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Hat ihren Keller zum Filmstudio umgebaut: Fitnesstrainerin Monique Oertl.

Sportangebot

Nieder-Eschbach: Nichts wie weg mit dem Corona-Speck

  • vonSabine Schramek
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Es gibt Leute, die aus der Not eine Tugend machen. Bereits im ersten Lockdown, bei dem Sportclubs Corona-bedingt schließen mussten, hat Fitnesstrainerin Monique Oertl damit begonnen, Kurse via Zoom anzubieten.

Nieder-Eschbach -Außer Puste bringt Monique Oertl (42) nichts so schnell. Außer Fassung bringt sie eher der zweite Corona-Lockdown für Fitnessstudios. "Es ist so wichtig, sich zu bewegen, seinen Körper zu spüren und zu trainieren", sagt sie. "Gerade in Corona-Zeiten. Die Leute sitzen im Home- office und auf der Couch. Das schützt zwar vor Ansteckung mit Viren, ist aber ungesund."

Der Freund musste in die Küche

Als im März die Fitnessstudios zum ersten Mal schließen mussten, hat Oertl überlegt, wie sie das, was sie selbst seit 20 Jahren macht, dennoch fortführen kann. "Training macht mich glücklich und andere glücklich zu machen auch", so die sportliche Frau mit dem Pferdeschwanz. Sie erfuhr von Zoom und hat "zuerst im Wohnzimmer Kurse angeboten". Da ihr Lebensgefährte dann aber während der je 30-minütigen Trainingseinheiten "in der Küche warten musste, um nicht zu stören", hat sie ihre Matte mit einem orange-pinkfarbenen Strandhandtuch in den Keller verfrachtet, Wände quietschbunt neben dem Gerätekeller gestrichen, Pflanzen aufgestellt und Leute eingeladen, per Zoom mitzumachen. Das kommt an.

An sieben Tagen der Woche bietet sie jetzt insgesamt 23 Trainingseinheiten via Kamera an mit sieben verschiedenen Kursen. Einer davon ist "Moniques Fatburn Workout". Da geht es richtig ran an den Speck. Sie turnt alles vor und mit. Sie kennt die Namen ihrer Teilnehmer, die ihre Wohnzimmer, Büros, Schlafzimmer oder Dielen nutzen, um dabei zu sein. Wer keine Hantel hat, hält Wasserflaschen in der Hand, während gestreckt und gedehnt wird. Oertl lacht die ganze Zeit und motiviert mit Power, Lebensfreude und Mut.

Liegestütze, Butterfly, Kreuzheber, Sprünge, Ausfallschritte, Twist, Kniebeugen und Push-ups trainieren den ganzen Körper. "Zieht den Bauchnabel zur Wirbelsäule, behaltet die Spannung, Rücken gerade, macht Euch richtig schön fest und atmet beim Runtergehen ein und beim Raufgehen aus", ruft sie und korrigiert, während sie selbst jede Übung live mitmacht, die Körperhaltung der Teilnehmer, die sie auf dem Tablet sieht. "Beim Rudern die Arme ganz nah am Körper lassen", empfiehlt sie. "Die Hände flach mit gespreizten Fingern auf die Matte", legt sie nach. Aus dem Tablet hört man Schnaufen, Lachen und Pusten. Die Teilnehmer schwitzen, das Tempo kann jeder selbst bestimmen. "Noch 30 Sekunden, das schafft ihr", ermutigt Oertl die Männer und Frauen am Schirm und strahlt, als läge sie am Strand in einer Hängematte. Dabei gibt sie gerade den dritten Kurs direkt hintereinander mit jeweils einer Viertelstunde Pause für sich.

Nebenher gibt es Ernährungstipps

"Corona-Speck wird man am besten mit einem Mix aus Bodyworkout und Muskeltraining los", verrät sie. "Muskeln verbrennen Fett und Cardioübungen steigern die Leistung." Nebenbei gibt sie auch noch Ernährungstipps. "Ich bin da, wenn Fragen kommen. Ich mache alles vor und mit, damit die Teilnehmer ebenfalls Spaß haben und ich sofort korrigieren kann, wenn etwas nicht stimmt."

Nicht jeder ist so gestählt und durchtrainiert wie Oertl. Wie eine Katze dehnt und streckt sie sich, jede Faser ihres Körpers ist Muskel. "Man braucht im Prinzip keinerlei Ausrüstung und kann sich überall fit halten", stellt sie fest. Im Sommer haben sich Teilnehmer aus dem Urlaub eingeschaltet oder aus dem Garten. "Eine halbe Stunde Zeit kann jeder aufbringen", ist sie überzeugt und die außer Puste geratenen Sportler auf der anderen Seite des Tablets halten zustimmend die Daumen hoch. Mit 20 Euro im Monat kann jeder so oft mitmachen, wie er will. Bei allen Kursen von Oertl via Zoom, ob Bauch und Rücken, Pilates, Mobility und Stretch oder Fatburn Workout. Ausreden gibt es kaum. Oertl beginnt an vier Tagen um 7.30 Uhr mit Kursen. Die letzten beginnen um 19.30 Uhr. "Das Einzige, was man braucht, ist Wlan und die App Zoom", betont sie. "Einfach mitmachen und fit sein", rät sie und macht weiter. Den dritten Kurs direkt hintereinander. Trotz des Power-Programms, das sie macht, schwitzt sie kaum. Das wollen die anderen auch schaffen. Durch das Tablet hört man eine Frau schnaufend rufen: "Das dauert noch, aber wenn Monique das kann, kommen wir auch noch dahin." Informationen zum virtuellen Trainingsprogramm gibt es im Internet unter www.moniques-personal- training.de SABINE SCHRAMEK

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