Jessica Wildhirt (l.), Katharina Pößl und Ali Dasan haben in einem Jahresprojekt an der Philipp-Holzmann-Schule Ideen für bezahlbaren Wohnraum für Studierende in Westhausen erarbeitet und stellen das Ergebnis im Deutschen Architekturmuseum vor. Foto: Rainer Rüffer
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Jessica Wildhirt (l.), Katharina Pößl und Ali Dasan haben in einem Jahresprojekt an der Philipp-Holzmann-Schule Ideen für bezahlbaren Wohnraum für Studierende in Westhausen erarbeitet und stellen das Ergebnis im Deutschen Architekturmuseum vor. Foto: Rainer Rüffer

Ausstellung

Das Neu(st)e Frankfurt

  • vonAlexandra Flieth
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Holzmann-Schüler entwickeln Ideen für Wohnraum auf dem Dach

Charakteristisch für die Siedlung Westhausen ist die streng lineare Anordnung der Häuserzeilen, die auf den ersten Blick wie auf dem Schachbrett entworfen scheint. Diese letzte große, unter dem früheren Frankfurter Stadtbaurat, Architekten und Stadtplaner Ernst May (1886-1970) realisierte Siedlung bildet die Grundlage für das Projekt "Das Neueste Frankfurt", das Schüler der Fachschule der Philipp-Holzmann-Schule in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Architekturmuseum (DAM) und dem Museum Angewandte Kunst (MAK) jetzt realisiert haben. Die Ergebnisse sind in einer kleinen Kabinettsausstellung im DAM zu sehen.

Visionäre Ideen von Ernst May

Grundlage des Projekts bilden die visionären Ideen von Ernst May am Beispiel der Siedlung Westhausen. In seiner Zeit als Stadtbaurat zwischen 1925 und 1930 hat er gemeinsam mit einem Team aus Architekten, Landschaftplanern und Produktdesignern das von ihm aufgelegte Wohnungsbauprogramm "Das Neue Frankfurt" realisiert. Innerhalb von fünf Jahren konnten damit gut 12 000 Wohneinheiten gebaut werden, davon allein mehr als 1100 Wohnungen und Häuser in Westhausen. Damit wirkte May dem schon damals in der Mainmetropole vorherrschenden Mangel an bezahlbarem Wohnraum entgegen.

Für die Holzmann-Schüler - insgesamt beteiligten sich 23 Projektteilnehmer aus den Fachrichtungen Holztechnik, Bautechnik sowie Garten- und Landschaftsbau - war die Auseinandersetzung mit den Ideen und Prinzipien Mays und seiner Mitstreiter die Basis ihres für den Abschluss wichtigen Jahresprojekts. Ausgangspunkt war die Frage, wie der Wohnraumnot von Studierenden heute begegnet werden kann.

Das Wohnen für das Existenzminimum war einst ein zentrales Thema in Mays Siedlungsbauprogramm. Typisch für die für zwei Familien mit Kindern ausgelegten zweigeschossigen Häuser in Westhausen, die den überwiegenden Teil der Siedlung charakterisieren, sind Flachdächer.

Diese Flächen sollten die Holzmann-Schüler nutzen, um experimentelle Wohnzellen für Studenten zu entwickeln. Ähnlich wie May es bereits in den 20er Jahren vormachte, entwickelten die Projektteilnehmer Module mit seriellem Charakter auf der Basis von "Tiny Houses" - also kleinsten Wohneinheiten von zehn bis zwölf Quadratmetern - mit Schiebe-, Klapp- und Multifunktionselementen. Die Ergebnisse zeigen, wie solche Gebäude nachverdichtet werden könnten. Vorausgesetzt der Denkmalschutz spielt mit.

Eine dieser Ideen wurde von Jessica Wildhirt, Ali Dasan und Katharina Pößl erarbeitet. Die drei Bautechniker im Hochbau, die im Juni 2020 erfolgreich ihre Prüfung an der Holzmann-Schule abgeschlossen haben, schlagen die Anbringung einer Tragspinne aus Stahl vor, um die Aufstockung auf den Dächern zu ermöglichen. Diese, so erklären es die drei Projektteilnehmer, geben den Modulen Stabilität und sind gleichzeitig ästhetisches Zierelement. "Alles, was wir entwickelt haben, musste rückgängig gemacht werden können, ohne dass die Bausubstanz beschädigt wird", erklärt es Jessica Wildhirt. Deswegen soll die Tragspinne, so die Idee, auch mit Abstand zu den Gebäuden angebracht werden. Diese könnte zusätzlich dazu genutzt werden, die Gebäude zu begrünen. Insgesamt 21 Module könnten auf den Dächern einer Häuserzeile aufgestockt werden, jeweils drei davon würden eine Wohneinheit für zwei Studenten bilden. Ein Dreier-Ensemble sei als gemeinschaftlich nutzbares Modul geplant. Alexandra Flieth

Öffnungszeiten und Dauer

Die Ausstellung im DAM, Schaumainkai 43, läuft noch bis zum 8. Oktober. Sie kann zu den Öffnungszeiten dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr und mittwochs von 10 bis 20 Uhr besichtigt werden. Der Eintritt ins DAM beträgt 9 Euro, ermäßigt 4,50 Euro.

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