Schüler der Anna-Schmidt-Schule genießen ihre Pause vor dem barocken Verwaltungsgebäude der Einrichtung, das seit 2015 umfangreich saniert wurde.
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Schüler der Anna-Schmidt-Schule genießen ihre Pause vor dem barocken Verwaltungsgebäude der Einrichtung, das seit 2015 umfangreich saniert wurde.

Auszeichnung

Nieder-Erlenbach: Hier kommen Moderne und Historie zusammen

  • vonKatja Sturm
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Saniertes Gebäude der Anna-Schmidt-Schule wurde als Denkmal des Monats ausgezeichnet.

Nieder-Erlenbach -Es begann damit, dass man vor etwa sieben Jahren an der Nieder-Erlenbacher Dependance der Frankfurter Anna-Schmidt-Schule eine Turnhalle hochziehen wollte. "Wir brauchten das, um konkurrenzfähig zu bleiben", erklärt Marco Steinführer, der zum Vereinsvorstand der privaten Einrichtung zählt. Doch das Denkmalamt wollte den Plan nur mitgehen, wenn unter der Umgestaltung des Schulhofs das der Verwaltung dienende Herrenhaus "Glauburg" am Eingang nicht leiden würde.

Das Bemühen darum, diesem besonderen Besitz alles unterzuordnen, führte nicht nur zu einem neuen Campus-Konzept, das neben der Sportstätte eine moderne Mensa beinhaltete. Für insgesamt sechs Millionen Euro aus der eigenen Kasse wurde auch das um 1701 geschaffene und 1911 erweiterte barocke Gebäude selbst restauriert und den Anforderungen der heutigen Zeit angepasst. Das gelang in Zusammenarbeit mit der Behörde und den Architekten Klaus Heim und Lars Klimaschewski so gut, dass das Land Hessen das Ergebnis nun als "Denkmal des Monats" auszeichnete.

Mit 1000 Euro dotierter Preis

Angela Dorn, Ministerin für Wissenschaft und Kunst, kam am Mittwochvormittag vorbei, um den mit 1000 Euro dotierten Preis zu überreichen. Die "Kombination aus traditionsreicher Schule und dem Erhalt eines Denkmals" traf bei der Grünen-Politikerin auf größte Anerkennung. "In Zeiten wie diesen, in denen man viel über Entwurzelung und Heimatverlust spricht", sei es besonders wichtig, "Moderne und Geschichte so miteinander zu verbinden, dass man die Wurzeln spürt", sagte Dorn. Indem man die Räume des Herrenhauses für die Organisation der Schule nutze, sei ein Denkmal entstanden, das lebt.

Wie viel Arbeit die Verantwortlichen in die Sanierung steckten, wurde bei einem Rundgang durch das schmucke Bauwerk deutlich. Für die verschiedenen Fenster wurden unterschiedliche Lösungen gefunden, um einerseits deren historische Ansicht zu erhalten, aber auch dem energetischen Soll nachzukommen, wie Heim erklärte. Über dem noch im Original erhaltenen Boden des Entrées schwebt eine reifenartige Lampe, die, wie Schulleiterin Petra König erzählte, erst bei einem stundenlangen Aufenthalt auf der Messe "Light and Building" gefunden wurde.

Die dunkle Holzwendeltreppe konnte trotz aktueller Brandschutzvorschriften erhalten werden, auch weil es einen zweiten Fluchtweg gibt. Sie reicht vom Erdgeschoss aus, wo sich das Lehrerzimmer befindet, zwei Stockwerke hoch, endet jedoch über der ersten Etage in einer Sackgasse. Ein Vollausbau des Dachgeschosses, so Heim, sei aus Sicherheitsgründen nicht möglich.

Noch ist die 2015 begonnene Maßnahme nicht ganz abgeschlossen, auch wenn der Hauptteil bis zum Herbst 2018 erledigt war. Zur Unteren Burggasse hin befindet sich noch eine alte Mauer, deren Steine sorgfältig gereinigt und mit Material aus dem Westerwald ergänzt wurden. Der Burggraben dahinter soll sich bis Ende des Jahres noch in ein schattiges Areal mit zusätzlichen Fahrradabstellplätzen für die insgesamt 440 Gymnasialschüler der Jahrgangsstufen fünf bis zehn verwandeln, die hier im Osten der Stadt unterrichtet werden.

Budget und Zeitplan wurden eingehalten

Dennoch resümierte Steinführer schon mal in zweifacher Hinsicht eine Punktlandung. Sowohl was das Budget betreffe als auch den Zeitplan habe man die ursprünglichen Planungen eingehalten. "Wenn Sie einen guten Schulbetrieb haben, können sie solche Investitionen auch stemmen", erklärte der Vorstand. Für den Schulbesuch an dieser Stelle werden monatliche Beiträge ab 255 Euro aufwärts fällig.

Allein was die Qualität angeht, habe man die selbst gesetzten Ziele verfehlt, räumte Steinführer ein. Grund zum Grämen gibt es deshalb jedoch nicht. Denn, so betonte er: "Es ist schöner geworden, als wir es uns vorgestellt haben." Katja Sturm

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