen offenbar anziehen, was sie wollen. Oder müssen sie in einen Hosenanzug schlüpfen?

Anders als beim DGB laben sich die Herren und Frauen Unternehmer am Krabbenschwanz und anderen Leckereien.

Üppig ist das Buffett: Lachs im Blätterteig, Rheingauer Winzerbraten vom Duroc-Schwein, einer Rasse mit Wurzeln in den alten großen Wildschweinarten Amerikas; zarte Rinderrouladen. Im Börsensaal wartet frisches Obst. In einer eigens abgetrennten Raucher-Lounge werden frisch gerollte kubanische Zigarren angeboten, die standesgemäße Zwischenmahlzeit für den Unternehmer.

Beim städtischen Neujahrsempfang im Römer ist Feldmann Hausherr. Da er mitten im Wahlkampf steht, hat er als Festredner den aus den Medien bekannten Klima- und Meeresforscher Mojib Latif als Gastredner eingeladen. Mit Thema und Redner buhlt Feldmann um die Gunst der Grünen in einer möglichen Stichwahl, wo doch seine Genossen in Berlin gerade die Klimaziele für 2020 den Bach hinunter haben gehen lassen.

Im Römer mischt sich das Volk. Man trifft hier den einen oder anderen Werktätigen, auch Unternehmer, aber bestimmend sind natürlich Politiker aller Couleur.

Wie bei einer Plenarsitzung sind fast alle Stadtverordneten anwesend. Nichts stärkt über Parteigrenzen hinweg das Gemeinschaftsgefühl mehr als einige gemeinsam genossene Gläser Pils oder Ebbelwei.

Das Buffett in den Römerhallen ist altfrankfurterisch: Es gibt grüne Soße mit Eiern, gekochtes Rindfleisch in Meerrettichsoße, Rindswürstchen. Kein Wunder also, dass nach dem Absolvieren aller Neujahrsempfänge samt der servierten Leckereien so mancher nicht mehr in seinen Anzug hineinkommt.

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