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Leben in Frankfurt: Preisexplosionen - Wer kann sich das noch leisten?

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Von: Thomas J. Schmidt

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Wo ist welches Produkt am günstigsten? Angelina H. lebt von Grundsicherung und dem bisschen, was sie sich mit Putzen dazuverdient. Aktuell macht sie sich große Sorgen, wie es weitergehen soll.
Wo ist welches Produkt am günstigsten? Angelina H. lebt von Grundsicherung und dem bisschen, was sie sich mit Putzen dazuverdient. Aktuell macht sie sich große Sorgen, wie es weitergehen soll. © enrico sauda

Leben in Frankfurt wird immer teurer. Die Preisexplosion bei Lebensmitteln trifft vor allem Menschen mit kleinem Geldbeutel besonders hart.

Frankfurt - Alles wird teurer. Angelina H. aus Frankfurt beobachtet es genau. "Ein Mürbeteig-Hase hat früher 1,25 Euro gekostet, er kostet heute 2,25 Euro", sagt sie. "Und bald ist ja Ostern. Ich packe immer Geschenkpakete für Kinder." Angelina H. ist sozial engagiert. Sie kocht bei sich zu Hause und lädt Gäste ein. Der Erlös wird gespendet. Dieser Tage beispielsweise für Ukraine-Flüchtlinge.

"Früher habe ich mit 50 Euro in Vorlage treten müssen, jetzt mit 80 Euro. Dieselben Lebensmittel!", ärgert sie sich - auch wenn sie das Geld ja zurückbekommt. "Schauen Sie, ein Kürbis für Kürbissuppe hat früher 1,85 Euro gekostet, jetzt kostet er 3,25 Euro. Tomaten, Orangen, alles ist teurer geworden." Selbst das Tierfutter. Frau H. hat Katzen. "Breckies kosten 3,19 Euro! Früher waren es nur 2,85 Euro. Bei einer Drogeriekette zahlt man aktuell sogar 4,25 Euro."

Wohnen in Frankfurt: Nur noch ein Zimmer wird beheizt

Angelina H. vergleicht die Preise. Meist kauft sie bei des Discountern Penny, Aldi, Netto, manchmal auch bei Rewe. "Ich schneide mir die Angebote aus. Das muss man heute tun, wenn man mit kleinem Geld über die Runde kommen muss." Kleines Geld, das heißt für sie: Eine Grundsicherung mit 1100 Euro, dazu noch etwa 300 Euro, die sie hinzuverdient, wenn sie putzen geht. Ihre Miete beträgt 490 Euro, hinzu kommt ein Abschlag von 125 Euro für Strom und Gas. "Aber beim Gas rechne ich auch mit einer Nachzahlung. Das Gas wird ja ständig teurer."

Um die Nachzahlung gering zu halten, heizt Frau H. nur noch eines ihrer zwei Zimmer. "Zum Glück habe ich kein Auto, wenn man sich die Spritpreise betrachtet. Zum Glück habe ich keine Kinder. Wenn man bedenkt, wie teuer das alles wird. Es ist ja auch die Kleidung und was Kinder sonst so brauchen. Die wachsen ja!" Es sei schon vorher kaum möglich gewesen, sich mit einem Normalverdienst in Frankfurt über Wasser zu halten. Angesichts der galoppierenden Preisentwicklung werde es fast unmöglich.

Preisexplosion in Frankfurt: Auch Lebensmittel werden deutlich teurer

Frau H. schätzt bei allem trotzdem Qualität. Lieber esse sie weniger Fleisch, dafür aber gutes, und weniger Fisch. Aber Fleisch kaufe sie trotz der höheren Kosten beim Metzger, Fisch in der Kleinmarkthalle bei Fisch Burkhardt. "Ein Kilo Roulade kostet im Supermarkt zwölf Euro, beim Metzger 18 Euro. Auch Fisch ist sehr teuer geworden, auch Krabben", stellt sie fest. "Mehl und Zucker sind im Supermarkt kaum noch zu haben, Sonnenblumenöl ist gar nicht mehr da." Es gebe einen echten Mangel. Und wenn es etwas gibt, dann kaufen die Leute gleich kiloweise. Auch Nudeln seien teurer geworden, ebenso Gebäck.

Kocht sie sich einen Kaffee, isst Angelina H. gerne Gebäck dazu. "Caféteria fein" heißt es und kostete bis vor kurzem 2,25 Euro regulär. "Jetzt habe ich es gesehen für 3,99 Euro. Wer kann sich das noch leisten?" Für die Zukunft macht sie sich große Sorgen: Wie sehr die Preisentwicklung vorangeschritten ist seit Jahresbeginn und erst recht seit dem Ukraine-Krieg, da könne man nur hoffen, dass es nicht so weitergehe.

Frankfurt: Energiekosten treiben Preise weiter in die Höhe

Das statistische Bundesamt meldete eine Geldentwertung von 5,1 Prozent im Februar und von 7,3 Prozent im März. Alleine um fast 40 Prozent stiegen die Energiekosten, als Folge daraus alles andere: Gestiegene Transportkosten, höhere Preise für Heizung, Strom - das wirkt sich auch auf die Nahrungsmittelpreise aus. Diese stiegen im März laut statistischem Bundesamt um 6,2 Prozent.

Die Produktion der Rohstoffe wird für Bauern teurer, in der Lebensmittelindustrie steigen die Preise für Produktion und Verarbeitung, so dass zwei Drittel der Nahrungsmittelhersteller für die kommenden Monate weitere Preissteigerungen ankündigen, berichtet der Konjunkturchef des Münchener Ifo-Instituts, Timo Wollmershäuser. Angelina H. wird, wie viele andere, in Zukunft den Gürtel noch enger schnallen müssen. (Thomas J. Schmidt)

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