Albert und Bärbel Kunna in einem ihrer Gewächshäuser in Nieder-Erlenbach.
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Albert und Bärbel Kunna in einem ihrer Gewächshäuser in Nieder-Erlenbach.

Familienbetrieb

Nieder-Erlenbach: Wo Rosen, Alpenveilchen und Sellerie wachsen

  • vonSabine Schramek
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Seit fast 120 Jahren bewirtschaftet Familie Kunna ihre Felder und Gewächshäuser. In vierter Generation ziehen Bärbel und Albert auf 50 Hektar Grund kunterbunte Blumen und Gemüse. Als Landwirte bezeichnen sie sich nicht. Kunnas sind Gartenbauer mit Leib und Seele.

Nieder-Erlenbach -Wer glaubt, dass es in Frankfurt keine endlosen Rosenfelder gibt, irrt gewaltig. Wer bei Kunnas auf den Hof kommt, wird schnell eines Besseren belehrt. Rote, gelbe, rosa, weiße und lila Rosenbüsche leuchten in den letzten warmen Tagen, soweit das Auge reicht. "Sie werden jeden Tag geschnitten. Die meisten kommen als Schnittblumen auf den Blumengroßmarkt", sagt Bärbel Kunna lachend, als immer wieder ein Traktor mit langer Ladefläche voller frisch geschnittener bunter Rosen in Wasserkübeln über den Hof tuckert. Ein Teil der Königinnen der Blumen wird direkt im eigenen Hofladen verkauft, der Rest taucht in Blumengeschäften im Frankfurter Raum auf.

Dass Frankfurt mehr zu bieten hat als Banken, Skyline und Hektik, sondern auch Gemüse, Topf- und Gartenpflanzen lokal und regional anbaut, wird gern verdrängt. "Wir können nicht ganz Frankfurt ernähren, aber es ist wichtig, zu wissen, dass man auch ganz frisch direkt vor Ort bekommen kann, was man für die Küche braucht", erklärt Albert Kunna den neugierigen Besuchern der Jungen Union aus dem Rhein-Main-Gebiet, denen Ortsvorsteher Yannick Schwander (CDU) zeigen will, was der Frankfurter Norden zu bieten hat. Kunnas Uropa hat die ersten Gärtner für das Lersner'sche Schloss angestellt und hat damals schon Saatgut per Post verschickt. Der erste Betrieb musste wegen Flurbereinigung weichen. Seit den 60er Jahren wachsen die Pflanzen, Gemüse und Blumen parallel zum Erlenbacher Stadtweg auf 50 Hektar auf freien Feldern und in gut 11 000 Quadratmetern Gewächshäusern.

"Der Landfraß betrifft uns auch", so Albert Kunna. "Irgendwann wird das Wachstum der Stadt nicht aufzuhalten sein und die regionale Selbstversorgung verschwinden", orakelt der Gartenbauer ruhig. "In diesem Jahr ist es mit Corona deutlicher denn je geworden, wie wichtig es ist, dass es Essen, das direkt vor der Haustür wächst, gibt." Bewusster seien die Frankfurter seit Corona geworden, erzählt Kunna. So viel wie in dieser Saison haben sie noch nie verkauft. "Die Nachfrage nach frischem lokalem Salat, Kohl, Sellerie, Tomaten und Gurken war noch nie so hoch", so Bärbel Kunna.

Im Kühlhaus duftet es intensiv nach Sellerie, der kistenweise für den Großhandel fertig gemacht wird. 25 Saison-Mitarbeiter und fünf Festangestellte ernten, waschen und putzen Salat, Kohl und Gemüse in Handarbeit, bevor es in Rewe-Märkte kommt. Die Stimmung ist konzentriert, entspannt und ruhig auf den Feldern, in den Hallen und rund um die Kühlhäuser. Vor und im Hofladen lassen sich Kunden beraten. Über Blumengebinde und saisonales Gemüse. Große und kleine Kürbisse liegen neben Blumentöpfen voller bunter Chrysanthemen, in den Gewächshäusern schillern Alpenveilchenpflanzen durch das Glas. Für das kommende Frühjahr werden Stiefmütterchen gezogen, die die ersten zarten Spitzen zeigen. Im Frühjahr blühen sie mit Primeln und Geranien um die Wette. Jedes Jahr bis Ende Oktober werden 300 000 Rosen geschnitten - im Winter ziehen Kunnas besondere Winterrosen, deren dichter Blütenstand dem von Weihnachtssternen ähnelt. Die Arbeit teilen sich Kunnas auf. Albert Kunna ist für das Gemüse zuständig, Bärbel für Blumen.

Traktoren und Maschinen sind pausenlos im Einsatz. Etwas Sorge machen den Gartenbauern die trockenen Sommer. "Die Niederschläge fehlen jetzt das dritte Jahr in Folge. Wenn das nächstes Jahr so weiter geht, wird es heftig", so Albert Kunna. Bewässert wird aus den eigenen 50 Meter tiefen Brunnen, aus dem Wasser in ihr Elf-Millionen-Liter-Becken gepumpt wird. "Nachts, mit kleineren Düsen damit das Wasser nicht so schnell verdunstet", erklärt er umsichtigen Umgang mit Wasser. "Ohne Bewässerung wächst kein Gemüse." Die Böden in Nieder-Erlenbach sind gut, da sie Tonteile enthalten, die Wasser speichern. Das Gemüse ist knackig und kerngesund. Die Blumen leuchten in satten Farben. Auch wenn die meisten Rosen weltweit nicht mehr so intensiv duften wie früher, damit sie länger in der Vase halten, gibt es Ausnahmen. Eine Sorte mit lila gefüllten Blütenblättern und dickem gelbem Stempel hüllen ganze Zimmer in zarten süßen Duft.

SABINE SCHRAMEK

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