Nichts geht im Neubaugebiet „Leuchte“

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Weil der Grundwasserpegel 75 Zentimeter höher ist, als ursprünglich gedacht, stocken die Bauarbeiten. Wann es weitergeht ist fraglich, denn noch ist unklar, wie der Pegel gesenkt werden kann.

Seit mehr als einem Jahr stocken wieder einmal die Arbeiten am Neubaugebiet „Leuchte“ in Enkheim. Nur kurze Zeit hatte eine Firma von Herbst 2014 an an der Erschließung, also dem Bau von Kanälen unter den künftigen Straßen des Baugebiets, gearbeitet. Dann stellte die Firma die Arbeiten ein: Der Grundwasserspiegel sei höher als gedacht, man müsse neu planen, hieß es im Februar 2016 aus dem Amt für Straßenbau und Erschließung. Aber es gehe bald weiter, im Frühjahr 2016 sei die Erschließung beendet, dann könnten Häuslebauer die ersten Bauanträge stellen. Stattdessen herrscht noch immer Stillstand: Noch immer ist nicht klar, wie das Grundwasser abgesenkt werden kann. Denn das ist nötig, damit die Kanäle verlegt werden können.

Ein detaillierter aktueller Stand war trotz Nachfrage aus dem Frankfurter Amt für Straßenbau und Erschließung nicht zu bekommen. Zurzeit warte die Stadt auf die Erstellung eines geohydrologischen Gutachtens, um beurteilen zu können, welche Maßnahmen nötig seien, um weiter arbeiten zu können, erklärt Amtsleiterin Michaela Kraft. „Das Frankfurter Amt für Straßenbau und Erschließung klärt zurzeit die Grundwasserverhältnisse (Stände/Schwankungen) für das Baugebiet ‚Leuchte‘“, bestätigt das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt. Das RP muss als Obere Wasserbehörde zustimmen, wenn die Stadt Frankfurt den Grundwasserspiegel absenken will.

„Die Klärung der Grundwasserverhältnisse ist unter anderem für die Verlegung der Kanäle wichtig, weil dazu Grundwasserhaltungen notwendig werden“, heißt es aus Darmstadt. Mit Zustimmung des RP habe die Stadt bereits einen Pumpversuch gemacht, um erste Erkenntnisse über die hydrologischen Verhältnisse zu bekommen. Zwischen dem Amt für Straßenbau und Erschließung, der Stadtentwässerung und dem RP gebe es fortlaufend Gespräche über die geplante Entwässerung des Baugebiets, zuletzt am 20. April. „Der Entscheidungs- und Planungsprozess ist aber noch nicht abgeschlossen“, schreibt das RP.

Die Probleme entstanden weil der Grundwasserpegel bei Beginn der Arbeiten im Herbst 2014 um 75 Zentimeter höher lag als bei den Voruntersuchungen, hatte Ulrich Rendel, der damalige stellvertretende Leiter des Erschließungsamts, im Februar 2015 erklärt. Damals vermutete er, ein Grund dafür könne sein, dass die Hessenwasser GmbH zwischenzeitlich ihren Trinkwasserbrunnen im Enkheimer Ried stillgelegt hatte. Drei Monate später hieß es, die Ursachen würden noch erforscht.

Während die Erschließung des Baugebiets stockt, betreibt das Stadtvermessungsamt das Umlegungsverfahren für das Neubaugebiet. Dabei werde aus den bisherigen, durch Erbteilung zahlreichen Gartengrundstücken die künftigen Baugrundstücke. Mit den meisten der 80 Eigentümer oder Eigentümergemeinschaften habe die Stadt bereits gesprochen. Deshalb hofft Planungsamtssprecher Mark Gellert, dass das Verfahren bis Ende des Jahres abgeschlossen ist.

Viele Bergen-Enkheimer, die hier bauen wollen, warten bereits in der zweiten Generation, dass es endlich losgeht oder haben ganz aufgegeben: Die Planung des Neubaugebiets reicht in die Zeit vor der Eingemeindung Bergen-Enkheims im Jahr 1977 zurück. Für 1000 Menschen soll das Areal an der „Leuchte“ einmal Heimat sein.

Aufgehalten hatten die Entwicklung des Baugebiets in den vergangenen Jahren vor allem die stark geschützten Zauneidechsen, die auf dem Areal lebten. Der Umzug der Tiere in einen extra angelegten Ersatzlebensraum im Osten Fechenheims ist seit Herbst 2014 aber abgeschlossen. Einige Tiere bleiben aber in der sogenannten „Binnendüne“, einem sandigen Gebiet im Nordosten des Baugebiets, das eingezäunt ist. Ein zwanzig Zentimeter hoher Plastikstreifen soll zudem dafür sorgen, dass die Eidechsen nicht ins Baugebiet einwandern.

Abgeschlossen ist seit rund einem Jahr auch die Räumung des Baugebiets von Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg: Nach „heutigem Stand der Technik“ sei das Gebiet „bis auf kleine Stellen kampfmittelfrei“, erklärte eine Mitarbeiterin des Erschließungsamts im Mai 2015. Bei der Räumung seien verschiedene Arten von Bomben gefunden worden, auch Brandbomben mit Phosphorgemisch.

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