Marianne (auf dem Rad) und Christiane Alt betreuen das "ParkBike", das Mathias Biemann vom VCD auf den Neumarkt brachte.
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Marianne (auf dem Rad) und Christiane Alt betreuen das "ParkBike", das Mathias Biemann vom VCD auf den Neumarkt brachte.

Umwelt

Nied: Es muss nicht immer der große Garten sein

  • VonAlexandra Flieth
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Blühendes Lastenrad trägt den Naturschutzgedanken in den Stadtteil - Bürger als Paten.

Am frühen Abend ist der zentrale Platz am Neumarkt in der Eisenbahnersiedlung in Nied durch geparkte Autos belegt. Lediglich kleinere Bäume, die in vertikalen Linien angeordnet sind, unterbrechen die überwiegend versiegelte Fläche. Unweit des dortigen Bücherschranks steht seit kurzem das "ParkBike", ein Lastenrad, das mit heimischen Wildblumen, Stauden und Kräutern begrünt ist, die besonders insektenfreundlich sind. Der Bepflanzung liegt ein Plan zugrunde, der den Vegetationsperioden folgt. Mit einer Sitzfläche, die zum Verweilen einlädt, soll es in den kommenden drei Wochen Möglichkeiten der Erholung bieten.

Vorbeigebracht wurde das besondere Lastenrad von Mathias Biemann, dem Sprecher der Regionalgruppe Rhein-Main des Verkehrsclubs Deutschland (VCD). Er hat das Rad, dessen Idee in Zusammenarbeit mit dem Kreisverband Frankfurt des Bundes für Natur und Umweltschutz Deutschland (BUND) entstanden ist, mit konzipiert.

Hitzesommer verschärfen Probleme

Innerhalb der Stadt war es zuvor an mehreren Standorten geparkt, etwa am Mainkai und in der Töngesgasse. "In den heißen und trockenen Sommer der vergangenen Jahre bemerken viele Menschen, wie schnell sich versiegelte oder asphaltierte Flächen aufheizen", sagt er. Um diesem Effekt entgegenzuwirken sei es wichtig, solche Flächen zu begrünen und damit die Wohn- und Lebensqualität zu verbessern.

Biemann verweist auf das städtische Förderprogramm "Frankfurt frischt auf", mit dem Begrünungsmaßnahmen in Höfen, auf Dächern und Fassaden finanziell unterstützt werden. Besonderer Dorn im Auge sind ihm vor allem die Schottergärten, die viele Eigentümer einer begrünten Fläche vor ihren Häusern vorzögen. Dass es für ein besseres Klima in der Stadt nicht immer eines großen Gartens bedarf, sondern schon kleine Begrünungsmaßnahmen zur Verbesserung der Situation beitragen können, dafür soll das "ParkBike" ein Beispiel sein. Es soll zeigen, wie mit wenig Aufwand ein kleines Biotop vor der Haustür geschaffen werden kann. Am Hinterrad informieren Tafeln, warum es wichtig ist, zu begrünen, statt zu versiegeln. Selbst ein kleines Biotop sorge für Abkühlung, bessere Luft und mehr Lebensqualität. In Nied gibt es bereits Initiativen von Anwohnern, unter anderen in der Neubausiedlung gegenüber der Eisenbahnersiedlung, die sich in ihrer Umgebung einfach mehr Grün wünschen.

Paten kümmern sich um die Pflege

"Das Lastenrad wurde zunächst als Modellprojekt entwickelt und ist das bisher einzige Exemplar", so Biemann weiter. Und es kann vom VCD, wie jetzt passiert, ausgeliehen werden. Marja Glage, Quartiersmanagerin der Caritas Frankfurt im Programm "Sozialer Zusammenhalt" in Nied, hat es in den Stadtteil gebracht. In den kommenden drei Monaten soll es dort touren. Drei Wochen lang verweilt es zunächst auf dem Neumarkt, bevor es zum nächsten Standort in Alt-Nied gebracht wird. Insgesamt sind fünf Stationen im Stadtteil geplant.

Die beiden Schwestern Christiane und Marianne Alt kümmern sich in dieser Zeit als Patinnen um die Pflege des "ParkBike" am Neumarkt. Auch an den anderen vorgesehenen Standorten wird es jeweils Paten für das "ParkBike" geben. Die Planung hat Irene Sittig gemacht, die sich wie die beiden Schwestern ehrenamtlich für das Projekt engagiert.

Die ersten Insekten haben inzwischen das "ParkBike" entdeckt und fliegen aufgeregt von Pflanze zu Pflanze. Es gehe dabei auch um die Frage, wie die Menschen in Zukunft leben möchten, darum, das Bewusstsein für Umwelt und Klima zu stärken, fasst es Biemann zusammen. Mehr zum "ParkBike" gibt es unter https://hessen.vcd.org.

alexandra Flieth

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